„Es wäre wünschenswert, es gäbe viele Michelfelds“

Joachim Fischer über das Projekt „Gesund aufwachsen“. Seine Botschaft lautet: „Es ist machbar.“

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Joachim Fischer.  Foto: 

Wie sind Sie auf Michelfeld aufmerksam geworden?

Vor etwa neun Jahren entstand das Projekt „Gesund aufwachsen in Baden-Württemberg“. Unser Interesse daran war zunächst begrenzt, wir vermuteten, dass das Projekt versanden würde. 2014 hörte ich dann einen Vortrag von Herrn Binnig über die Entwicklung in Michelfeld. Wir waren sehr überrascht, dass so viel so nachhaltig umgesetzt wurde.

Wird das Michelfelder Beispiel Schule machen? Welcher Schritt ist essentiell für die erfolgreiche Umsetzung?

In Michelfeld wurde das Programm zur politischen Priorität Nummer eins gemacht. Die Gemeinde hat den Exekutivauftrag an den Bürgermeister gegeben, und er hat es sehr engagiert in die Hand genommen. Er hat es geschafft, regelmäßig alle Leiter von Schule, Kindergarten und Vereinen an einen Tisch zu bekommen. Von Vorteil war auch, dass die Kommune noch finanzielle Mittel hatte, um in Strukturen und Gebäude zu investieren.

Glücklicherweise haben sich auch etliche engagierte Mitstreiter gefunden. Aber auch den Hauptamtlichen wurden Arbeitszeitfreiräume eingeräumt, um das bürgerschaftliche Engagement zu koordinieren. Michelfeld hat mit knapp 4000 Einwohnern eine gute Größe für die Umsetzung eines solchen Programmes. Es wäre wünschenswert, es gäbe viele Michelfelds. Die wesentliche Botschaft ist: Es ist machbar.

Werden Sie weiter in Michelfeld forschen? Wie und wozu verarbeiten Sie die Ergebnisse, die sie in Michelfeld sammeln?

Wenn wir gewusst hätten, dass die kommunale Gesundheitspolitik hier so umgesetzt wird, hätten wir den Prozess von Anfang an wissenschaftlich begleitet. Aktuell haben wir uns Daten etwa aus der Konsumforschung über umliegende und vergleichbare Gemeinden beschafft. So wollen wir eine virtuelle Vergleichsgruppe für Michelfeld erstellen. Die Frage, der wir nachgehen, ist, wann sich welche Indikatoren ändern, wo Michelfeld von den anderen Gemeinden abzuweichen beginnt. Wir sehen es ja beispielsweise bereits bei der Geburtenrate oder dem Gewerbesteueraufkommen. Unsere Hypothese ist, dass wir in verschiedenen Indikatoren ab etwa 2008/2009 Wirkung sehen. Wir rechnen in einem halben Jahr mit Ergebnissen dieser Analysen. Außerdem wollen wir weiterverfolgen, ob die Entwicklung nachhaltig ist. Dafür werden wir etwa die zugänglichen Daten der schulischen Laufbahn Michelfelder Kinder mit denen der Vergleichsgruppe gegenüberstellen.

Die Fragen stellte Denise Fiedler

Professor Joachim Fischer war nach dem Studium der Humanmedizin und der Facharztausbildung zum Kinderarzt zunächst als Oberarzt an einer Kinderklinik. Seit seiner Ausbildung in Harvard leitete er Forschungsgruppen zu medizinischen und gesundheitsökonomischen Vorhersagemodellen. Es ging auch um die Zusammenhänge zwischen beruflichen Belastungen und Ressourcen sowie biologischem Altern. den

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