„Es gibt keine Überbevölkerung“

Martin Zorzi vom kreisweit tätigen Umweltzentrum hält den Abschuss von Bibern für völlig ungeeignet, die Population zu dezimieren.

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Martin Zorzi, Leiter der Geschäftsstelle des Umweltzentrums.  Foto: 

Der Biber kann nicht waid- und tierschutzgerecht bejagt werden. Die klare Aussage trifft Martin Zorzi, der Leiter der Geschäfsstelle des kreisweit tätigen Umweltzentrums.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Biber und sehen Sie in ihm eine Problemart?

MARTIN ZORZI: Nach den Erfahrungen des Umweltzentrums, das sich schon seit nahezu 20 Jahren mit den Bibervorkom­men im Landkreis befasst, ist es völlig übertrieben, den fleißigen Nager pauschal als Problemart abzu­stempeln. Der ganz überwiegende Teil der Vorkommen verursacht entweder keine oder nur vernachlässig­bare wirtschaftliche Schäden. Probleme macht lediglich eine überschaubare Anzahl, starke Schäden verursachen nur ganz wenige. Eine Bejagung wäre  unverhältnismäßig.

Warum sollten Biber nicht bejagt werden?

Biber haben die Eigenart, dass immer zwei Generationen Jungtiere im elterlichen Bau bleiben und auf die Hilfe der Eltern angewiesen sind. Schießt man Elterntiere, kann dies im  Sommer wie im Winter einen qualvollen Tod der Jungtiere zur Folge haben. Ob ein Biber Junge führt oder nicht, ist wegen der unterirdischen Lebens­weise der Tiere nur mit hohem Aufwand feststellbar. Auch männliche und weibliche Tiere sind aus der Ferne nicht zu unterscheiden. Kein Jäger darf und würde eine Bache vor ihren Frischlingen abschießen. Gleiches würde aber übertragen mit Bibern geschehen.

Wie beurteilen Sie die Forderung seitens CDU, FDP und des Waldbauvereins Schwäbisch Hall nach dem Abschuss?

Bevor man den Abschuss fordert, sollte man sich besser kundig machen. Spätestens wenn die ersten verwaisten Jungtiere gefunden werden, könnte das Entsetzen im Wahlvolk groß sein. Zudem wäre es eine nur kurzfristige Lösung. Denn geeignete freie Reviere werden von nachrückenden Jungbibern rasch wieder besetzt. Erfolg verspricht, das Tier durch eine schrittweise Veränderung des Lebensraums zum Abwandern zu bewegen, dies selbstverständlich unter der Regie des amtlichen Naturschutzes, unter deren Fittichen mit dieser streng geschützte Art umgegangen werden muss.

Gibt es verträglichere Maßnahmen?

Zunächst mal gute Beratung. Dann sollte man versuchen, das Vorkommen in die bestehende Landnutzung zu integrieren, zum einen durch Aufkauf überstauter Flächen oder Umleitung von Drainagen.

Hat der Biber  natürliche Feinde?

Zum einen ist er wie viele Nager empfindlich gegen Infektionskrankheiten. Sein schlimmster Feind ist der Biber selber: Er lebt streng territorial, was heißt, dass er außer seiner Familie keine anderen Artgenossen in seinem Revier duldet. Dringen fremde Individuen ein, kommt es zu heftigen Kämpfen – oft mit Verletzungen, an denen dann wieder besagte Infektionen greifen. So reguliert sich der Bestand selber und es gibt keine Überbevölkerung.

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