„Entwicklung nicht bremsen“

Stillstand: Es wird vorerst keinen weiteren Ausbau der Hochschulen im Land geben. Das geht aus einer parlamentarischen Anfrage hervor. Was bedeutet das für den Campus Schwäbisch Hall?

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Studenten am Campus Schwäbisch Hall. Die Außenstelle der Hochschule Heilbronn-Franken wächst, hat mittlerweile über 1000 Studenten. Das Ziel: 1500 Studierende. Die Stadt hat die räumliche Erweiterung vorbereitet. Es fehlt noch grünes Licht vom Land.  Foto: 

Der Campus Schwäbisch Hall der Hochschule Heilbronn hat sich seit 2009 sehr erfolgreich entwickelt. Schnellstmöglich müssen jetzt die eingerichteten Studienplätze verstetigt werden, um der Hochschule, ihrer Professoren- und Mitarbeiterschaft und auch der Raumschaft Planungssicherheit für die Zukunft zu verschaffen“, fordert Reinhold Gall von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Der SPD-Landtagsabgeordnete hat gemeinsam mit MdL Rainer Hinderer (SPD) eine parlamentarische Anfrage unter anderem zum Ausbau der Studienplätze für die Hochschulen in Baden-Württemberg beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst gestellt. Es werde derzeit nicht an einen weiteren Ausbau von Studienplätzen gedacht und „neue konzeptionelle Überlegungen werden sich auf Umwidmungen innerhalb der bestehenden Gesamtstudienkapazitäten konzentrieren“, lautet die Antwort der Ministerin.

Die beiden Landtagsabgeordneten knüpfen mit ihrer Anfrage an ein Positionspapier des Fachkräftebündnisses Heilbronn-Franken an, das einen Ausbau der Hochschulen in der Region fordert – die Studienplätze sollen von rund 10 000 auf 15 000 steigen. Das Bündnis macht darauf aufmerksam, dass die Region Heilbronn-Franken bei der Zahl der Studierenden Schlusslicht in Baden-Württemberg sei.

Was bedeutet der Ausbau-Stillstand für den Campus Hall? „Von Seiten der Raumschaft als auch der Hochschule Heilbronn besteht der Wunsch, den vertraglich bis in das Jahr 2024 abgesicherten Standort Schwäbisch Hall vorzeitig dauerhaft abzusichern und auszubauen. Das Land ist in Gesprächen mit den Beteiligten“, antwortet die Ministerin. Die Hochschule Heilbronn will sich dazu „erstmal nicht“ äußern, teilt Dr. Simone Scheps mit. Die Leiterin der Hochschulkommunikation geht davon aus, dass sich die Hochschulleitung strategisch abstimmen möchte.

„Ich erwarte von der Landesregierung, dass sie hier ihrer Verantwortung gerecht wird. Unsere Raumschaft braucht beim Hochschulausbau Entwicklungsmöglichkeiten“, macht Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim deutlich. Das Ministerium dürfe „die Entwicklung nicht bremsen“. In Gesprächen mit dem Land soll neben der Verstetigung der Ausbau weiter Thema sein. „Zu den Landesaufgaben gehört es, für gleichwertige Lebensverhältnisse im Land Sorge zu tragen“, so der OB. Er nennt eine vom Land in Auftrag gegebene Studie des Instituts für Raumordnung und Entwicklungsplanung der Uni Stuttgart, worin die Angleichung des Gefälles der Bildungschancen zwischen städtischen Verdichtungsräumen und ländlichen Räumen empfohlen werde.

Wie sehen die Fraktionsvorsitzenden die Entwicklung? „Die Haller CDU-Fraktion fordert den weiteren Ausbau des Standorts Hall der Hochschule Heilbronn-Franken, zumindest die Erhaltung des heutigen Status quo“, sagt Ludger Graf von Westerholt. Die Stadt bringe sich ein, obwohl die Hochschulausbildung und Finanzierung eigentlich Landesaufgaben seien, lobt der CDU-Fraktionsvorsitzende. „Die nächsten Schritte müssen intensive Gespräche mit dem Ministerium sein. Ein Stillstand wäre für unsere wirtschaftlich dynamische, aber eher stiefmütterlich mit Hochschulplätzen ausgestattete Region nachteilig“, so Westerholt.

„Für ein gutes Angebot an Hochschulen steht eindeutig das Land in der Verantwortung – damit der ländliche Raum in diesem Bereich nicht noch stärker abgehängt wird“, betont Helmut Kaiser. Der SPD-Fraktionsvorsitzende macht deutlich, dass die Stadt über die FH-Stiftung bereits seit vielen Jahren Mitverantwortung übernommen habe und verweist auf die Planung für „großzügige räumliche Erweiterung in den Herrenäckern“. Es werde aber eine „auskömmliche Finanzierungsbeteiligung des Landes“ erwartet.

„Für den Standort Hall bedeutet ein Stillstand hinsichtlich Ausbau auch den Stillstand hinsichtlich einer Stadtentwicklung, geprägt von Optimismus, Innovation und einem wohltuenden Einfluss vieler junger Leute“, so Hartmut Baumann. Der FWV-Fraktionsvorsitzende betont, dass es den politisch Verantwortlichen in Stuttgart bewusst werden müsse, wie schädlich eine Vernachlässigung „unseres ländlichen Raums im Bereich der Sekundärbildung“ wäre.

„Zwar wäre es wünschenswert, wenn noch zwei bis drei Studiengänge das Angebot komplettieren könnten, aber der Campus ist heute schon so aufgestellt, dass er in Zukunft bei jetziger Größe Erfolg haben wird“, macht Thomas Preisendanz deutlich. Der FDP-Fraktionsvorsitzende hebt das „beispielhafte Zusammenwirken von öffentlicher Hand und privaten Geldgebern aus der heimischen Wirtschaft“ hervor.

„Der Hochschulstandort Hall muss weiter gefestigt werden. Es ist wichtig, das immer wieder zu fordern“, sagt Andrea Herrmann. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen betont, dass es am Campus Hall eine hohe Bewerberzahl, eine hohe Nachfrage gebe. Die räumliche Erweiterung in den Herrenäckern sei bereits vorbereitet. Es fehle lediglich noch grünes Licht vom Land.

Die Außenstelle der Fachhochschule Heilbronn habe sich seit 2009 weit über die Erwartungen positiv entwickelt, so OB Pelgrim. „Über 1000 Studierende sind eingeschrieben, im September haben 330 Erstsemester begonnen – die höchste Einschreibungsquote der vergangenen Jahre.“ Hochschule Heilbronn, regionale Unternehmen, Stadt und Landkreis Schwäbisch Hall sehen einen wachsenden Bedarf an Studiengängen und -plätzen am Campus Hall. Angestrebt sind 1500 Studierende.

Es gibt einen öffentlich-rechtlichen Vertrag zwischen der Fachhochschulstiftung Hall und der Hochschule Heilbronn. Dieser läuft Ende August 2024 aus. Eine Regelung beinhaltet, dass die Hochschulstiftung Hall die Hochschule Heilbronn mit 660 000 Euro pro Jahr unterstützt.

Vor einigen Jahren wurde das „Schwend-Gelände“ in den Herrenäckern erworben, um räumlich zu erweitern, Teile seien bereits bezogen, so die Stadtverwaltung. Der größte Teil ist noch unsaniert und steht für eine künftige Hochschulentwicklung bereit. Wenn das Land weitere Studienplätze genehmigt, wäre ein Ausbau auf 1500 Studierende möglich. „Zur Finanzierung des Umbaus ist seit Jahren ein Investitionszuschuss von 1,8 Millionen Euro im städtischen Haushalt verankert“, so Pelgrim. cus

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