„Eine zutiefst befriedigende Arbeit“

Seit Juni 2016 bietet Monika Peters im „Haus am Hang“ Gästezimmer an. Für den Traum von der eigenen Pension ist sie von Kassel nach Schwäbisch Hall gezogen.

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Von einer kleinen Parkbucht an der Stuttgarter Straße geht es einige Treppenstufen hinauf. Auf dem Weg nach oben kommt man an einem kleinen Bänkchen vorbei, das zu einer kurzen Rast einlädt. Ein kleines Stück weiter steht es von Bäumen umringt: das „Haus am Hang“. An diesem Ort hat sich Monika Peters ihren Lebenstraum verwirklicht – eine eigene Pension.

Das Fachwerkhaus wurde 1912 von einem Steinmetzmeister erbaut. 1955 wurde es angebaut. Die letzte größere Renovierung müsse im Zeitraum der 80er- und 90er-Jahren stattgefunden haben, nimmt Peters an.  Danach sei am Haus nicht mehr viel gemacht worden. Ein paar Jahre stand das Haus sogar leer.

Liebe auf den ersten Blick

Bis Monika Peters 2012 die zum Verkauf stehende Immobilie im Internet gesehen hat. Der Liebe wegen hat sie in dieser Zeit oft den Weg von Kassel nach Baden-Württemberg auf sich genommen und konnte sich deshalb auch vorstellen, dauerhaft in den Süden zu ziehen.

Trotz der Baufälligkeit des Hauses und der Müllberge, die sich in dessen Innerem gestapelt haben, so beschreibt Peters es, hat sie sich sofort in das Haus verliebt und entschieden, es zu kaufen. Von diesem Zeitpunkt an bis 2016 ist sie, so oft es möglich war, zwischen Hall und Kassel gependelt, um das Haus von Grund auf zu renovieren.

Zuerst war das Erdgeschoss dran, wo die ersten zwei Gästezimmer entstehen sollten. Der Dachboden musste komplett neu gebaut werden. Um Kosten zu sparen, haben sie und ihr damaliger Lebensgefährte die meisten Umbauarbeiten selbst erledigt.

Trotz der Veränderungen, die sie vornehmen mussten, war es ihr wichtig, manche Elemente durch eine sorgfältige Aufwertung zu bewahren. Die alte Holztreppe wurde aufwändig abgeschliffen. „Auf manchen Stufen erkennt man noch die Kerben, die die Holzwürmer hinterlassen haben. Diese geschichtsträchtigen Spuren habe ich bewusst erhalten“, erklärt Peters.

Im Juni 2016 war es dann soweit: die ersten Gäste zogen in die beiden Zimmer im Erdgeschoss ein. Die Buchungen liefen gut an, und so wurde nach und nach das nächste Zimmer fertiggestellt und vermietet.

Den ursprünglichen Gedanken, die gesamte erste Etage als Privatwohnung für sich und ihre Tochter zu nutzen, warf Peters bald über Bord. „Ich möchte das Maximum an Zimmern anbieten. Schließlich finanziere ich mit der Pension unseren Lebensunterhalt, da verzichten wir selbst auf ein paar Quadratmeter.“

Die Entscheidung, ihre Anstellung als Dozentin für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Universität Kassel aufzugeben und ihr Leben ganz nach Hall zu verlagern, fiel erst im vergangenen August. „Es war nicht einfach, diesen Entschluss zu fassen, aber mein ganzes Herz hängt an diesem Haus hier.“

Diese Hingabe spiegelt sich auch in der Gestaltung der Räume wider. Jeder einzelne hat eine andere Farbgebung sowie ein eigenes Motto. So gibt es zum Beispiel das Zimmer „Herbstzauber“, „Toskana“ oder „Dschungel“. Ein gezieltes Konzept verfolge sie nicht. „Ich folge einfach meinem Stil und gestalte die Räume so, wie es mir gefällt. Das scheint bei den Gästen gut anzukommen“, sagt sie selbstbewusst.

Ein Geschäftsmann habe ihr einmal eine schlaflose Nacht bereitet, weil er ausdrücklich nach einem weißen Zimmer gefragt hat. Sein überraschendes Resümee: „Es ist einfach gemütlich hier. Ich komme wieder.“ Auch Hochzeitsgesellschaften samt Brautpaar haben schon bei ihr übernachtet.

Auch wenn sie die Pension ganz alleine führt und alles – auch das Holzhacken – selbst erledigen muss, sagt sie überzeugt: „Es ist einfach eine zutiefst befriedigende Arbeit.“

Monika Peters ist 1977 in Polen geboren. Als sie drei Monate alt war, zog ihre Familie nach Deutschland und lebte lange Zeit in Hamm in Nordrhein-Westfalen. Zuletzt wohnte Peters zusammen mit ihrer zweieinhalb Jahre alten Tochter in Kassel, wo sie mit Freuden als Dozentin an der Universität Deutsch als Fremd- und Zweitsprache  unterrichtete

In ihrer Freizeit fährt sie Fahrrad, geht spazieren, liest Bücher oder besucht Kulturveranstaltungen, von denen es in Schwäbisch Hall ihrer Meinung nach reichlich gibt. ena

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