Inklusion: „Eine sehr persönliche Sache“

Rosengartener Institutionen wollen Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Einschränkung die Teilhabe am sozialen Leben in der Gemeinde leichter machen.

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Betroffene und Vertreter verschiedener Vereine diskutieren im Rathaus von Rosengarten in zwei „Gesprächsrunden“, wie man das Leben für gehandicapte Menschen in der Gemeinde verbessern kann.  Foto: 

Ein Landkreis, zwei Frauen: Im Rahmen ihres Projekts „Gemeinsam inklusiv im Landkreis Schwäbisch Hall“ veranstalten Kerstin Schreyer und Hilke Bugaj von den Offenen Hilfen in jeder der 30 Gemeinden eine individuelle Ideenkonferenz. Vereine, Schulen, Gemeindeeinrichtungen, Kirchen und Betroffene sollen dabei gemeinsam herausfinden, welche Möglichkeiten der Teilhabe es in ihrer Gemeinde gibt und wie man weitere schaffen könnte.

Im Rathaus von Rosengarten freuen sich Schreyer und Bugaj über das rege Interesse: „Das ist nicht selbstverständlich. Manchmal folgen nur drei oder vier Leute der Einladung, aber wir sind froh über jeden Einzelnen.“

Viele Fragen werden an sie gerichtet: Wie erfährt man, wer in der Gemeinde mit einem Handicap lebt, damit man überhaupt die Chance auf ein direktes Hilfsangebot bekommt. Und: Es gibt so viele völlig verschiedene Formen der Behinderung, körperliche, geistige oder die Einschränkung von Sinneswahrnehmungen, und das in allen Altersklassen – das bekomme man doch niemals unter einen Hut! Schreyer und Bugaj sind darauf vorbereitet: „Wir bieten bei den Offenen Hilfen Workshops an, in denen zum Beispiel Vertreter von Vereinen und jeder, der sich dafür interessiert, an die Thematik herangeführt werden. Dort darf man auch über Bedenken und Ängste im Umgang mit behinderten Menschen ohne Scheu reden.“

Deutlich kommunizieren

Schnell wird klar: Wenn jemand ein barrierefreies Veranstaltungsangebot hat, muss das deutlich kommuniziert werden – für die Betroffenen selbst oder ihre Angehörigen. „Man verbringt so viel Zeit mit der Suche danach, die könnte man besser für sein Kind nutzen“, klagt etwa eine Mutter.

Jürgen König hat sofort einen konkreten Vorschlag: Die Institutionen, die das alljährliche Sommerferienprogramm in Rosengarten gestalten, könnten passende Veranstaltungen künftig entsprechend bewerben. „Dafür brauchen sie natürlich fachlichen Input“, ist sich der Bürgermeister jedoch der Problematik bewusst, die das Ansinnen beinhaltet.

Die evangelische Kirchengemeinde will künftig deutlich darauf hinweisen, dass ihre Gottesdienste überwiegend im barrierefreien Gemeindehaus bei der St.-Martinskirche stattfinden. „Das war für uns bisher viel zu selbstverständlich“, erkennt Kirchengemeindrätin Silke Hofmann. Ihr Ehemann, Andreas Hofmann, ehemaliges Mitglied des Gemeinderats und Leiter des Chorprojekts Rosengarten, ist selbst auf den Rollstuhl angewiesen. Er weiß genau, wie sich Betroffene und Angehörige fühlen, und warum sie selten von sich aus nach Hilfsangeboten fragen: „Es ist eine sehr persönliche Sache.“

Alle anwesenden Vereinsvertreter kündigen an, die Thematik mit den Mitgliedern zu besprechen und über geeignete Aktivitäten nachzudenken. „Basteln und Kochen stehen besonders hoch im Kurs“, wissen Kerstin Schreyer und Hilke Bugaj. Dabei hoffen sie vor allem auf die Unterstützung der regionalen Landfrauen. Günter Schupp von den Anglerfreunden Westheim ist sich sicher, dass der ruhige Sport ein ideales, inklusives Angebot darstelle: „Ich glaube, dabei kann jeder sehr intensive und schöne Naturerfahrungen machen.“

Mit einem Anruf von Jürgen König müssen demnächst die Stadtwerke rechnen: Der Rathaus­chef möchte anregen, die behindertengerechte Gestaltung des Freibads in Rieden zu prüfen.

Das Projekt „Gemeinsam inklusiv im Landkreis Schwäbisch Hall“ der Offenen Hilfen Schwäbisch Hall hat im Februar 2016 begonnen und endet im Januar 2019. Zum Netzwerk der Kooperationpartner gehören die Evangelische Familienbildung, die Volkshochschule, die Turn- und Sportgemeinde Schwäbisch Hall sowie die Vereine „Barrierefrei“ und „Lebenshilfe“. Gefördert wird das Projekt von der „Aktion Mensch“. Weitere Informationen gibt es im Internet unter
www.gemeinsam-inklusiv.de

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