„Eine schäbige Asphaltdecke“

Die Stadt hat einen ersten Abschnitt der löchrigen Heimbacher Dorfstraße saniert, den Großteil aber nicht. Das verärgert Anwohner. Die Verwaltung antwortet auf die Kritik.

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Matsch am Straßenrand kurz vor dem Heimbacher Hof: Einen Gehweg gibt es nicht, der Asphalt ist an vielen Stellen geflickt.  Foto: 

Mir ist es ein Rätsel, warum eine Baustelle dieser Art nicht an einem Stück fertiggestellt werden kann.“ Diese Frage stellen sich neben Anja Denner auch andere Bewohner der Heimbacher Dorfstraße.

Ein Großteil der Straße befindet sich in einem schlechten Zustand. Gestern Morgen, kurz nach 8 Uhr: Auto an Auto fährt durch die Straße. Eltern bringen ihre Kinder zum Ferienprogramm des Heimbacher Hofs. Andere Fahrer kommen aus Richtung der Moschee und sind in Richtung Gewerbepark West unterwegs. „Unsere Straße wird oft als Abkürzung genutzt von Leuten, die vom Rollhof und Reifenhof in den Westen fahren“, sagt ein Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen will.

Fußgänger auf der Straße

Die Autos ruckeln gestern Morgen über geflickte Stellen im Asphalt und über den holprigen Belag. An den unbefestigten, zum Teil matschigen Straßenrändern parken die Autos. Eltern und ihre Kinder müssen auf der Straße zum Heimbacher Hof gehen – und immer dann ausweichen, wenn ein Auto angefahren kommt. Einen Gehweg gibt es nicht. Er würde aber für mehr Sicherheit sorgen, betont der Anwohner: „Vor dem Heimbacher Hof fahren Kinder auch oft Kettcar.“

Richtung Gaildorfer Straße, kurz nach dem Heimbacher Hof, ändert sich das Straßenbild: Der Abschnitt bis zur Moschee wurde in diesem Jahr saniert, ein Gehweg angelegt. Dies ist der erste von mehreren Abschnitten, in denen die Stadt die Straße sanieren lassen will. Anwohner verstehen nicht, warum dem ersten Abschnitt nicht gleich die nächsten folgten – wo doch die Baumaschinen und -container schon vor Ort waren, wie Denner betont.

Stadtsprecherin Franziska Hof antwortet im Namen des städtischen Tiefbauamts. Die Bauverwaltung ließ im vergangenen Jahr die Kosten für eine Erneuerung der Heimbacher Dorfstraße ermitteln. Ein Ingenieurbüro errechnete Gesamtkosten von knapp 1,7 Millionen Euro, die, so Hof, „im Doppelhaushalt 2016/17 angesichts der Priorisierung und der finanziellen Möglichkeiten nicht zur Verfügung standen“.

„Technische Gründe“

Deshalb sei dem Gemeinderat empfohlen worden, zunächst den – jetzt fertiggestellten – ersten Bauabschnitt in Angriff zu nehmen. Für diesen seien im vergangenen Jahr Kosten von knapp 500.000 Euro  geschätzt worden. Dass dieser erste sanierte Teil an der Gaildorfer Straße liegt, hat laut Stadtverwaltung „ausschließlich technische Gründe“. Warum? „Weil für die Heimbacher Dorfstraße eine Entwässerung eingebaut wurde, die im Bereich des Aschenhauswegs, also am tiefsten Punkt der Straße, ans Netz angeschlossen werden musste.“

Anja Denner glaubt, dass es einen anderen Grund dafür geben könnte, der mit der Röwisch-Wohnanlage zusammenhängt. „Die Vermutung liegt nahe, dass einem neuen Wohnpark auch eine neue Straße gebührt“, schreibt sie in einem Leserbrief. Diese Vermutung haben auch andere Anwohner, wie eine Nachfrage ergibt. Denner wiederholt auf Nachfrage: „Es ist offensichtlich, dass das erste Teilstück für die neue Wohnanlage gebaut wurde.“

Die Hallerin wohnt weiter hinten, in Alt-Heimbach – jenem Teil, in dem die Straße nicht saniert ist. Schon vor dem Bau der Mev­lana-Moschee im Jahr 2004 sei den Anwohnern eine „zeitnahe Sanierung“ der Straße versprochen worden, „denn damals war die Straße schon mit Schlaglöchern übersät“. Doch für die Erneuerung der Straße sei „seit jeher kein Geld und keine Zeit“ vorhanden. „Bis heute wird im Haushaltsplan anderweitig priorisiert.“

Denner weiter: „Seit vielen Jahren werden wir vertröstet.“ Sie erinnert sich an den Bau der Moschee und, zehn Jahre später, des Wohnparks. „Immer wieder mussten wir die tonnenschweren Baufahrzeuge durch unser Dorfsträßle ertragen. (…) Uns bleibt eine schäbige, zusammengeflickte Asphaltdecke, die aus allen Nähten platzt, und ein verdreckter und zusammengefahrener Straßengraben“, in den Anwohner ausweichen müssten, weil die Straße oft zugeparkt sei.

„Das ist grob fahrlässig“

Denner und weitere Anwohner kritisieren, dass eine Tempo-30-Zone in „Neu-Heimbach“ und damit „fernab“ des Heimbacher Hofs und von Alt-Heimbach eingerichtet wurde. Die Zone sei zu kurz: „Das ist grob fahrlässig.“

Die Stadtverwaltung teilt mit, dass nach dem ersten Abschnitt „eine Mischverkehrsfläche als verkehrsberuhigter Bereich mit einer entsprechenden Beschilderung“ geplant sei. „Dadurch soll der Charakter einer Dorfstraße als reine Anliegerstraße erhalten bleiben. Auch spielt die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer eine wichtige Rolle.“

Auf die Frage, ob und wann die anderen Abschnitte der Heimbacher Dorfstraße saniert werden, antwortet die Verwaltung: „Ob und wann weitere Mittel bereitgestellt werden, hängt vom Ergebnis der zukünftigen Haushaltsberatungen ab.“

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