„Dann kündige ich mein Konto“

Die Anwohner im Teurershof sammeln Unterschriften gegen die Schließung ihre Postfiliale. Für die Inhaber ist sie jedoch ein Minusgeschäft.

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Trotz reduzierter Öffnungszeiten und nicht bezahltem Arbeitseinsatz können die Inhaber der kleinen Postfiliale im Teurershof ihr Geschäft nicht länger halten. Die Post bedauert — und sucht nach Ersatz.  Foto: 

Am liebsten würde Renate Thiele den Verantwortlichen bei der Deutschen Post eine kleben: „In jedem Wohngebiet gibt es eine Postfiliale, nur bei uns soll sie zumachen“, schimpft sie. „Man fragt sich wirklich, was die sich dabei denken.“

Die 82-jährige Dame ist heute zum Geldabheben zu ihrer Post in der Michaelstraße gekommen. Ab 1. Oktober muss sie dafür mit dem Bus in die Stadt fahren, denn dann ist das kleine Geschäft in den Räumen des Pflegestifts Teurershof dicht – falls nicht doch noch ein Wunder geschieht.

Viele Bewohner des Viertels teilen die Meinung der Seniorin: 150 Unterschriften stehen schon auf der Liste. Die Unterzeichner fordern von der Post den Erhalt der Filiale. „Die Liste wurde von unseren Kunden angeregt“, betont Ellen Däuber. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie die Poststelle seit drei Jahren.

Dass jetzt Schluss sein soll, liegt am Geld. Es klinge vielleicht seltsam, aber sie hätten den Laden nicht mit dem Bestreben eröffnet, große Gewinne zu machen. Sie wollten vielmehr eine notwendige Dienstleistung für die überwiegend älteren Menschen vor Ort anbieten, sagt Rainer Däuber. „Doch wenn man das konsequent durchrechnet, zahlen wir am Ende drauf.“

An diesem Vormittag ist das nette Lädchen, das zudem Schreibwaren und Zeitschriften anbietet, rege frequentiert. „Man wird immer sehr freundlich bedient und persönlich betreut“, loben die Kunden. Schön sei auch, dass sich, anders als in den Poststellen in der Innenstadt und in Hessental, nie lange Warteschlangen bilden würden. Warteschlangen bedeuten allerdings Umsatz, und der ist in der Michaelstraße relativ gering.

„Das ist einfach nicht möglich“

„Solange ich und meine Frau das aus Spaß machen und quasi ohne Gehalt arbeiten, geht das ja noch. Aber wenn wir mal krank sind oder in den Urlaub wollen, müssen wir einen Mitarbeiter bezahlen, und das ist uns einfach nicht möglich“, bedauert Rainer Däuber.

Mit der Miete sei ihnen die „Dienste für Menschen gGmbH“ schon entgegengekommen: „Die Heimleitung war mehr als bemüht, uns zu helfen.“

Gereicht hat es am Ende trotzdem nicht. Ellen Däuber ist traurig über die Entwicklung und sieht darin eine vertane Chance für den Dienstleister: „Die Post hätte das als ein Sozialprojekt sehen und uns wenigstens mit ein paar hundert Euro unterstützen können.“

In sozialen Kategorien denkt der Bonner Konzern wohl nicht unbedingt. Die Vergütung, die an Partnerfilialen gezahlt werde, sei von Fall zu Fall sehr unterschiedlich, ist von der Pressestelle zu erfahren. Man sei jedoch bemüht, einen Nachfolger zu finden oder eine neue Filiale in der Nähe zu eröffnen.

In Frage kommt dafür offenbar eine Außenstelle des Deutschen Paketdienstes (DPD) in der Naumannstraße, an die man eventuell „andocken“ könnte. Deren Inhaber sind derzeit im Urlaub und darum für eine Nachfrage nicht erreichbar.

„Gemäß Gesetz müssen wir dafür sorgen, dass jedem Bürger im Umkreis von zwei Kilometern eine Postdienstelle zur Verfügung steht“, teilt die Pressestelle der Post weiter mit. Anders verhalte sich das mit dem Service der Postbank, für den es keine derartigen Auflagen gebe.

Eine gefühlte Weltreise

Laut Google Maps sind von der Michaelstraße 55 bis zur nächsten Postfiliale in der Reifenhofstraße 1,7 Kilometer zu Fuß oder zwei Kilometer mit dem Auto zurückzulegen. Für ältere Menschen ist eine solche Entfernung, ebenso wie der Weg ins Kocherquartier, eine gefühlte Weltreise: „Ich weiß nicht, wie die sich den Nahverkehr auf dem Land vorstellen“, zweifelt ein Kunde der Däubers am Realitätssinn des „gelben Riesen“.

Die Idee, die kleine Post als Inklusionsprojekt weiterzuführen, wurde an die Tagesförderstätte des Sonnenhofs in den Räumen des Pflegestifts herangetragen, wie Trautgott Hascher, Sprecher der Einrichtung, bestätigt.

Ob und wie man dieses Vorhaben realisieren könne, sei allerdings noch unklar. Klar ist nur eins: „Wenn diese Filiale ersatzlos schließt, kündige ich mein Konto bei der Postbank“, stellt Renate Thiele fest, „dann hab ich genug von denen.“

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