"Bislang gut ohne gelebt"

Er hat 1951 zum Doktor der Philosophie promoviert und 2002 die Ehrendoktorwürde der Universität Augsburg erhalten. Heute wird Erhard Eppler mit dem Professorentitel ehrenhalber in Stuttgart ausgezeichnet.

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"Ich habe bislang ganz gut ohne den Professorentitel gelebt und keine besonderen Sehnsüchte danach entwickelt", sagt Erhard Eppler. Der 87-Jährige hat von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Telefon erfahren, dass er am heutigen Samstag im Marmorsaal des Neuen Schlosses in Stuttgart mit dem Ehrentitel Professor ausgezeichnet wird. Eppler verweist zudem bescheiden auf einen "richtigen" Professor in der Familie, seinen Bruder Prof. Dr. Richard Eppler, der an der Universität Stuttgart lehrte. Der 90-Jährige hat gleich zwei Habilitationen geschrieben, einmal über Aerodynamik in Stuttgart und einmal über Theoretische Strömungsmechanik in München.

Die Begründung für die Auszeichnung Epplers hat Ministerpräsident Kretschmann gleich mitgeliefert: für sein bemerkenswertes berufliches und politisches Wirken auf Bundes- und Landesebene sowie für sein herausragendes gesellschaftliches und kirchliches Engagement und seine Verdienste um das demokratische Gemeinwesen. Was das genau bedeutet? "Das wird mir der Ministerpräsident Kretschmann schon klar machen. Ich habe eben durch meine Bücher nicht nur politisch, sondern auch kulturell gewirkt", antwortet Eppler. Der SPD-Politiker, Bundesminister a. D. und ehemalige Kirchentagspräsident kennt Kretschmann seit dem Jahr 1980. Damals kam der derzeitige Ministerpräsident in den Landtag von Baden-Württemberg. Es war eine Zeit, in der Eppler selbst "gerne Ministerpräsident geworden wäre, aber ich hatte keine Chance", macht er deutlich. Bei den Landtagswahlen 1976 und 1980 war Eppler Spitzenkandidat der SPD für das Amt des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, konnte sich aber gegen die Amtsinhaber Hans Filbinger (1976) und Lothar Späth (1980) nicht durchsetzen.

Den Ministerpräsidenten Kretschmann schätze er sehr, da er "eine gelungene Verkörperung unseres Bundeslandes ist". Kretschmann habe etwas typisch Schwäbisch-Alemannisches an sich, und Eppler nennt persönliche Eigenschaften wie bedächtig, nachdenklich, eigensinnig, uneitel. Er sei schon gespannt auf das Treffen und nehme folgende Haltung zum Professorentitel ehrenhalber ein: In den 70er und 80er Jahren habe er viel Kritik und Schmähungen erlebt, was er einfach so kommentarlos hingenommen habe - "das tue ich jetzt auch."

Eppler arbeitet heute noch wissenschaftlich und schreibt derzeit an einem Gesamtrückblick auf sein politisches Leben. Das Buch werde voraussichtlich in einem Jahr erscheinen. "Im Hauptberuf bin ich aber Gärtner. Ich habe eine großen Garten daheim. Solange ich das noch kann, arbeite ich dort", sagt der 87-Jährige. Er sei ein sehr dankbarer Mensch, werde von Jahr zu Jahr dankbarer, für all das, was er erleben konnte und über den Ehrentitel Professor freue er sich auch.

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