„Bin einfach Kind geblieben“

Jochen Ehmann aus Ilshofen hat bis heute etwa 40 Animationsfilme gedreht. Am Samstag zeigt er seine bewegten Striche im „Roten Ochsen“ in Wackershofen.

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  • Jochen Ehmann, Trickfilmer aus  Ruppertshofen.  1/3
    Jochen Ehmann, Trickfilmer aus Ruppertshofen. Foto: 
  • Szene aus „Zehn kleine Negerlein“: Der Film entstand nach den rassistischen Übergriffen im sächsischen Hoyerswerda Anfang der 90er-Jahre. 2/3
    Szene aus „Zehn kleine Negerlein“: Der Film entstand nach den rassistischen Übergriffen im sächsischen Hoyerswerda Anfang der 90er-Jahre. Foto: 
  • Szene aus „Herbert Indianerfrosch“: Der Fünfminüter spielt am Badesee in Ruppertshofen und wurde für die ZDF-Serie „Siebenstein“ realisiert. 3/3
    Szene aus „Herbert Indianerfrosch“: Der Fünfminüter spielt am Badesee in Ruppertshofen und wurde für die ZDF-Serie „Siebenstein“ realisiert. Foto: 
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Schon als Jugendlicher hat Jochen Ehmann Papas alte Kamera geschnappt und damit gefilmt. Auch gezeichnet hat er bereits als Knirps. „Ich wusste schon mit 13 Jahren, dass ich mal Trickfilmer werden möchte“, erzählt der 57-Jährige, der seinen Lebensmittelpunkt in Ruppertshofen hat. Ein Erlebnis aus seiner Kindheit hat er noch heute vor Augen, nämlich wie sein Vater einen kurzen Trickfilm mit Steiff-Tieren drehte. „Da durften wir Kinder allerdings nicht zuschauen, sondern wurden aus dem Zimmer verbannt.“ Seine Neugierde war geweckt.

Nach dem Abitur entschied sich Jochen Ehmann, der in Stuttgart geboren wurde, für ein Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in der Landeshauptstadt. „Ein Teil des Film-Studiums drehte sich um Animation, das hat mich gereizt.“ Warum er nie „normale“ Filme produziert hat? Diese Frage stellte sich ihm eigentlich nie. Donald Duck war der Held seiner Kindheit, und die animierten Filme hatten es ihm irgendwie angetan. „Vielleicht bin ich einfach Kind geblieben“, sagt er.

Seit den 80er-Jahren hat Jochen Ehmann etwa 40 Kurz- und Kürzestfilme realisiert. Die längsten sind sieben Minuten lang, die kürzesten fünf Sekunden. Dabei scheut sich der ehemalige Schafstall-Aktivist auch nicht vor politischen Botschaften. So hat er etwa nach den rassistischen Übergriffen im sächsischen Hoyerswerda in den frühen 90er-Jahren den Film „Zehn kleine Negerlein“ gedreht, der auf dem gleichnamigen Kinderlied basiert.

Quelle der Inspiration ist auch seine Hohenloher Wahlheimat. Der Fünfminüter „Herbert Indianerfrosch“ spielt am Badesee in Ruppertshofen. 2002 ist der Streifen entstanden – ursprünglich als Gute-Nacht-Geschichte für seine Tochter Mara. Später dann wurde er in der ZDF-Serie „Siebenstein“ gezeigt. Lange ist es her, dass Ehmann Kinderfilme entwickelt hat. Wohl auch deshalb, weil seine eigenen Kinder inzwischen erwachsen sind. Dafür gibt der Filmemacher sein Wissen gerne an Kinder weiter. Mit Buntstiften, Schere und Papier produzierte er beim Sommerferienprogramm der Gemeinde Ilshofen Trickfilme mit Jungen und Mädchen.

Das analoge Arbeiten ist ihm wichtig, wenngleich er auch am Computer zeichnet. „Ich lege Wert darauf, dass es beides gibt.“ Wenn er nicht gerade in seinem Atelier in Ruppertshofen über neuen Geschichten brütet oder im Garten werkelt, dann unterrichtet er in Luzern Studenten.

Wie lange es dauert, einen Film von fünf bis sieben Minuten zu produzieren, ist unterschiedlich. Seinen aktuellen Film „Die Teufelsbrücke von Uri“, der anlässlich der Fertigstellung des neuen Gotthardbasistunnels entstand, hat er zum Beispiel in fünf Monaten produziert. „Verhältnismäßig schnell.“ Die Vorarbeiten jedoch erstreckten sich über Jahre.

Vorbei sind die Zeiten, in denen Animationsfilmer belächelt wurden und Journalisten über das Stuttgarter Trickfilmfestival von „Strichmännchen und Knollennasen“ schrieben. „Heute bilden Trickfilme eine eigene Kunstsparte. In fast jedem Realfilm steckt Animation.“

Am Samstag, 8. April, um 20 Uhr präsentiert das Kino im Schafstall im „Roten Ochsen“ in Wackershofen einen Filmabend mit Jochen Ehmann. Dort wird der Ruppertshofener eine Auswahl seiner Filme zeigen und über den Berufsalltag des Animationsfilmers sprechen. Womöglich verrät er dort ja auch, wie er es geschafft hat, das Kind in sich zu bewahren.

Jochen Ehmann wurde in Stuttgart geboren. Dort studierte er in den 80ern Grafik-Design und Animationsfilm an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste. Seither arbeitet er freischaffend als Zeichner, Autor und Regisseur von Trickfilmen. Neben Auftragsarbeiten für TV, Werbung und Museen hat er mehr als 40 Kurzfilme gedreht, die auf internationalen Festivals oder bei Ausstellungen gezeigt werden. Seit 1995 unterrichtet Ehmann als Dozent an Hochschulen. Nach Lehraufträgen in Würzburg, Halle, Köln und Esslingen ist er seit 2004 als Dozent für Animationsfilm im schweizerischen Luzern tätig. Jochen Ehmann ist 57 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt in Ruppertshofen, Stuttgart und Luzern.

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