„Als wären es Mutter oder Vater“

Hamadou Mamoudou hat im Niger Politik und Kommunikationswissenschaft  studiert.  2007 floh er allein nach Deutschland. Jetzt ist er Altenpfleger.

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Hamadou Mamoudou hält die Seniorin im Arm. Er pflegt einen liebevollen Umgang mit den Bewohnern.  Foto: 

Die deutsche Sprache hat Hamadou Mamoudou schnell gelernt. Probleme gab es allerdings bei der Anerkennung seiner Schul- und Berufsabschlüsse. Was wiederum dazu führte, dass er beruflich nicht Fuß fassen konnte. So war die erste Zeit hier sehr schwierig für ihn, heißt es im Pressebericht der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim. Mamoudou habe sich  aber ehrenamtlich bei Diakonie und Caritas engagiert und so schließlich eine Arbeitsstelle als Helfer in der Altenpflege gefunden

 „Der soziale Bereich war schon immer mein Wunsch“, erklärt der 42-Jährige, der in Mainhardt lebt. Doch die Helfertätigkeit füllte ihn nicht aus und so suchte er einen Weg, um den Berufsabschluss zu erlangen. „Wir suchen dringend Pflegefachkräfte und Hamadou Mamoudou ist sehr geschickt im Umgang mit unseren Bewohnern“, erklärt Jens Breitenbach, sein Arbeitgeber in Untersteinbach. Doch es gab Hürden zu überwinden: Der vorgeschriebene Schulabschluss fehlte und für die Anforderungen in der Berufsschule waren die Deutschkenntnisse noch nicht ausreichend.  Dazu kam, dass der Flüchtling allein von der Ausbildungsvergütung seinen Lebensunterhalt nicht hätte bestreiten können. Doch für alle Probleme gab es dank dem Ehrgeiz und der hohen Motivation des Nigrers sowie der sehr guten Unterstützung am Arbeitsplatz im Haus Breitenbach und nicht zuletzt der Förderung durch die Agentur für Arbeit Lösungen. Binnen kürzester Zeit holte Hamadou Mamoudou via Schulfremdenprüfung den Hauptschulabschluss mit der Note „gut“ nach. Auch während der Ausbildung verdient er sein Helfergehalt und die Agentur für Arbeit zahlt dafür dem Arbeitgeber einen Arbeitsentgeltzuschuss in Höhe von 50 Prozent.

„Arbeitgeber, die ihren ungelernten Arbeitnehmern das Nachholen eines Berufsabschlusses ermöglichen, können wir finanziell unterstützen“, erklärt Erich Schumacher, Qualifizierungsberater bei der Schwäbisch Haller Arbeitsagentur. Die Chancen und Risiken am Arbeitsmarkt seien entscheidend von der Qualifikation bestimmt. Gering qualifizierte und ältere Arbeitnehmer trügen das mit Abstand größte Arbeitsmarktrisiko, ihre Beteiligung an Weiterbildung sei dennoch gering. Den Agenturen für Arbeit steht zur Unterstützung der Qualifizierungsförderung von Beschäftigten im Rahmen eines speziellen Programms zusätzliches Geld im Haushalt für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zur Verfügung. Zielgruppe des Programms sind geringqualifizierte Beschäftigte und Beschäftigte in kleinen und mittleren Unternehmen. Gefördert werden können Personen, die von ihren Arbeitgebern für die Dauer einer Qualifizierung unter Fortzahlung des Arbeitsentgelts freigestellt werden.

Im Oktober 2015 ist Hamadou Mamoudou in die Ausbildung eingestiegen und liegt mit seinen Noten im oberen Drittel. Am Arbeitsplatz und in der Berufsschule ist er mit seiner lustigen positiven Art sehr beliebt, heißt es. „Ich behandle die älteren Menschen als wären sie meine Mutter oder mein Vater“, verrät er sein Erfolgskonzept. Demnächst steht eine neue Hürde an, der 42-Jährige muss die Zwischenprüfung mit 2,5 bestehen, doch es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass ihm dies gelingen wird. In der Altenpflege sieht er seine Zukunft, möchte sich nach der Ausbildung weiterbilden und träumt davon, irgendwann sein eigenes Heim zu leiten.

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