"Alles klar! Mit mir nicht!"

Schauspieler zeigen auf der Bühne, wie ein "Enkeltrick" abläuft. Das Theaterstück "Hallo Oma, ich brauch' Geld!" klärt Senioren in der Hospitalkirche auf. Viele von ihnen scheinen aber schon gewappnet zu sein.

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Theaterstück über Betrüger und ihre Opfer: Schauspieler Allan Mathiasch (links) auf der Bühne mit einem Freiwilligen. Gleich verschwindet das Portemonnaie, dass auf dem Tisch liegt, in Mathiaschs Armbinde.  Foto: 

. Rund 70 Senioren sitzen auf den roten Stühlen der Hospitalkirche. Aufrecht, manche lehnen sich auf ihren Rollator, wachsam. Sie scheinen voller Erwartung auf das, was sie an diesem Nachmittag erleben werden. Sie wissen, es geht um Ganoven, die sich üble Tricks ausdenken, mit denen sie ihnen Geld abknöpfen. Nicht etwa, indem sie die Handtasche von der Schulter reißen, sondern diese schlauen Menschen kriegen es hin, dass Oma zur Bank geht, viele tausend Euro abhebt und höchstpersönlich dem Dieb überreicht. Wieso? Weil sie denkt, es sei für den lieben Enkel.

"Enkeltrick" heißt diese Masche bei der Polizei. Im letzten Jahr wurden 25 Rentner in den Landkreisen Hall, Waiblingen und Rems-Murr damit übers Ohr gehauen. "Und die Dunkelziffer wird hoch sein", sagt Polizist Simon Laidig, "denn die meisten trauen sich nicht, den Fall zu melden. Sie schämen sich."

"Das kann mir nicht passieren", scheinen die aufgeweckten Senioren in der Hospitalkirche zu denken. Schauspieler Allan Mathiasch und Daniela Baumgärtner zeigen auf der Bühne, wie so was abläuft. Das Telefon klingelt. "Wer ist denn da?" wundert sich der Opa, der die Stimme nicht kennt. "Na, dein Enkel!" "Klaus?" Der angebliche Klaus spielt weiter, erzählt, dass er Geld brauche, weil er eine Wohnung mieten will, die gleich bei ihm um die Ecke ist, in der Bergstraße. Weil der Gauner aus dem Telefonbuch weiß, wo der Rentner lebt, schaut er auf einem Stadtplan, welche Straße in der Nähe liegt. Den Opa freut es, den Enkel bald in seiner Nähe wohnen zu haben. "Wie viel Geld hast du denn zuhause?", will Klaus wissen. Er überredet ihn auch, ihm Schmuck von Oma Christa - den Namen hat er auch aus dem Telefonbuch - als "Pfand" zu geben. Er soll Geld und Schmuck einem Freund geben, weil er selber nicht kommen kann, so der angebliche Klaus.

"Hach! Wie dumm! Er hätte doch Fangfragen stellen sollen", ereifern sich die Senioren. Einer ist nicht zu stoppen. Will es gleich selber vormachen und steigt auf die Bühne. "Mein Name ist jetzt Müller", sagt er geheimnisvoll. Er spielt soweit mit, würde aber dann die Polizei rufen, damit sie den Dieb auf frischer Tat ertappen.

Alle wissen es besser. Keiner fällt auf den Trick rein. Außer eine Freiwillige. Eine Weißhaarige betritt die Bühne und spielt mit. Die Situation: Ein Bote fragt, ob er ein Paket für die Nachbarn bei ihr lassen kann. Sie müsse aber 30 Euro vorstrecken für die Lieferung. Die alte Dame lacht die ganze Zeit erfreut. Auch als sie das Geld aus dem Portemonnaie holt. Reingefallen.

Die Tipps lauten: Vorsicht ist geboten. Niemanden in die Wohnung lassen, kein Geld an Fremde geben, nicht auf Telefonate mit Geldübergabe eingehen. Gut gelaunt verlassen die selbstbewussten Rentner den Saal. "Alles klar! Mit mir nicht!", steht ihnen ins Gesicht geschrieben.

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