Höchstertrag bei Zuckerrübenernte erwartet

Die Kampagne läuft seit dem 8. September und soll noch bis Ende Januar andauern. Karl Müller aus Schönenberg erwartet ein Spitzenergebnis mit bis zu 90 Tonnen je Hektar.

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  • Die Zuckerrübenernte ist in vollem Gang. Das Bild zeigt die Erntemaschine, die im Kochertal die Hackfrückte vollautomatisch aus der Erde holt. 1/2
    Die Zuckerrübenernte ist in vollem Gang. Das Bild zeigt die Erntemaschine, die im Kochertal die Hackfrückte vollautomatisch aus der Erde holt. Foto: 
  • Mit der Verlademaus werden die Zuckerrüben auf die Lastwagen gefördert, die sie dann in die Südzucker-Fabrik nach Offenau karren. 2/2
    Mit der Verlademaus werden die Zuckerrüben auf die Lastwagen gefördert, die sie dann in die Südzucker-Fabrik nach Offenau karren. Foto: 
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Einen Höchstertrag wie diesen hat es in dieser Region noch nicht gegeben. Er dürfte bei etwa 90 Tonnen je Hektar liegen.“ Karl Müller klingt rundum zufrieden. Der Schönenberger Landwirt ist Vorsitzender der Landmaschinengemeinschaft der Zuckerrübenbauern Franken (LMZ) und Leiter der Abfuhrgruppe östliches Hohenlohe. Als Chef koordiniert er den Maschinenpark, der bei der Rübenernte eingesetzt wird. Er sitzt oft selbst auf der riesigen Maschine namens Verlademaus, die die Rüben von der Miete auf die Sattelzuge befördert. Die Fracht wird dann in die Zuckerfabrik nach Offenau bei Bad Rappenau gefahren. Die Entfernung beträgt von Schwäbisch Hall aus rund 60 Kilometer.

„Der Start der Rübe war nicht einfach. Im Frühjahr gab es noch späten Frost. Aber den haben die meisten Pflanzen überstanden. Dann hat alles gepasst, die Niederschläge kamen immer zu richtigen Zeit“, fasst Müller die Wachstumsperiode kurz zusammen. Schon im Spätsommer habe man sehen können, dass es „eine ganz starke Rübenernte“ geben wird. Zumal in Hohenlohe auch die Blattkrankheiten kaum zu Verlusten geführt hätten. Anders als beispielsweise im Heilbronner Raum.

Frostschaden bei Bühler

Viel weniger Glück war Rudolf Bühler mit seinem Bio-Rüben-Anbau bei Wolpertshausen beschieden. „Wir hatten leider erheblichen Frostschaden und mussten die Rüben am 12. Mai umpflügen. Für eine Nachsaat war es zu spät, so haben wir Koriander eingesät. Wir decken unseren aktuellen Zuckerbedarf von den Demeter-Kollegen im Rheintal, wo die Zuckerrüben nicht erfroren sind“, schreibt der Vorstandsvorsitzende der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall. Im vergangenen Jahr war das wegen der eigenen Erträge nicht notwendig.

Untergeordnete Rolle

Im Landkreis Hall spielen die Rüben eine untergeordnete Rolle. Im Kreis Hall liegt die Anbaufläche bei 700 Hektar, davon sind zwei Hektar Demeter-Rüben. Biorüben gibt es heuer nicht. In den Landkreisen Hohenlohe und Hall wurden in diesem Jahr  knapp 18 Hektar Bio- und Demeter Rüben angebaut. Der Ertrag von je vier Hektar Biorüben ist im Südzuckerwerk in Warburg (Hessen) und in der Zuckerfabrik Frauenfeld in der Schweiz verarbeitet worden. Die auf zehn Hektar angebauten Rüben nach Demeter-Standard  kamen alle in die Schweiz, da der zu erwartende Rübenpreis dort höher ist.

In den Landkreisen Hohenlohe und Hall werden insgesamt 3000 Hektar Zuckerrüben angebaut, davon sind 18 Hektar Bio- und Demeter-Rüben. Bio-Rüben werden stets als erste geerntet, da sie in der zum Kampagnenbeginn noch „jungfräulichen“ Fabrik verarbeitet werden und so nicht mit konventioneller Ware in Berührung kommen.

Die konventionell angebauten Zuckerrüben hat die LMZ im Gebiet Neckar-Odenwald gerodet, über die Muswiese ist die Umgebung von Rot am See dran. „Sehr zum Leidwesen der dortigen Bauern“, sagt ein mitfühlender Karl Müller. Dann verrichten die drei Rübenroder, genant Euro-Tiger, ihre Arbeit auf Äckern in Ilshofen, Veinau und im Altkreis Crailsheim. Das alles ist seit langem von der Landmaschinengemeinschaft so geplant.

Erstmals offene Märkte

Auch der Zuckergehalt der Rüben stimmt. 18 Prozent sind es im Landkreis Hall. Damit liegt er um einen Prozent höher als im Heilbronner Raum. „Das kommt vor der Höhenlage. Wir sind näher an der Sonne“, erklärt Müller. Und wie sieht es bei den Preisen aus, die Südzucker bezahlt? Wie viel Euro es tatsächlich pro Tonne werden, stehe erst im kommenden Frühjahr fest. „Wir produzieren in einen ungewissen Markt“, führt Müller aus. Die Erlösspanne liege zwischen 28 und 35 Euro und sei auch vom Weltmarkt abhängig. Bei diesem guten Ertrag seien aber selbst 28 Euro je Tonne noch auskömmlich. Gleichwohl hoffen er und die Anbauer auf weit höhere Erträge.

Globaler Markt

Neu ist, dass der Zuckermarkt jetzt ein globaler ist. Die Europäische Union hat den Rübennmindestpreis von rund 25 bis 26 Euro je Tonne abgeschafft. „In den vergangenen zehn Jahren lagen unsere Erlöse aber stets darüber“, so Müller. Auch seien jetzt Ein- und Ausfuhren von Zucker möglich. Aus diesem Grunde habe Südzucker die Kampagne auch bis in dem Januar ausgedehnt. Wenn die Fabrik länger produziere, werde es wirtschaftlicher. Damit genügend Rohstoff da ist, ist die Anbaufläche in diesem Jahr in der Region um 40 Prozent erweitert worden. Für das kommende Jahr rechnet der Fachmann mit einer weiteren leichten Steigerung um vier bis sechs Prozent.

„So schnell werden wir im Zucker nicht versinken“, meint Karl Müller mit Blick auf den globalen Markt und auch den Wettbewerb zum Rohrzucker. Zucker sei nach wie vor ein Wachstumsmarkt. 200 Millionen Tonnen würden in der EU produziert, mit den erweiterten Anbauflächen jetzt zwei Millionen Tonnen mehr. Das entspreche dem zusätzlichen Verbrauch von einem Prozent. Der weiter steigende weltweite Verbrauch von Zucker liege bei zwei Prozent.

Molkerei kauft Demeter-Zucker

Die Schrozberger Molkerei-Genossenschaft, die seit 1974 nach Demeter-Richtlinien produziert, kauft den Demeter-Zucker, der aus den Rüben gewonnen wird, die in Hohenlohe angebaut werden. „Wir wollen den regionalen Wirtschaftskreislauf anschieben“, sagt Molkerei-Direktor Friedemann Vogt. 240 Tonnen Demeter-Zucker würden im Jahr unter anderem für Fruchtjoghurts benötigt. Der Bedarf können mit den hier erzeugten Demeter-Zuckerrüben gedeckt werden.

Da keine Chemie zur Unkrautvernichtung auf den Feldern eingesetzt werden darf, zahlt die Schrozberger Molkerei den Landwirten eine Hackprämie von 250 Euro je Hektar. Die gleiche Summe komme noch vom Demeter-Verband hinzu. „Das ist rundum eine tolle Sache“, meint Vogt. Man bemühe sich, weitere Mitglieder in den Anbau einzubinden. „Es war eine extrem gute Ernte. Alles hat gepasst“, lautet auch Vogts Fazit.

Karl Müller weiß, dass für den Bioanbau der Zuckerrüben viel Handarbeit notwendig ist. Er geht von Hackkosten von rund 2000 Euro je Hektar aus. Dafür erziele der Biozucker auch einen höheren Preis.

Beim Zuckerrübenanbau  achten die Landwirte darauf, dass die Fruchtfolge eingehalten wird. So wird die Zuckerrübe nur alle drei bis fünf Jahre auf dem selben Feld ausgesät. In flächenschwachen Betrieben auch alle drei Jahre, dann aber mit einer guten Zwischenfrucht, erklärt Karl Müller. Er selbst  baut Rüben auf einem Drittel seines 16 Hektar großen Betriebes in Schönenburg bei Untermünkheim an. Die topografischen Gegebenheiten in unserer Region seien zwar nachteilig bei dem Einsatz von den nötigen Großmaschinen. Aber vorteilhaft, was die Gesundheit der Pflanzen angehe. Denn der Rübenanbau in unserem Gebiet sei nicht so stark ausgeprägt und die Felder lägen auseinander. Schädlinge hätten so weniger Chancen. kor

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