Hans Werner Schmidt vor dem Ruhestand

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  • Hans Werner Schmidt mag die Bilder seiner Frau Jale in seinem Büro im Goethe-Institut. Selbst malen ist nichts für den 63-Jährigen, dafür singt er lieber, beispielsweise bei den „AchtLosen“.  1/3
    Hans Werner Schmidt mag die Bilder seiner Frau Jale in seinem Büro im Goethe-Institut. Selbst malen ist nichts für den 63-Jährigen, dafür singt er lieber, beispielsweise bei den „AchtLosen“. Foto: 
  • Vor rund 20 Jahren: Schmidt bei einem Seminar für Deutschlehrer in Ungarn. 2/3
    Vor rund 20 Jahren: Schmidt bei einem Seminar für Deutschlehrer in Ungarn. Foto: 
  • Hahn im Korb zu sein ist „einfach schön“: Schmidt wird mit süßen Gesängen beim Liederabend der „Achtlosen“ umgarnt.  3/3
    Hahn im Korb zu sein ist „einfach schön“: Schmidt wird mit süßen Gesängen beim Liederabend der „Achtlosen“ umgarnt. Foto: 
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Für Hans Werner Schmidt schließt sich der Kreis. Nach rund 25 Jahren an vielen Goethe-Instituten in Europa endet seine Arbeit als Leiter, wo sie als Dozent begann: am Goethe-Institut in Schwäbisch Hall. „Es ist eine gemeinsame Entscheidung mit meiner Frau Jale, der Versuch, es künftig entspannter in beiden Heimaten einzurichten – eine Hälfte des Jahres in Hall und die andere in Izmir“, sagt Schmidt, dessen passive Phase der Altersteilzeit nun beginnt – er hat die ersten beiden Jahre voll statt halb gearbeitet und dafür nun ganz frei.

Viele Wechsel, Stationen in Ungarn, der Türkei, Polen: Für Hans Werner Schmidt war es „genau der richtige Weg“. Der Realschullehrer ist neugierig, offen für neue Erfahrungen, will etwas von der Welt sehen, die deutsche Sprache lehren, als er mit 34 Jahren die Dozentenausbildung des Goethe­-Instituts macht. Istanbul ist für ihn „eine absolute Traumstadt“. Er hat Zweifel vor dem Wechsel nach Izmir. Doch kaum am neuen Ort, bekommt er „wieder dieses Gefühl, genau richtig zu sein“.

Am reizvollsten in Hall findet er die bunte Mischung an Teilnehmern aus 30 bis 40 Nationalitäten in einem Kurs. Besonders in Erinnerung bleibt ein syrischer Abend, wo auch eine israelische Studentin selbstverständlich willkommen ist und dazugehört. „Die Verständigung der Völker, etwas Neues im Austausch entstehen zu lassen, das ist die Idee des ­Goethe-Instituts“, sagt Schmidt und nennt ein Beispiel aus seiner Zeit in Ankara. Tänzer und Künstler der türkischen Stadt interessieren sich für deutsches Tanztheater. Er stellt Kontakt zur Tänzerin und Choreographin Wanda Golanka in Deutschland her. Die macht Workshops mit türkischen Tänzern, es folgt eine gemeinsame Tournee.

Wie fällt seine Bilanz mit Blick auf die Zeit in Hall aus? Ordentliches Betriebsergebnis, stabile Teilnehmerzahlen der Deutschkurse, Flüchtlinge über Sprachkurse auf den Weg in die Integration in den Arbeitsmarkt gebracht, sehr gute Ergebnisse bei den Kursteilnehmern erzielt. 96 Prozent empfehlen Hall weiter.

Auch wenn für ihn die Europatour der richtige Weg war: „Es war nicht einfach, immer wieder Abschied zu nehmen, woanders neu zu beginnen. Vor allem war es belastend für die Beziehung, die Partnerschaft“, macht Schmidt deutlich. Aber die hat gehalten. Seit fast 25 Jahren ist er mit seiner Frau Jale verheiratet. Ein Erfolgsrezept gibt es nicht, aber vielleicht liegt es daran, dass seine Frau Malerin ist, als Künstlerin etwas leichter Arbeit, überall Kontakte findet. „Allerdings waren die Wechsel für ihre berufliche Entwicklung nicht gut, sonst wäre sie heute längst Hochschulprofessorin“, sagt Schmidt.

 Am 20. Mai starten die beiden mit dem Auto in einen fünfmonatigen Sommerurlaub nach Izmir. Die Heimat seiner Frau liegt dort in der Nähe. Schmidt hat seine deutsche Heimat in Hall gefunden, seine Schwester lebt hier. Er will erstmal den langen Urlaub genießen, im Meer schwimmen und sondieren, was nächste Projekte sein könnten. Beispielsweise die Türkei noch besser erkunden, Workshops für Deutschstudenten geben, aber nicht von 9 bis 17 Uhr an einer Hochschule angedockt, sondern frei arbeiten.

Seine Frau will ihn schon länger zum Malen animieren, aber da bleibt Schmidt hart und sagt mit einem Augenzwinkern: „Eine Künstlerin können wir uns in der Familie leisten, aber nicht zwei.“ Wobei er selbst künstlerisch unterwegs ist. Er singt gerne und möchte das künftig noch mehr tun, vor allem beim Revuetheater „Die AchtLosen“ in Hall. Deswegen wird er im Herbst wieder in seiner deutschen Heimat sein.

In der Nähe von Izmir am Meer freut sich Schmidt auch aufs Lesen. Was hat der Leiter des ­Goethe-Instituts für einen Buchtipp aus dem umfangreichen Werk des Namenspatrons? Schmidt empfiehlt mit Blick aufs diesjährige Programm der Freilichtspiele Goethes „Wahlverwandtschaften“ und möchte sich auch künftig gerne an die Worte des Altmeisters aus Wilhelm Meister halten: „Man soll alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, ein vernünftiges Wort sprechen.“

Hans Werner Schmidt wurde am 4. November 1953 in Pfalzgrafenweiler bei Freudenstadt im Schwarzwald geboren. Mit seiner Frau Jale ist er seit November 1992 verheiratet. In seiner Freizeit singt er gerne – vor allem beim Revuetheater „Die AchtLosen“ – treibt Sport (laufen und schwimmen) und liest. Nach dem Abitur am Gymnasium in Freudenstadt machte Schmidt ein Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule Reutlingen. Nach einem Aufbaustudium Diplom-Pädagogik promovierte er zum Dr. paed. an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd und der Universität Tübingen (Didaktik Deutsch als Fremdsprache). Abschluss: 1988. Nach dem Referendariat arbeitete Schmidt zwei Jahre als Realschullehrer in Weilheim/Teck, ein Jahr als Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache an der Volkshochschule Reutlingen, zwei Jahre als Saisonlehrkraft am Goethe-Institut Helsinki. Danach machte er die 14-monatige Dozentenausbildung des Goethe-Instituts. Seine erste Station als Dozent war 1989 für elf Monate das Goethe-Institut in Schwäbisch Hall. Es folgten Stationen in München, Pécs, Budapest, Istanbul, Izmir, Warschau und Ankara. In Schwäbisch Hall ist er seit 2014 Institutsleiter. Seine beruflichen Schwerpunkte (Ausland) lagen in der Deutschlehrerausbildung, DL-Fortbildung, Qualifizierung von Multiplikatoren, Werbung für Deutsch (unter anderem Deutsch-Wagen in Polen und Deutsch-Bus in der Türkei), zeitweise auch in Kulturprogrammen. Hans Werner Schmidt wird am Mittwochabend, 10. Mai, offiziell verabschiedet und die neue Institutsleiterin Sabine Haupt begrüßt. Die Veranstaltung in der Hospitalkirche beginnt um 19 Uhr. cus

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