Neue Energie-Genossenschaft gegründet

In Ilshofen bringen 48 Gründungsmitglieder die Bürgerenergie in Schwung. Sie legen gemeinsam das Startkapital von 194.250 Euro bereit.

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In Ruppertshofen gibt es bereits Windräder.  Foto: 

Das Interesse ist groß, in Ilshofen die erneuerbaren Energien vorwärtszubringen. Fast 50 Mitglieder sind auf Anhieb bereit, für dieses Ziel auch Geld zur Verfügung zu stellen. Die am Mittwoch neu gegründete Genossenschaft will sich als Erstes an der bereits bestehenden Windkraftanlage der ZEAG bei Ruppertshofen beteiligen. Im Gespräch ist auch eine Fotovoltaikanlage auf einem kommunalen Gebäude. Weitere Mitglieder sind willkommen, um langfristig noch mehr Projekte auf den Weg zu bringen.

Wer bei diesem spannenden Abend im Ilshofener Rathaus dabei sein wollte, musste sich erst in eine Anwesenheitsliste eintragen. 54 Personen taten das und erfuhren, dass die Gründung einer Genossenschaft ihre eigenen Gesetze hat, die streng eingehalten werden müssen. Bürgermeister Roland Wurmthaler ging deshalb auf Nummer sicher und überließ die Formalien einer ausgewiesenen Expertin: Elisabeth Strobel, Vorsitzende des Verbands der Baden-Württembergischen Energiegenossenschaften.

Dieser Verband wurde 2009 gegründet und umfasst bereits 66 Genossenschaften. Im Laufe des Abends wurde Ilshofen die 67. und kann jetzt gerüstet mit Aufsichtsrat, Vorstand und einem Startkapital von 194.250 Euro ans Werk gehen. Einem Prüfungsverband beizutreten ist Pflicht in Baden-Württemberg.

Mindestanteil 250 Euro

Elisabeth Strobel verlas die wichtigsten Paragraphen der Satzung, die auf dem Genossenschaftsgesetz basiert, in die aber auch bereits spezielle Variablen für Ilshofen eingearbeitet wurden. Sitz der Bürgerenergiegenossenschaft ist Ilshofen.

Als Mitglieder der Genossenschaft kommen zunächst nur Personen und Unternehmen aus dem Gemeindegebiet in Frage. Der Vorstand kann aber auch Mitgliedsanträge von außerhalb zulassen. Der Mindestanteil liegt bei 250 Euro. Die Beteiligung ist auf 100 Anteile, also 25.000 Euro pro Mitglied, begrenzt und die Kündigungsfrist beträgt zwei Jahre. „Wir wollen keinen Kapitalmarkt schaffen“, erklärte Elisabeth Strobel den Sinn der Obergrenze. Spekulanten, die das schnelle Geld machen wollen, seien in dieser Genossenschaft fehl am Platze.

Es wurden keine konkreten Renditeprognosen für das eingebrachte Kapital genannt. Vielmehr möchte der neue Bürgerzusammenschluss Planungssicherheit, um die Energiewende vor Ort gestalten zu können.

Die 48 Gründungsmitglieder wollen insgesamt 777 Anteile zeichnen. Die Mitglieder haben die Möglichkeit, ihre Anteile bis zum Höchstbetrag aufzustocken, um für bestimmte Projekte weiteres Geld zur Verfügung zu stellen. Die Genossenschaft will auch noch wachsen und freut sich über neue Anteilseigner.

Wüstner Vorsitzender

Die Gründung der Energiegenossenschaft ging nahtlos in die erste Mitgliederversammlung über, bei der Andreas Arnold, Martin Ott, Gerhard Wüstner, Michael Merkel, Oliver Paul und in Abwesenheit auch Dieter Brunner in den Aufsichtsrat gewählt wurden.

Diesem Gremium oblag es dann, den Vorstand zu benennen: Roland Samer, der früher bei der Dresdner Bank tätig war, Klaus Betz, beim Landratsamt Heilbronn für Abfallwirtschaft zuständig, und Ulrich Köhler, Elektrotechniker bei der Firma Bürkert in Ingelfingen.

„Mit diesem tollen Ergebnis, einer so hohen Zeichnungssumme, haben wir nicht gerechnet“, sagte Vorstand Roland Samer, und der frisch gebackene Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Wüstner dankte ausdrücklich „für das Vertrauen, so viel Geld in unsere Hände zu legen“.

Ziel der Bürger-Energiegenossenschaft Ilshofen eG ist die wirtschaftliche Förderung der Mitglieder. Es sollen Projekte zur Erzeugung erneuerbarer Energien auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene initiiert werden. Außerdem will sich die Genossenschaft an Maßnahmen zur Förderung erneuerbarer Energien und des Klimaschutzes vor Ort und in der Region beteiligen.
Aufsichtsrat Vorsitzender Gerhard Wüstner, stellvertretender Vorsitzender Oliver Paul, Schriftführer Martin Ott und stellvertretender Schriftführer Andreas Arnold, weitere Mitglieder: Michael Merkel und Dieter Brunner.
Vorstand
Roland Samer, Klaus Betz und Ulrich Köhler.
Erstes Projekt
soll die Beteiligung an der ENERCON E 110 Windkraftanlage bei Ruppertshofen sein. Sie arbeitet getriebelos mit einer Leistung von 3,05 Megawatt, ist mit einer SCADA-Fernüberwachung ausgestattet und hat im vergangenen Jahr 6,375 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Betreiber ist die ZEAG Heilbronn.

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