500 Teilnehmer aus über 100 Ländern

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    Klaus Töpfer spricht am 8. März im Haus der Bauern in Hall. Foto: 
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    Ernst Ulrich von Weizsäcker referiert am 7. März in Kirchberg. Foto: 
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Der „Global Peasants‘ Rights“- Kongress findet vom 7. bis 10. März in Schwäbisch Hall und Kirchberg statt. Impulsvorträge werden unter anderem Klaus Töpfer, ehemaliger Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Nardi Suxo, bolivianische Botschafterin und Vorsitzende des Ausschusses für Kleinbauernrechte des UN-Menschenrechtsrates, und Pat Mooney, Träger des alternativen Nobelpreises von der ETC Group, halten. Organisator Rudolf Bühler blickt im Interview voraus.

Wann hatten Sie erstmals den Plan, die wichtigsten Vertreter der Bauern aus aller Welt zum Meinungsaustausch zusammenzubringen?

Rudolf Bühler:_In meiner fast 40-jährigen Arbeit für die Entwicklung im Ländlichen Raum – hier wie in südlichen Ländern – ist es mir zur deutlichen Erkenntnis geworden, dass es nicht ausreicht, Projektarbeit zu machen, wenn man sich nicht in grundsätzlicher Art wehrt gegen die Ausbeutungsmechanismen der Industriegesellschaft und des Großkapitals. Bauern sind die Loser der modernen Industriegesellschaften. Sie stehen Handelsmonopolen gegenüber und erhalten nicht den gerechten Teil an Wertschöpfung, der ihnen zusteht. Sie werden ihrer natürlichen Grundlagen beraubt, ihre Kultur wird mit Füßen getreten, sie sind Opfer eines ausbeuterischen Systems sowohl hier wie in den südlichen Ländern. Die Instrumente der Kolonisierung ganzer Völker sind heute andere: früher mit Waffen und Militär, heute mit dem imperialistischen Großkapital. Diese Themen konnte ich bereits bei mehreren Gelegenheiten auf die politische Bühne bringen, so an der Universität Oxford oder bei den Vereinten Nationen in New York. Sie sind auch in der Satzung der Stiftung Haus der Bauern verankert.

Wie lange hat die Vorbereitung gedauert?

Ich befasse mich seit gut acht Jahren mit dieser Thematik, und nun kommt es hier in Hohenlohe zu einem internationalen Kongress, welcher von vielen Interessengruppen getragen wird. Wichtigster Partner ist hierbei der alternative Weltbauernverband La Via Campesina sowie viele weitere Organisationen wie Brot für die Welt, die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft und gut 50 weitere Organisationen, die sich für mehr soziale Gerechtigkeit auf der Welt einsetzen. Der Kongress ist seit zwei Jahren konkret in Planung und wird mit 50 Prozent aus meinem Projekt Seeds of hope beziehungsweise aus Entwicklungshilfemitteln cofinanziert.  Seit Mitte letzten Jahres gibt es ein Organisationsteam unter der Leitung von Dr. Rudi Buntzel, welches die konkrete Umsetzung plant und durchführt.

War es schwierig, Größen wie Klaus Töpfer oder Ernst Ulrich von Weizsäcker für diesen Kongress zu gewinnen?

Sie haben spontan zugesagt, im Übrigen kennt man sich. Wir erwarten weitere hochrangige Persönlichkeiten wie den Gründer von Slow Food, Carlo Petrini, die Weltpräsidentin des alternativen Bauernverbands LVC, Elisabeth Mpofu, als auch Vertreter aus den UN-Arbeitsgruppen oder den Präsidenten der Europäischen Gesellschaft für Agrarrecht, Professor Dieter Schweizer aus Brüssel. Ebenso Hartmut Vogtmann, den ersten Professor für ökologischen Landbau weltweit.

Wie wird die Verständigung sein? Ist Kongresssprache Deutsch oder Englisch? Werden Dolmetscher eingesetzt?

Aufgrund der vorliegenden Anmeldungen erwarten wir 400 bis 500 Teilnehmer, davon etwa 120 aus außereuropäischen Ländern. Kongresssprache ist Englisch, zudem wird in vier weitere Sprachen simultan übersetzt. Die Vorabendveranstaltung auf Schloss Kirchberg ist nur auf Englisch und wird simultan in den Neubau-Saal übertragen, wo sich auch über den gesamten Kongress die Registrierung und das Pressezentrum befinden.

Die eigentliche Eröffnung des Kongresses ist am Mittwoch, 8. März, im Konzertsaal des historischen Zeughauses. Es wurden zusätzliche Gruppenarbeitsräume im Stadtgebiet angemietet. Die Teilnehmer nächtigen in den Haller Hotels und in den umliegenden Gaststätten und Jugendherbergen.

Welches Ziel versprechen Sie sich im besten Fall?

Ziel des Kongresses ist es, den bereits eingeleiteten Prozess für die Entwicklung einer „Charta für die Rechte der Kleinbauern und indigenen Völker“ weltweit voranzutreiben und die Interessengruppen an einen gemeinsamen Tisch zu bringen. So dass diese wichtigen Themen auf die politische Agenda kommen. Wir müssen uns endlich darüber bewusst werden, dass ganze Kulturen durch die ungleiche Verteilung der Güter untergehen. Diesen ausbeuterischen Mechanismen muss ein Ende gesetzt werden durch Mut machen, Stärke entwickeln und Hoffnung geben mit beispielhafter und nachhaltiger Projektarbeit.

7. März: Organic Forum im Schloss Kirchberg, Beginn um 19 Uhr. Nach der Eröffnung von BESH-Vorsitzendem Rudolf Bühler stehen zwei Vorträge auf dem Programm: Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker, Präsident des Clubs of Rome, spricht über „Bevölkerung, Ernährung und Grenzen des Wachstums“. Anschließend widmet sich Professor Hartmut Vogtmann von der Universität Kassel dem Thema „Die Zukunft der Welternährung und die Rolle der Kleinerzeuger“.

8. März: Das Programm im Haus der Bauern in Schwäbisch Hall beginnt um 9 Uhr. Den Anfang macht Elizabeth Mpofu, Generalsekretärin von La Via Campesina (LVC), mit ihrer Rede zum Thema „Globale Entwicklung und die Rolle der Bauern“. Weiter geht es mit dem Vortrag des langjährigen Bundesministers Klaus Töpfer. Er will die Frage „Warum gibt es Grund zur Sorge?“ beantworten. Weitere Vorträge halten unter anderem die Indonesier Henry Saragih und Serikat Petani und die bolivianische Botschafterin Nardi Suxo Iturry. Um 19 Uhr beginnt ein Festabend der BESH mit Ehrengast Carlo Petrini, dem Gründer der Internationalen Slow-Food-Bewegung.

9. März: In Schwäbisch Hall tagen die Arbeitsgruppen Landrechtsfragen und Recht auf natürliche Ressourcen, Saatgutfragen, tiergenetische Ressourcen, Herausforderung der neuen GVO-Techniken, angemessenes Einkommen, Recht auf Nahrung, Recht auf Marktzugang und faire Handelsbedingungen. Recht auf Biodiversität und Schutz indigenen Wissens, bürgerliche Rechte und Schutz gegen Repression und Kriminalisierung. Zudem werden regionale Arbeitsgruppen gebildet: Afrika, Asien, Lateinamerika, Nordamerika, Europa und Deutschland. Darüber hinaus soll es Exkursionen zu Projekten der Hohenloher Bauern sowie ein Farmers Dinner im Regionalmarkt Hohenlohe geben.

10. März Ab 8.45 Uhr gibt es weitere Vorträge, unter anderem von Michael Windfuhr vom deutschen Institut für Menschenrechte. Es folgt eine Podiumsdiskussion mit Repräsentanten der Regierungen von Deutschland, der Schweiz, Österreich und Portugal. gm

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