30 LKW im Dauereinsatz

Die vielen Erdaushub-Transporte auf der Landesstraße zwischen Winzenweiler und Obersontheim verursachen deutliche Schäden. Nächstes Jahr soll die Fahrbahn in Mittelfischach saniert werden.

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Siegfried Trittner zeigt mit einem Zollstock auf einen abgesenkten Schacht in der Ortsdurchfahrt von Mittelfischach. Deutlich ist die Spurrinne erkennbar, auch bei dem Schacht links. Erkennbar ist auch, dass schon früher beim linken Schacht ein rechteckiger Bereich und vorn ein runder Bereich um den Schacht ausgebessert wurden. Jetzt muss über die gesamte Fahrbahn das Niveau ausgeglichen werden.   Foto: 

Wer entlang der Ortsdurchfahrt in Mittelfischach wohnt, muss zur Zeit einiges an Lärm aushalten. Schwere LKW haben tiefe Spurrinnen hinterlassen und die Fahrbahn verdrückt, so dass die Abwasserschächte mitsamt dem umliegenden Fahrbahnbereich zum Teil deutlich unter das Niveau der Fahrbahn heruntergedrückt sind. „Das gibt richtig laute Schläge, wenn Lastwagen da drüberfahren. Vor allem wenn sie leer sind“, weiß Obersontheims Bürgermeister Siegfried Trittner. Auch außerhalb der Ortschaft sind schon wieder LKW-Spurrinnen entstanden, seit die Fahrbahn vor ein paar Jahren auf mehreren Teilstücken saniert wurde.

220.000 Kubikmeter Erde

Seit August diesen Jahres hat das LKW-Aufkommen auf der Verbindung Gaildorf-Obersontheim weiter zugenommen. Grund ist der Bau des Gaildorfer Naturstromspeichers, speziell des 400 mal 150 Meter großen Unterbeckens, das derzeit angelegt wird. Dazu werden laut Nancy Fürst von der Baufirma Max Bögl 220.000 Kubikmeter Erde abgetragen. Sie werden etwa zur Hälfte abtransportiert. Zur Zeit seien rund 30 LKW im Einsatz, die zu mehreren Deponien fahren: nach Wilhelmsglück, nach Waldbuch bei Frankenhardt und nach Obersontheim. Wohin die LKW fahren, entscheide der Polier, so Fürst. „Richtung Obersontheim wurden dabei bisher 30.000 Kubikmeter gefahren“, schreibt sie. Die Belastungen für Infrastruktur und die Bevölkerung versuche die Firma dabei so gering wie möglich zu halten. Bis November sollen die Transporte noch dauern.

Laut Bürgermeister Siegfried Trittner stehen morgens oft 10 bis 15 LKW vor der Erddeponie an der Ortsausfahrt von Obersontheim Richtung Crailsheim. Das bestätigt auch der Betreiber Helmut Gronbach. Bis zu 1000 Tonnen Erdaushub würden täglich angefahren. „Uns wäre es auch lieber, es wäre nicht so viel“, sagt er. Ein Teil des Aushubs komme in den Steinbruch nach Ummenhofen und in die Deponie Waldbuch. Auch diese LKW fahren über die L 1066 durch Mittelfischach. „Die LKW kommen bei jedem Wetter, obwohl vereinbart war, dass sie nur bei trockenem Wetter Material bringen“, stellt Gronbach fest. Eigentlich sei es Aufgabe der LKW-Fahrer, die Straße zu reinigen, fügt er noch an. Und was sagt die Baufirma Bögl dazu? „Die Lieferung erfolgt grundsätzlich unabhängig von den Wetterbedingungen.“

Siegfried Trittner sieht das Problem der Straßenverschmutzung anders als Gronbach. „Das ist ein ständiges Ärgernis. Wir fordern schon seit Jahren, dass er für die verschmutzten LKW eine Waschanlage baut“, sagt er. Dass sich Gronbach über zu viel Materialanfuhr beschwert, versteht Trittner nicht. „Er verdient doch dadurch richtig Geld. Und außerdem hat er es ja in der Hand, die Verträge mit Bögl zu gestalten.“

Widersprüchliche Aussagen

Anfangs war anscheinend geplant, dass der Erdaushub auf der Baustelle in Gaildorf bleibt. So steht es auf der Homepage der Firma Bögl: „Durch optimierte Geländemodellierung können die Aushubmassen aus den Passivbecken sowie aus dem Unterbecken am Standort verbleiben.“ Dagegen schreibt Bögl-Mitarbeiterin Nancy Fürst dem HT: „Ursprünglich war es angedacht, den gesamten Aushub abzutransportieren.“ Zu diesem Widerspruch hat Bögl bisher keine Erklärung geliefert. Auch die Ulmer Projektplangesellschaft Naturspeicher GmbH, die zum Bögl-Konzern gehört, antwortete bisher nicht auf die Bitte einer Stellungnahme dazu.

Siegfried Trittner hat beim Straßenlastträger, dem Land, angefragt, wie es mit einer baldigen Sanierung der L 1066 im Bereich von Mittelfischach aussieht. Jochen Elßer vom zuständigen Straßenbauamt in Hall musste ihn aber enttäuschen: Die letzte Bewertung der Landesstraße war 2016 und dabei wurde es nicht für nötig gehalten, die Ortsdurchfahrt von Mittelfischach bald zu sanieren. Die nächste Zustandserfassung findet erst wieder 2020 statt. „Sollten aber etwa aus verkehrstechnischen Gründen oder Verkehrssicherungsgründen Maßnahmen erforderlich werden oder wenn Dritte Maßnahmen durchführen, die eine gleichzeitige Fahrbahndeckenerneuerung sinnvoll und wirtschaftlich erscheinen lassen, können eventuell auch früher Maßnahmen durchgeführt werden“, schreibt das Regierungspräsidium.

Um die Schächte in den Spurrinnen wieder auf das anfängliche Niveau anzuheben, muss die Fahrbahn aufgefüllt werden. „Das wird sicher rund 20 000 Euro kosten. Weil die Schächte zum Kanalsystem der Gemeinde gehören, müssen wir dafür die Kosten übernehmen und Zuschüsse gibt es keine“, so Trittner.

Zuständig ist der Straßenlastträger. Das ist bei einer Landesstraße wie der L 1066 das Land Baden-Württemberg. Bei einer Kreisstraße ist es der Kreis. Das schließt die Ortsdurchfahrten ein. So hat das Land 2016 etwa die Ortsdurchfahrt – eine Landesstraße – von Vellberg saniert. Für Verkehrssicherung und Unterhaltung ist aber der Kreis verantwortlich.

Die runden Kanalschächte in der Fahrbahn wiederum gehören zum Abwassernetz der Gemeinde. „Für schadhafte Schächte ist innerorts die Gemeinde zuständig. Der Fahrbahnzustand der Ortsdurchfahrt Mittelfischach ist allerdings so schlecht, dass eine punktuelle Sanierung um die Schachtabdeckungen nicht ausreicht, um den Fahrbahnzustand deutlich zu verbessern. Die Straße ist insgesamt dringend sanierungsbedürftig“, heiß es aus dem Landratsamt in Schwäbisch Hall. siba

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Kommentare

11.10.2017 10:21 Uhr

Mit welchem Bauantrag, Baugenehmigung und Baufreigaben baggert BÖGL in Gaildorf?

Es ist traurig, das da von Widersprüchen geschrieben wird. Lt. Bauantrag 2013 sollte der gesamte Aushub abgefahren werden. 1 m³ Aushub, schieben, verladen, abfahren entsorgen darf man mit 30-60EUR rechnen. Fährt man die Hälfte von 220.000m³ nicht ab, spart BÖGL also mindestens 30EUR x 110.000m³ ... was sich dann auf schlappe 3,3 Mio EUR summiert. Irgendwo muss BÖGL den Bimbes für lokale Verräter, Agenten und Spione in Gaildorf ja holen, sonst wäre Gaildorf für BÖGL ein Verlustgeschäft.

Fragen und Einwendungen zu geplanten Abtransport im Beteiligungsverfahren 2013, besonders auch der Straßenverschleiß (der bei LKW enorm sein kann), -wurden von Landratsamt Schwäbisch-Hall mit der Antwort bedient, -das es Straßen gibt, damit diese befahren und verschlissen werden.

Das interessante an dem swp-Artikel ist doch die Info, das die Hälfte von 220.000m³ nicht abgefahren wird. Das wurde im mit kompletter Öffentlichkeit beantragten Baurechtsverfahren bisher so nirgendwo formuliert. Damit sind wir dann bei der Frage angelangt, mit welchem Bauantrag, Baugenehmigung und Baufreigaben baggert BÖGL in Gaildorf eigentlich? Warum kommen dazu keine Fragen von Seiten unserer Stadtverwaltung, Fraktionen und Bürgermeister in Gaildorf? Auch Pücklerstiftung Gaildorf (und Pücklervorstand Matthias Rebel sowieso) in Gaildorf steckt bis zum Hals in diesem Baubetrug, Umweltbetrug und Bauskandal. Was kann man da in Gaildorf noch fragen, außer Unfähigkeit, Betrug, Skandal oder korrupt bis in die Haarspitzen?

Interessant vielleicht, das man in Obersontheim / Mittelfischach (also bereits 10 km von Gaildorf entfernt), zu dem Bau- und Umweltskandal Naturstromspeicher-Gaildorf etwas fragen darf. Dieselben Fragen stellen sich seit Monaten in Gaildorf. Doch wer in Gaildorf fragt, der wird eher gemobbt und ausgebürgert, -bevor es dort sachliche Antworten gibt. In Gaildorf gibt es mit Bürgermeister Zimmermann und Pücklervorstand Rebel seit 2014 (Mit RUNDSCHAU und KMO sowieso!) zu Naturstromspeicher, Naturspeicher, Naturversorgung und Wasserbatterie seit Monaten und Jahren keine sachlichen und zutreffenden Informationen mehr, ... oder zu irgend etwas das für Gaildorf, Klima und Energiewende wichtig ist!

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