250 Autos beim Tuning-Treffen der „Geschlossenen VAG Anstalt“ in Ilshofen

Für die einen ist es ein Pkw, für die anderen die größte Praline der Welt: Vor der Arena Hohenlohe zeigen Tuning-Fans echte Leckerbissen auf vier Rädern.

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Direkt am Auspuff wird die Lautstärke des Motorengeräuschs gemessen.  Foto: 

Das äußerst satte Motorengebrumm lässt vermuten, dass man von einem Panzer der Baureihe Leopard II verfolgt wird. Dreht man sich erschrocken um, blickt man aber nur in die unschuldsvollen, runden Scheinwerfer eines alten VW Käfer, der so neu aussieht, als sei er eben erst vom Fließband gerollt. Beim ersten Tuning-Treffen der „Geschlossenen VAG Anstalt“ aus Rosengarten-Westheim zeigen über 250 Teilnehmer, zu was ein ganz normaler PKW fähig ist, wenn ihm sein Besitzer die gesamte Freizeit widmet und alle Möglichkeiten der technischen wie kreativen Erweiterung ausreizt.

 Dabei geht es nicht nur um Styling und Leistung. Auch die „Stimme“ der trotz allem schicken Schnickschnack immer noch straßentauglichen Beautys hat was zu sagen. Gemeint ist der Schallpegel, den ein Auto erzeugt, wenn der Besitzer das Gaspedal betätigt. Am Messplatz wird dafür ein Mikrophon hinter einem der meistens zwei chromblitzenden Auspuffrohre platziert, und dann darf der Motor heulen. Mit 130,6 Dezibel ist der Toyota GT 86 von Sascha aus Heilbronn Tagessieger. Zum Vergleich: Das Geräusch eines startenden Düsenjets landet mit etwa 150 Dezibel in den Ohren. Im normalen, alltäglichen Straßenverkehr kann und muss der schwarzglänzende Lärmpegel-King natürlich mit Hilfe einer entsprechenden Vorrichtung vor dem Endschalldämpfer im wahrsten Sinn des Wortes die Klappe halten.

 350 PS hat Sascha unterm Hintern und eine Menge Spaß damit. Gerne geht er mit seinem hochgerüsteten Liebling auch „driften“. So wird das Fahren mit kontrolliertem Ausbrechen des Hecks bezeichnet. „Früher hab ich dafür alle drei Wochen einen neuen Satz Reifen gebraucht, mittlerweile halten sie drei Monate“, erzählt der Tuning-Fan. Die Heiterkeitsausbrüche der Messplatz-Crew über diese Äußerung lassen darauf schließen, dass Sascha auch für Insider schon ganz oben auf der Verrücktheitsskala rangiert.

 Ein Leckerbissen fürs Auge sind alle Autos vor der Arena Hohenlohe. Viele lassen mit aufgerissener Motorhaube auch einen Blick in ihr Innerstes zu, und als Ottonormalautofahrer fragt man sich mit schlechtem Gewissen, wie es dort nur derartig sauber aussehen kann. Nicht selten werden die getunten Tausendsassas von Plüschtieren bewacht oder haben ihr eigenes kleines Spielzeugauto dabei.

 Mit schiefem Nummernschild, Rostansatz, Aufkleber-Collage und einem Dachaufbau, der so wirkt, als hätte der Eigentümer seinen gesamten Sperrmüll dort gelagert, zeigt eines der Fahrzeuge, dass Tuning ruhig auch mal schräg daherkommen darf: „Rattle“ heißt diese künstlerische Form der Gestaltung, was so viel bedeutet wie „klappern“ oder „scheppern“.

 Eine rundum gelungene Veranstaltung bescheinigt Daniel aus Böblingen der „Geschlossenen VAG Anstalt“: „Die Leute sind superfreundlich und entspannt, so sollte eigentlich jedes Treffen ablaufen.“ Was offenbar nicht selbstverständlich ist.

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