23 Windkraftanlagen sind im Landkreis Schwäbisch Hall konkret in Planung

Befürworter und Gegner von Windkraftanlagen stehen sich unversöhnlich gegenüber. Diesen Eindruck bekräftigen die vielen Leserbriefe. Dazwischen steht die Genehmigungsbehörde. Die will neutral bleiben.

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  • So sieht die Animation der Windkraftanlagen an der Kohlenstraße aus, wenn man von einem westlichen Punkt von Eutendorf aus Richtung Wald blickt. Eutendorf gehört zur Stadt Gaildorf. 1/2
    So sieht die Animation der Windkraftanlagen an der Kohlenstraße aus, wenn man von einem westlichen Punkt von Eutendorf aus Richtung Wald blickt. Eutendorf gehört zur Stadt Gaildorf. Foto: 
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Für die einen sind sie unverzichtbarer Teil der Energiewende. Für die anderen Objekte, die zur Industrialisierung des Waldes beitragen und Natur zerstören. "Es ist müßig, über Schlagworte wie Industrialisierung des Waldes zu reden. Das ist für uns als Genehmigungsbehörde ohne Belang und hat uns nicht zu interessieren", sagt Erster Landesbeamter Michael Knaus. Auch für Steffen Baumgartner, Stab Landrat und Kommunalaufsicht, ist so ein Begriff wenig hilfreich. "Das liegt immer im Auge des jeweiligen Betrachters", meint er.

Andreas Wickel kennt die hiesigen Wälder wie seine Westentasche. Er ist Leiter des Forstamtes im Haller Landratsamt und in dieser Eigenschaft mit der Verpachtung von Flächen des Staatsforstes für Windkraftanlagen befasst. "Mit Waldverwüstung haben Windräder nichts zu tun", stellt er für sich fest. Das macht Wickel auch am Flächenverbrauch für eine Windkraftanlage fest. Für den Standplatz um das Rad würden etwa 0,2 Hektar (2000 Quadratmeter) gebraucht, für den Kranausleger beim Aufbau, wenn es keine Zufahrtsstraße gebe, noch einmal 0,2 Hektar.

Für den Kurvenradius der bis zu 60 Meter langen Flügel könnten noch einmal 1000 Quadratmeter Wald in Anspruch genommen werden. "Man kommt kaum über einen halben Hektar", meint der Forstfachmann. Das ist etwas weniger als die Größe eines Sportplatzes. Würden an einem Standort mehrere Windräder gebaut, würden die Verbrauchswerte geringer liegen. Diese Größenordnung deckt sich auch mit den Angaben der Haller Stadtwerke. Für ein Windrad müsse eine Fläche mit einem Durchmesser von zwölf Metern und einer Tiefe von drei bis fünf Meter betoniert werden, so Wickel. "Dass der Wald als Standort für Windräder heute möglich ist, ist eine politische Entscheidung", erklärt Wickel. "Par ordre du mufti" sei sie von der neuen Landesregierung eingeführt worden. Gebaut werden sollten die Anlagen möglichst in gut erschlossenen Waldflächen ohne hohen Schutzwert. Auch solle kein "signifikant höheres Todesrisiko" für geschützte Arten wie den Wespenbussard, den Rotmilan oder den Schwarzstroch bestehen.

Wegen der Höhe moderner Anlagen kämen bestimmte Fledermausarten erst gar nicht in Gefahr. Die höchsten Bäume erreichten 30 Meter. Bis zur Rotoruntergrenze seien es noch über 40 Meter.

Beim Landratsamt werden derzeit 23 Bauanträge für Windkraftanlagen bearbeitet. 16 davon sollen im Wald stehen. Immissionsschutzrechtlich genehmigt sind die vier Windkraftanlagen mit Pumpwasserspeicherkraftwerk bei Gaildorf, sagt Michael Knaus. Mögliche Betreiber hätten mit dem Landratsamt für 58 Windräder Kontakt aufgenommen. Ob die tatsächlich genehmigt und gebaut würden, sei offen. Das Verfahren für die sieben Windkraftanlagen der Haller Stadtwerke an der Kohlenstraße laufe. Dort sollen auf der Waldfläche der evangelischen Landeskirche Windräder mit einer Höhe von 200 Meter vom Typ Vestas V126 mit einer Leistung von je 3,3 Megawatt gebaut werden. Auch auf der Hohenloher Ebene bei Orlach, Zottishofen, Ruppertshofen und weiteren Standorten laufen Genehmigungsverfahren von anderen Antragstellern.

Die höchsten Stellen im Landkreis Hall sind bewaldet

"Die höchsten Stellen im Landkreis sind bewaldet. Und die Höhen sind meist weit weg von der Wohnbebauung", hat Andreas Wickel eine Erklärung für den Windkraftbau im Wald. Wenn man keine erneuerbare Energie und keine Kernkraft wolle, dann bliebe nur die Kohle. Die sei mit ihrem Kohlendioxid-Ausstoß schädlich für den Wald. Noch ein Argument nennt Wickel: Windräder seien eine temporäre Einrichtung für etwa 30 Jahre. Und die entstehenden Waldinnenränder böten einen höheren Biotopwert, als ein geschlossener Wald. Dort sei die Artenvielfalt größer.

Windenergieatlas der Landesregierung

Ziel Die Grün-Rote Landesregierung strebt an, dass bis zum Jahr 2020 mindestens zehn Prozent des Stroms in Baden-Württemberg aus heimischer Windenergie erzeugt werden. Um dieses Ziel zu erreichen sei es erforderlich, im Land rund 1200 neue Windenergieanlagen mit einer Leistung von je etwa drei Megawatt zu errichten. Festgeschrieben ist das im Windenergieatlas. Darin heißt es: "Waldgebiete sind grundsätzlich für die Windenergienutzung geeignet." Die Landesregierung will für die Windenergienutzung prinzipiell landeseigene Grundstücke verpachten. Zuständig für die Pachtangelegenheiten ist der Landesbetrieb ForstBW. Ausschlusskriterien sind forstfachliche Gesichtspunkte oder Naturschutzbelange. Der Windenergieatlas ist seit dem 30. Mai 2012 in Kraft. Für Naturschutzbehörden ist der Erlass verbindlich.

KOR

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Kommentare

13.06.2014 13:02 Uhr

Kein Klimaschutz durch Ökostrom

@ThomasSchöller- schöner Kommentar...
Hätte nie gedacht, daß es einmal möglich sein würde Wälder für Windindustrieanlagen abzuholzen, dort wo man früher noch nicht mal eines Pommesbude oder einen Parkplatz plazieren durfte. Eine Riesenschweinerei geduldet von unseren "Umweltschützern", die ansonsten jede Kröte über die Straße tragen, mit dem fatalen Argument: Klimaschutz geht vor Umweltschutz. Wie bitte, unsere Naturlandschaften und Wälder opfern für das Weltklima? "Klimaschutz ist unnötig, nutzlos, umweltschädlich und teuer. Auch das IPCC hat die deutsche Ökostromförderung als nutzlos entlarvt, was jedoch nach Recherchen der "Welt" in der deutschen Kurzfassung grob verfälscht wiedergegeben wurde ("Die Klimatrickser").

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13.06.2014 12:01 Uhr

Kein Klimaschutz durch Ökostrom

@ThomasSchöller- schöner Kommentar...
Hätte nie gedacht, daß es einmal möglich sein würde Wälder für Windindustrieanlagen abzuholzen, dort wo man früher noch nicht mal eines Pommesbude oder einen Parkplatz plazieren durfte. Eine Riesenschweinerei geduldet von unseren "Umweltschützern", die ansonsten jede Kröte über die Straße tragen, mit dem fatalen Argument: Klimaschutz geht vor Umweltschutz. Wie bitte, unsere Naturlandschaften und Wälder opfern für das Weltklima? "Klimaschutz ist unnötig, nutzlos, umweltschädlich und teuer. Auch das IPCC hat die deutsche Ökostromförderung als nutzlos entlarvt, was jedoch nach Recherchen der "Welt" in der deutschen Kurzfassung grob verfälscht wiedergegeben wurde ("Die Klimatrickser").

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13.06.2014 11:30 Uhr

Dümmer geht es bald nimmer

Das von Seiten der Windkraftbranche der Flächenverbrauch für WKAs im Wald heruntergespielt wird, ist schon lange bekannt. Wer sich die Mühe macht Baustellen von Windkraftanlagen aufzusuchen, der kann leicht feststellen, dass es sich sehr wohl um eine Waldverwüstung handelt. Deutsche Wälder waren bislang von derartigen massiven Abholzungen verschont geblieben. Wenn Ideologie und Geschäftsmodelle zusammenkommen, dann wird es immer furchtbar. Siehe auch wieder aktuell das Geschäftsmodell der SBE in Sachen Bio Energie, gell liebe Stadwerke Schwäbisch Hall ?!

Mit Verwunderung nehme ich die Aussage von Herrn Wickel zur Kenntnis, dass es sich bei diesen Windspargeln nur um eine max. 30 jährige und daher temporäre Erscheinung handelt. Jetzt frage ich mich natürlich, hat der Mann schon Kenntnis darüber, was danach kommt? Deutschland (und nur Deutschland) will sich doch bis 2050 zu nahezu 100 Prozent mit den sogenannten Erneuerbaren versorgen, da sind doch Windräder auch in der Zukunft unverzichtbar. Kennt er gar das neue Geschäftsmodell zum Abkassieren der Stromkunden oder redet er nur Unfug?

Vielleicht ist letzteres wahrscheinlich, wenn man sich die Aussage zum Kohlendioxid anschaut. Also Kohlendioxid ist doch CO2? Seit wann ist das schädlich für den Wald? Bäume und Wälder sind in der Lage, aus CO2 und Sonnenlicht Biomasse und Sauerstoff zu produzieren und das CO2 dauerhaft zu binden. Eine Fichte beispielsweise entzieht im Laufe ihres 100jährigen Lebens der Atmosphäre fast zwei Tonnen CO2. Wälder sind also bedeutende Speicher für dieses "Treibhausgas", sagt jedenfalls das Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz BW. Und weiter: Wälder und nachhaltige Holznutzung können also helfen, den Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu bremsen. Na dann.

Das mit der Artenvielfalt hat der gute Mann wohl beim DNR (Deutscher Naturschutzring) aufgeschnappt, die behaupten das auch. Anders als der Name vermuten läßt, steht der DNR aber für die Windkraft auch im Wald ein. Laut DPA haben DNR und der Bundesverband Windenergie (BWE) schon vor 10 Jahren ein Bündnis für mehr Windmühlen geschlossen.

Der DNR hat seit längerer Zeit eine Kampagne laufen, mit dem Namen Windkraft im Visier. Mit im Kampagnenteam der Generalsekretär des DNR Helmut Röscheisen und genau der war auch in der Fachkommision bezgl. der Bewerbung Münchens für die Olympiade 2018 und war aus Naturschutzgründen gegen die Ausrichtung dieser Spiele und stieg deshalb aus der Kommision aus. Der Berliner Zeitung (14.09.2010) sagte er:"Wenn Sie dort in der Berglandschaft Infrastrukturmaßnahmen machen, dann ist die Landschaft halt weg."

Bei der Windkraft ist das natürlich etwas anderes.
Zum DNR ein Beitrag von Wattenrat: http://tinyurl.com/njeqxkc oder auch hier noch besser und aktueller, die seltsamen Methoden der Firma Schmal und Ratzbor: http://tinyurl.com/qzh82du

Wer möchte, kann daher die meisten im Artikel gemachten Aussagen für den nächsten Bullshit-Award vorschlagen.

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