Großaltdorf: 21 Kühe sterben in den Flammen

Am späten Montagabend geht ein landwirtschaftliches Anwesen in Großaltdorf in Flammen auf. 120 Feuerwehrleute sind stundenlang im Einsatz. Die Brandursache ist noch ungeklärt.

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  • Die Feuerwehren aus Vellberg, Ilshofen, Schwäbisch Hall und Crailsheim haben ihr Bestes gegeben: Der Stall ist aber nicht mehr zu retten gewesen. 1/3
    Die Feuerwehren aus Vellberg, Ilshofen, Schwäbisch Hall und Crailsheim haben ihr Bestes gegeben: Der Stall ist aber nicht mehr zu retten gewesen. Foto: 
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Das Dachgeschoss eines neben dem Stall liegenden Wohnhauses sowie einen dortigen Handwerksbetrieb hat es auch erwischt. 2/3
    Das Dachgeschoss eines neben dem Stall liegenden Wohnhauses sowie einen dortigen Handwerksbetrieb hat es auch erwischt. Foto: 
  • Dienstagvormittag mussten von der Vellberger Feuerwehr weitere Brandnester bekämpft werden. Mehrere Einsatzgruppen lösten sich ab. 3/3
    Dienstagvormittag mussten von der Vellberger Feuerwehr weitere Brandnester bekämpft werden. Mehrere Einsatzgruppen lösten sich ab. Foto: 
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Ein wenig hatte er am Montagabend noch ferngesehen, dann ist Landwirt Gerhard Zimmer ins Bett gegangen. Auf einmal knallt es laut, seine Frau schaut aus dem Fenster und sagt: „Bei uns brennt es.“ Der 77-jährige Zimmer springt in seine Kleidung und rennt los zu seinem Kuhstall. Derweil alarmiert seine Frau die Feuerwehr und ruft ihre Töchter an. „Es ging wahnsinnig schnell“, erzählt Zimmer am Tag danach. „Wir haben dann versucht, unsere Kühe zu retten.“ Wie Feuerwerksknaller habe es sich angehört, sagt Verena Frey, die in einem Haus nahe dem landwirtschaftlichen Anwesen der Zimmers wohnt. „Das sind die auf dem Dach installierten Fotovoltaikanlagen gewesen“, meint die junge Frau. „In Windeseile hat alles lichterloh in Flammen gestanden.“

Die Feuerwehr Vellberg wurde um 23.35 Uhr gerufen, kurz da­rauf waren die ersten Kräfte am Brandort. Die rund 30 Meter hohen Flammen seien schon von Vellberg aus zu sehen gewesen, erzählt Feuerwehrkommandant Jens Marquardt, der Dienstagvormittag immer noch im Einsatz ist.

„Mit allen Kräften waren wir bis 4 Uhr früh im Einsatz.“
- Jens Marquardt, Feuerwehrkommandant Vellberg

Die Müdigkeit steht ihm ins Gesicht geschrieben. „Auf dem Weg haben wir von Brand 3 auf Brand 4 erhöht“, sagt Marquardt. Weitere Feuerwehrkräfte mussten hinzugezogen werden. Unterstützung kam von den Wehren aus Ilshofen, Schwäbisch Hall und Crailsheim. Auch Kreisbrandmeister Werner Vogel war vor Ort. Insgesamt 120 Feuerwehrleute mit rund 20 Fahrzeugen sind es dann am Ende. „Mit allen Kräften waren wir bis etwa 4 Uhr im Einsatz“, erzählt der Kommandant, der auch die Einsatzleitung hatte. „Die ersten Leute konnten wir um 5 Uhr nach Hause schicken.“ Er schätzt, dass rund 2,5 Kilometer Schläuche ausgerollt worden sind. Das ­Löschwasser kam aus dem Aalenbach und aus Wassertanks in der Ortschaft. „Den ersten Löschangriff haben wir mit dem Wasser aus unseren Fahrzeugen geführt“, so Marquardt. Die Tanks waren innerhalb von Minuten leer, aber die Wasserversorgung stand schnell. Von mehreren Seiten ist man dem Feuer zu Leibe gerückt. Das Haus der Freys konnte gerettet werden, für den Kuhstall und einen daneben liegenden leerstehenden Schweinestall war es aber zu spät. Keine Rettung gab es leider für 21 Kühe aus dem Bestand der Zimmers. Flammen aus dem Stall griffen ebenfalls auf ein daneben liegendes Wohnhaus über. „Den Wohnbereich konnten wir retten, da waren auch Leute mit Atemschutz drin“, erklärt der Kommandant. Eine Hälfte des Hauses hat es aber schwer erwischt: Der Dachstuhl sowie ein handwerklicher Betrieb darunter sind zerstört. „Ich gehe davon aus, dass wir noch bis Dienstagabend vor Ort sein müssen“, sagt Marquardt. Er erwartet noch Brandermittler der Polizei, auch Vellbergs Bürgermeisterin Ute Zoll hat sich für Dienstagnachmittag noch einmal angekündigt. Zoll ist auch schon in der Brandnacht vor Ort gewesen (siehe Interview).

Zukunft ist ungewiss

„Ich weiß noch nicht, ob ich weitermache“, sagt Landwirt Gerhard Zimmer am Dienstagvormittag. Er schaut auf die Stallruine. „Das kommt auch darauf an, was die Versicherung zahlt. Schulden will ich keine mehr machen.“ Noch am Morgen habe er die Versicherung benachrichtigt, ein Gutachter wird erwartet. Nur vier seiner Milchkühe und ein Kalb haben den Brand überlebt. Zimmers Blick spricht Bände, als er traurig sagt: „Man kennt jedes Tier mit Namen. Das tut weh. Zumal ich eben auch ein großer Tierfreund bin.“

„Man kennt jedes Tier mit Namen. Das tut weh.“
- Gerhard Zimmer, Landwirt

Die Tiere sind mittlerweile bei Nachbarn untergekommen. Melken wird Zimmer die Kühe wohl erst mal per Hand: Auch seine Melkanlage, Traktoren und weiteres Gerät sind zerstört. „Wir werden dir helfen“, sagt Zimmers Tochter Andrea Zimmer-Welk, die in Kleinstadel einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb unterhält. Auch sie ist seit Montagnacht auf den Beinen. „Ich war gerade eingeschlafen, als das Telefon klingelte“, erinnert sie sich. Das Haus der Eltern, das direkt neben den zerstörten Stallgebäuden liegt, ist zum Glück verschont geblieben – dank dem beherzten Eingreifen der Feuerwehr. „Nur ein paar Scheiben sind durch die Hitze beschädigt“, sagt Gerhard Zimmer und schaut weiter den noch immer löschenden Feuerwehrleuten zu. Aus dem ehemaligen Kuhstall raucht es noch immer.

„Wir pumpen auch noch einen Gülletank leer, damit die Gülle nicht ausläuft“, erklärt Feuerwehrkommandant Marquardt. Er steht am Einsatzleitungswagen der Vellberger Feuerwehr und verschnauft kurz. Eine unschöne Aufgabe wartet am Dienstagnachmittag noch auf ihn und seine Truppe: Die Kadaver der Kühe müssen geborgen werden. Das Veterinäramt hat sich auch noch angekündigt.

Zur Brandursache kann die Polizei am frühen Dienstagabend noch nichts sagen. „Die Kripo ist vor Ort gewesen, aber die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagt ein Sprecher des für den Landkreis Schwäbisch Hall zuständigen Polizeipräsidiums Aalen. Man gehe derzeit von einem Sachschaden in Höhe von rund 900.000 Euro aus.

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