16 zu 15 für Campus Life

an der Gipsmühle Gailenkirchen erweitern. Zwei Häuser sollen abgerissen, drei neu errichtet werden. Doch Bauen ist im Außenbereich eigentlich verboten.

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Thorsten Berroth und Uwe Meyer von Campus Life zeigen auf die Stelle, an der einer der Neubauten enden soll. Im bisherigen Gemüsegarten, auf dem Kinderspielplatz und einer Wiesenfläche sollen drei Häuser entstehen - zwei werden abgerissen. Das weiße Haupthaus (Mitte) wurde in den vergangenen Jahren mit viel Eigenarbeit renoviert.  Foto: 

an der Gipsmühle Gailenkirchen erweitern. Zwei Häuser sollen abgerissen, drei neu errichtet werden. Doch Bauen ist im Außenbereich eigentlich verboten.

"So wie dieses Projekt seinen Lauf nimmt, kann man meinen: Es gibt noch Wunder", sagt Helmut Kaiser, SPD-Fraktionssprecher im Haller Gemeinderat, der gegen die Pläne ist. Gegen die Erweiterung des Seminarzentrums spreche: Es steht im Außenbereich, im Landschaftsschutzgebiet, in einem regionalen Grünzug. Ein Bach müsste verlegt, der Flächennutzungsplan geändert werden.

Im Gemeinderat wird gesagt, dass einige Behörden ihre Zustimmung signalisiert haben. Bevor nun der aufwändige Genehmigungsprozess startet, fragt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim die Stadträte, ob sie der Erweiterung "positiv gegenüberstehen". "Der Regionalverband muss zustimmen. Er wird kein Votum gegen die Stadt machen", begründet er dieses Vorfühlen in der Gemeinderatssitzung.

Das Thema birgt Sprengstoff: Schließlich wurden die Christen im Jahr 2008 im Gemeinderat als "religiöse Extremisten" bezeichnet, als die Erweiterung erstmals auf den Tisch kam. Damals - wie heute - stimmen SPD und Grüne gegen und bleiben knapp in der Minderheit.

Anders als noch vor sieben Jahren wird nun nicht hitzig über die Ausrichtung der Christen, sondern über ihr Bauvorhaben debattiert. Helmut Kaiser (SPD): "Hier ist kein Antragsteller, der in irgendeiner Weise privilegiert wäre." Er bezieht sich auf die Baugesetze, die vorsehen, dass nur ganz besondere Vorhaben als Neubauten mitten in der Natur genehmigt werden. Pelgrim kontert: "Ein Schweinestall und ein Windrad sind okay, ein Schulungszentrum nicht?" Diese Regel sei absurd. Zudem sehe das Gesetz Ausnahmen vor. Es sei ein "Ausdruck des Respekts vor der Schöpfung", dort nicht zu bauen, versucht Nikolaos Sakellariou (SPD) die Christen mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Doch die geben nicht auf, zumal der Ortschaftsrat für sie gestimmt hat. Einst stand auf dem Gelände eine Fabrik zur Herstellung von Gips, erläutert Uwe Meyer im Gespräch vor Ort. Die drei neuen Gebäude - darunter ein Tagungshaus - würden noch geplant. Sie sollen sich so einfügen, dass der Charakter des Hofs bestehen bleibe.

CDU, FDP, FWV und OB Pelgrim stimmen am Ende dafür, das Projekt positiv durch die verschiedenen Ebenen zu begleiten. SPD und Grüne sind weiter dagegen. Am Ende geht es 16 zu 15 pro Campus Life aus. Ein denkbar knappes Ergebnis. Pelgrim sagt zu Uwe Meyer in der Blendstatthalle: "Jetzt müssen Sie überlegen, was sie tun."

Wer sind die Campus-Life-Christen der Gipsmühle?

Tradition "Das ist mein Elternhaus. In der vierten Generation wird hier christliche Arbeit geleistet", erläutert Uwe Meyer. Er hat den Verein Campus Life gegründet, der das Haus von seinen Eltern abgekauft hat. Geplant ist eine Stiftung, um die Arbeit dauerhaft abzusichern. Einst hatte die Süddeutsche Gemeinschaft einen seiner Ursprünge dort, wo heute Campus Life arbeitet.

Keine Gemeinde "Wir sind ein überkonfessioneller Dienstleister für den kirchlichen Bereich", erläutert Uwe Meyer. Campus Life sei keine Gemeinde, sondern vielmehr eine Gruppe mit zehn Vollzeitmitarbeitern, die im Hauptort Gailenkirchen oder in Untermünkheim wohnen. Angeboten würden Seminare, Coaching-Gespräche, Mitarbeitertrainings - in der Gipsmühle und in Gemeinden in ganz Süddeutschland. Bisher sind rund 35 Teilnehmer die Obergrenze für Veranstaltungen in der Gipsmühle. Campus Life finanziert sich über Seminargebühren und Spenden, was für Gruppen außerhalb der Landeskirche üblich ist.

Integriert "Campus Life ist Teil der evangelischen Allianz, in der zum Beispiel auch die Christusträgerschwestern, Vineyard oder die Baptisten sind", erläutert der evangelische Pfarrer Johannes Beyerhaus aus Hessental auf Nachfrage. Der Vorsitzende der Allianz nehme oft an Veranstaltungen von Campus Life teil. Es gebe viele Überschneidungen mit den evangelischen Gemeinden. Die anfängliche Befürchtung einiger Gemeinden, dass eine in sich geschlossene Gruppe von Campus Life Gemeindemitglieder abwerbe, bestehe nicht. Beyerhaus: "Das sind junge Leute mit Visionen. Sie beflügeln die Allianz." Stadtrat Michael Reber (CDU) aus Gailenkirchen: "Die jungen Familien integrieren sich hervorragend."

TOB

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