16.000 pendeln aus

Hier leben, dort arbeiten – immer mehr Menschen sind unterwegs, um ihre Arbeitsplätze zu erreichen. Im Landkreis Hall stieg die Zahl seit 2000 um 36 Prozent.

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Kaffeetrinken morgens im Auto. Fluchen am Nachmittag, wenn der Pendler unerwarteterweise in einen Stau gerät.  Foto: 

Rund 21 Prozent aller Berufstätigen verließen auf dem Weg zur Arbeit die Grenzen des Landkreises Schwäbisch Hall. Von dieser Zahl geht die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) aus. Das seien 36 Prozent mehr als im Jahr 2000. Die IG BAU stützt sich in ihrer Angabe auf eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Danach zählt der Landkreis Hall rund 16 600 sogenannte Auspendler.

Die Gewerkschaft nennt den Trend „alarmierend“. Immer mehr Menschen müssten immer weitere Strecken zur Arbeit zurücklegen – und verbrächten immer mehr Lebenszeit im Stau, kritisiert Bezirkschef  Mike Paul.

„Wir wissen, dass eine Fahrtdauer von mindestens 45 Minuten so belastend ist, dass die Gefahr gesundheitlicher Schäden deutlich zunimmt. Schon ab einer halben Stunde kann es öfters stressig werden.“ Mit diesen Worten zitiert das Nachrichtenmagazin der Spiegel den Sozialogen Norbert F. Schneider.

Lange Strecken kosten Kraft

Der Wissenschaftler geht davon aus, dass die langen Wegstrecken der Berufspendler viel Kraft kostet. Eine ständige Zeitknappheit sei verantwortlich für einen hohen Stressfaktor. Bei Wochenendpendlern sei zu beobachtet, dass sie sich oft von ihrem sozialen Umfeld entfremden. Diese Faktoren würden die Psyche belasten und das Risiko für einen Burnout erhöhen. Schneider beruft sich auf eine Studie, die zu dem Schluss kommt, dass ein überraschender Stau den gleichen Stresspegel erzeugt, den ein Kampfpilot im Einsatz erlebt.

Ein Grund für zunehmende Pendelei sei eine verfehlte Wohnungsbaupolitik, vermutet die IG BAU. „Seit Jahren hält das Angebot bezahlbarer Wohnungen nicht mit dem Bedarf Schritt. Wir haben gerade in den größeren Städten eine gute Entwicklung bei den Arbeitsplätzen, aber für die Menschen wird es immer schwieriger, sich dort auch eine Wohnung zu leisten“, sagt Paul. Strecken von über 50 Kilometern bis zum Betrieb seien mittlerweile gang und gäbe. Dies belaste nicht nur die Umwelt, sondern auch die Nerven und die Gesundheit der Betroffenen.

Die IG BAU fordert ein Umdenken in der Wohnungspolitik. „Die öffentliche Hand muss viel mehr als bisher investieren, um bezahlbaren Wohnraum in den Metropolen und Ballungsräumen zu schaffen“, betont Paul. Es würden mehr Sozialwohnungen und mehr bezahlbare Mietwohnungen gebraucht. Dafür müsse es eine deutlich bessere Förderung.

Um die Berufspendler im Kreis zu entlasten, müsse mittelfristig auch die Verkehrsinfrastruktur ausgebaut werden. „Wir brauchen bessere Schienennetze und mehr Radwege. Aber auch bei Straßen und Brücken ist der Nachholbedarf groß.“

Leicht bergan mit dem E-Bike

Was das nahe Pendeln mit dem Fahrrad zum Arbeitsplatz betrifft, liegen für den Raum Hall-Crailsheim-Gaildorf zwar keine Zahlen vor, doch ist zu beobachten, dass sich mehr und mehr Beschäftigte mit dem Fahrrad auf den Weg in ihren Betrieb machen. Dieses Thema scheint an Tempo aufzunehmen, weil es Räder mit Elektroantrieb erheblich leichter machen, die teilweise langen Steigungen zu bewältigen.

Verspätungsalarm unzuverlässig

Pendler, die mit der Bahn von Crailsheim, Hall oder Gaildorf in Richtung Stuttgart oder Nürnberg unterwegs sind, räumen zwar ein, dass die Bahn nicht immer zuverlässig fährt – was Zugausfälle und Verspätungen anbetrifft. Dass dies aber gegenüber der Staugefahr auf der Straße das kleinere Übel sei. Ärgerlich sei es aber, dass die Bahn-App nicht verlässlich auf die Ausfälle oder Verspätungen hinweist.

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Pendler in Hall

Knapp 400.000 Beschäftigte pendeln jeden Tag aus allen Himmelsrichtungen nach Stuttgart. Rund 320 Arbeitnehmer kommen von Hessental.

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