14. Haller Sommerakademie mit Teilnehmerrekord - Finissage mit Jubiläums-Festakt

Das Brechen des Teilnehmerrekords ist bei der Haller Sommerakademie fast schon normal: 91 Frauen und Männer aus ganz Deutschland erproben derzeit in Kursen von Malerei bis Holzdruck ihre Kreativität.

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Nicole Reimer aus Hamburg bearbeitet im Steinbildhauerkurs der Haller Sommerakademie einen roten Sandstein.  Foto: 

Im Flur liegt der Duft von Terpentin und Farbe in der Luft. Von draußen hört man das Klopfen der Steinbildhauer. Eine konzentrierte Mischung aus Fleiß, Gelassenheit und Freude bestimmt dieser Tage die Atmosphäre an der Haller Akademie der Künste. Seit 25 Jahren gibt es das interdisziplinäre Forum für zeitgenössische Kunst. Und im Rahmen der Abschlussausstellung zur 14. Sommerakademie am Samstag wird auch das Akademie-Jubiläum gefeiert.

„Obwohl ich noch nicht weiß, was es wird, liebe ich es.“

Mit Schutzbrille, Handschuhen und Ohrstöpseln ausgestattet, bearbeitet Martha Wiechowski vor dem ehemaligen Haalgymnasium einen roten Sandstein. Die Stuttgarterin nimmt zum ersten Mal an der Sommerakademie teil, war aber schon vor zehn Jahren an der Akademie: "Damals im Vollstudium." Sie hat in Hall ihre Mappe vorbereitet, um sich damit fürs Kunsterzieher-Studium zu bewerben - erfolgreich. Inzwischen unterrichtet sie an einer Schule in Ludwigsburg. Die Steinbildhauerei, die sie jetzt im Kurs bei Herbert Leichtle kennenlernt, sei für sie eine neue Erfahrung: "Das Wegnehmen von Material ist ein ganz anderes Gefühl", erzählt sie und blickt auf den Stein vor ihr. Die Konturen einer sitzenden Figur sind bereits gut erkennbar - "mal sehen, was noch daraus wird", sagt sie lächelnd. Der neue Akademiestandort im ehemaligen Haalgymnasium gefällt ihr sehr gut: "Ich mag das, mitten in der Stadt zu sein."

Im Malerei-Kurs bei Susanne Neuner experimentiert Monika Dengel-Rach aus dem pfälzischen Zellertal mit Eitempera-Farben. Sie nimmt inzwischen zum fünften Mal an der Sommerakademie teil. Zu den vielen "Wiederholungstätern" gehört auch Gisela Golombek aus Heilbronn. Sie habe diesmal schon mit dem Gedanken gespielt, ein Jahr auszusetzen, erzählt die 62-jährige Diplompsychologin und Psychotherapeutin: "Aber ich spürte, mir würde etwas fehlen." Als Akademie-Mitglied unterstützt sie das interdisziplinäre Forum in Hall auch unterm Jahr. Sie liebt es, während des Sommerkurses verschiedene Materialien kennenzulernen: "Ein Kohlestift läuft eben anders als Acryl-Farben." Gisela Golombek schätzt nicht nur die "vielen spannenden Begegnungen", sondern auch, "dass eine echte Auseinandersetzung stattfindet und ein Anspruch vertreten wird".

Per Zufall sind Nicole Reimer und Birthe Roden an die Haller Sommerakademie geraten. Sie sind Arbeitskolleginnen und kommen aus Hamburg. Dort war Nicole Reimer ein Prospekt der Sommerakademie in die Finger gekommen - und flugs sei sie ins Programm "verliebt" gewesen. "Erst dachte ich, das ist irgendwo in Schleswig-Holstein", erzählt sie lachend. Beim Anmelde-Anruf wurde ihr klar, dass sie nach Süddeutschland reisen müsse - "ja, warum auch nicht?". Mundart und Herzlichkeit hätten sie schnell überzeugt. Ihre Kollegin Birthe Boden wollte spontan mitkommen. Nun genießen die beiden den Kreativ-Urlaub in Hall beim Steinbildhauerkurs. Überhaupt: So ein Werk "in 3D" entstehen zu sehen, es anfassen zu können, das mag Nicole Reimer sehr. "Das Klopfen macht so viel Spaß", sagt sie und betrachtet ihren Stein: "Auch wenn ich noch nicht genau weiß, was es wird: Ich liebe es schon sehr." Birthe Roden landete bei der Motivwahl bei ihrem Faible für Füße. Für den Abgleich mit dem "Original" schlüpft sie kurz aus den Latschen und schaut auf ihre Fußsohle. Sie möchte die Ansicht von unten im Stein festhalten - in türkischem Travertin.

Info Die Sommerakademie endet am Samstag, 15. August, mit einer Abschlussausstellung, in der zu sehen ist, was in zwei Wochen künstlerischer Auseinandersetzung entstanden ist. Die Schau in der Akademie der Künste ist von 11 bis 14 Uhr geöffnet. Zudem wird mit der Finissage um 11 Uhr der Festakt zum 25-Jahr-Jubiläum gefeiert.

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