Farbig wie ein Barockgemälde

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Ottetto Tiepolo? Hat der aus Venedig stammende Freskenmaler der Barockzeit sich etwa auch in der Musik einen Namen gemacht? Eberhard Hofmann, neuer künstlerischer Leiter der Haller Sonnenhof-Konzerte, klärt auf: Giovanni Battista Tiepolo hat in der Würzburger Residenz bedeutende Deckengemälde hinterlassen, und die Interpreten des Abends sind Würzburger Musikprofessoren.

Was die Bilder und die von den Professoren gespielte Musik verbindet, ist der Esprit der sprühenden Farbigkeit. Weil das Konzert am Sonntag von beiden Haller Konzertvereinen, den Konzerten im Sonnenhof und der Haller Konzertgemeinde, gemeinsam veranstaltet wurde, ist die Arche im Sonnenhof mit etwa 350 Zuhörern fast voll besetzt.

Ein paar Professoren haben Meisterschüler mitgebracht, und so setzt sich das „Orchester“ aus Professor Jochen Müller-Brincken und Nicolas Wozniak (Oboen), Professor Manfred Lindner und Sebastian Langer (Klarinetten), Professor Albrecht Holder und David Leschnowski (Fagotte) und Professorin Sibylle Mahni mit Isabel Schmitt und Daniela Bischof (Hörner) zusammen, wozu sich Professor Mochinori Bunya als Kontrabassist und Professor Niklas Eppinger mit dem Violoncello gesellen.

Bravourös gespieltes Cello

Die eingangs gespielten Stücke von Antonin Dvorak, eine Romanze f-Moll op. 11 und ein Rondo g-Moll op. 94, sind ursprünglich für andere Instrumente geschrieben worden. Die in Hall zu Gehör gebrachte Fassung hat der 1956 geborene Andres Tarkmann verfasst. Die Solovioline wird durch ein von Niklas Eppinger bravourös gespieltes Cello ersetzt.

Nach pastoraler Einleitung durch die Holzbläser tritt das Cello sehr sanglich hinzu, sanft unterlegt vom weichen, leise non legato kontrapunktierenden Kontrabass. Mit virtuoser Kadenz leitet das Cello einen belebten Tanz ein. Große Agogik und Dynamik, typisch dvorak’sche harmonische Aha-Effekte umgarnen die Hörner. Dass die musikalische Grundidee zum Rondo aus Dvoraks Zyklus „Aus dem Böhmerwalde“ stammt, braucht man gar nicht zu wissen; der sehr emotionale Gesang des Cellos ist immer irgendwie Landschaftsmalerei.

Dvoraks mehrteilige „Serenade“ d-Moll ist im Original für zehn Bläser und Violoncello geschrieben. Ein eingängiger, leichtfüßiger Marsch beginnt und beschließt die rhapsodisch-episodenhafte Melodienfolge. Da erklingt elegisch-pastorales Oboenspiel, dessen Gefühlsfülle sich immer wieder in unerwartbarer Rhythmik auflöst. Überhaupt herrscht motivischer Einfallsreichtum. Das Finale ist eine von den Hörnern vorwärtsgetriebene Parforcejagd, die sich in ländlich-kontemplative Emotionalität umwandelt und in einem grandiosen Furioso endet.

Kurzweilig und kurzteilig

Wolfgang Amadeo Mozarts „Serenade“ in Es-Dur für je zwei Oboen, Klarinetten, Hörner und Fagotte KV 375 ist kurzweilig und auch kurzteilig. Häufig baut Mozart in kraftvollem Unisono oder in rhythmisch akzentuierten Akkorden Spannung auf, die sich dann in flotter, melodisch figurierter Weise wieder entlädt. Den Adagio-Satz eröffnet sehr expressiv eine Solooboe, die ihre Führungsrolle dann an jedes der Instrumente weitergibt. Akzente geben dem ruhigen Fluss emotionale Tiefe. Zum Beschluss ertönt ein sehr flottes Fugato, bei dem der Kontrabassist recht sportlich werden muss.

Die „Partita“ Es-Dur op. 71 von Franz Krommer, einem böhmisch-mährischen Zeitgenossen Mozarts, der in Wien zum kaiserlichen Hofkomponisten avancierte, ist eher von höfischem Gleichmaß erfüllt. Nach festlichen Ouvertürentakten besticht der Kopfsatz durch chromatisch sequenzierten Aufbau und artikulationsreiches Spiel der Holzbläser. Insgesamt herrscht der Tuttiklang des vollen Ensembles vor; es spielen eigentlich immer alle, auch wenn solokadenzartige Passagen durchaus vorkommen. Auch beim „A la chasse“ (nach Art der Jagd) des Finales streben alle in deutlich wahrnehmbarem Gleichschritt dem Ende des beeindruckenden Bravourstückes entgegen. Begeisterter, verdienter Applaus wird durch das bereits gehörte Finale der Dvorak-“Serenade“ belohnt.

Anlauf steht hier, hier die Erklärung

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