Verdecktem Ermittler kiloweise Drogen angeboten

Zwei Brüder aus Sulzbach-Laufen sitzen auf der Anklagebank in Ellwangen. Der Staatsanwalt liest 118 Anklagepunkte vor.

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Symbolfoto.  Foto: 

Eine gute halbe Stunde dauert es, bis der 1. Staatsanwalt Armin Burger die Anklage verlesen hat. Auf der Anklagebank der von dem Vorsitzenden Richter Bernhard Fritsch geleiteten zweiten großen Strafkammer am Landgericht Ellwangen sitzen zwei Brüder aus Sulzbach-Laufen. 118 Anklagepunkte listet Burger auf, darunter auch Fahren ohne Fahrerlaubnis. Im Wesentlichen aber geht es um Drogenhandel. Dem Älteren werden 80 Straftaten zur Last gelegt, bei dem Jüngeren sind es 38. 64.000 Euro soll der Ältere seit 2013 mit dem Handel von Rauschgift umgesetzt haben, bei seinem Bruder sind es 55.000 Euro.

Weitere Prozesse in Heilbronn

Die Brüder wurden am 19. November 2017 zusammen mit drei weiteren Verdächtigen aus dem Limpurger Land verhaftet, einer davon ein Polizeibeamter. Gegen ihn wie auch gegen einen Mann aus Fichtenberg wird bereits vor dem Landgericht Heilbronn verhandelt. Bereits abgeurteilt ist ein Drogenkurier, der ebenfalls am 19. November verhaftet wurde. Er muss für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis (wir haben mehrfach berichtet).

Burgers Anklageschrift reicht teilweise bis ins Jahr 2013 zurück. Der Ältere soll damals einen Kollegen am Arbeitsplatz mit Drogen versorgt haben. Sein damaliger Kunde wirft ihm auch Erpressung vor, es geht um 26.000 Euro. Der Angeklagte hat mit Anke Stiefel-Bechdolf und Johannes Kütterer zwei Verteidiger auf seiner Seite. Stiefel-Bechdolf verliest eine Erklärung, wonach der Drogenverkauf eingeräumt, die Erpressung aber bestritten wird.

Nach Amsterdam „aus Neugier“

Der Anklage zufolge wuchsen die Mengen, mit denen der heute 34-Jährige gehandelt haben soll, in den nächsten Jahren beträchtlich. 2016 soll es um Cannabisprodukte in Hundert-Gramm-Portionen und hunderte Ecstasy-Tabletten gegangen sein. Dass er nach Amsterdam gefahren sei, um Drogen zu kaufen, bestreitet er allerdings. Die Polizei habe ihn falsch verstanden, erklärt seine Anwältin: er habe lediglich gesagt, dass die Drogen aus Holland kamen. In Amsterdam sei er „aus Neugier“ gewesen.

Im Juni 2016 lernte er den Gaildorfer kennen, den Burger als „Bandenchef“ bezeichnet. Der Mann, dessen Prozess im August stattfinden wird, soll die Kontakte nach Holland gepflegt, Bestellungen aufgenommen und weitergegeben haben. Er habe Abnehmer für größere Mengen gesucht, lässt der Angeklagte über seine Anwältin erklären. Nun sei es auch um Kokain gegangen.

Der jüngere der Brüder wird von dem Haller Anwalt Erwin Kütterer vertreten. Auch er räumt einige der insgesamt 38 Anklagepunkte ein. Sein Bruder habe die Drogen bei ihm gekauft, lässt der Ältere vermitteln, mit den Anderen habe er nichts zu tun gehabt, es habe auch keine gemeinsame Kasse gegeben – der Vorsitzende Richter Bernhard Fritsch wirft ein, dass sich der Jüngere einmal als „Abteilungsleiter“ seines Bruder bezeichnet haben soll.

Polizist macht keine Angaben

Dem Gericht obliegt es nun, die Aussagen der Angeklagten mit den Erkenntnissen der Ermittler und der Staatsanwaltschaft und den Aussagen der Mitangeklagten abzugleichen. Zwei werden in Ellwangen vorgeführt: Der angeklagte Polizist macht keine Angaben; der Fichtenberger gibt an, den Jüngeren der Brüder einmal zu einem Treffen mit dem mutmaßlichen Chef gefahren zu haben.

Verdeckter Ermittler

Die Polizei beobachtete die Täter nicht nur intensiv, sondern hatte spätestens seit August 2016 auch einen verdeckten Ermittler in die Gruppe eingeschleust. Der jüngere Bruder, berichten die LKA-Beamten, die den Ermittler führten, sei bei einem ersten Treffen „schnell und cool“ zur Sache gekommen, habe Amphetamine im Kilobereich in Aussicht gestellt und die angeforderten Proben besorgt. Sogar eine Geld-zurück-Garantie habe es gegeben.

Über den verdeckten Ermittler habe man auch klare Erkenntnisse über Art und Menge der Drogen gewonnen, berichtet ein weiterer Ermittler. Im Prinzip habe man in einem ersten Durchgang recherchiert, wie der Handel abläuft; sich diese Erkenntnisse in einem zweiten Durchgang bestätigen lassen und beim dritten Durchgang zugegriffen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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Kommentare

18.05.2017 15:07 Uhr

Professionelle Dealer

Am ehem. BAB Grenzübergang Dresden-Prag wurden 17 Dresdner BGS-Beamte auf frischer Tat erwischt, wie sie mehrere Kilo harter Drogen über die Grenze schmuggeln wollten. Sie hielten ihre Dienstausweise den Grenzbeamten hin, wo sie sonst immer freundlichst durchgewunken wurden. Doch diesmal war Stau am Grenzübergang.

Eine Gruppe BKA-Beamte mit ihren Drogenhunden hielten sich zufällig am Grenzübergang auf, als die Hunde verrückt spielten und daraufhin die Dresdner Beamten herausgewunken wurden.
Dumm gelaufen. Die BGS-Beamten wurden dann versetzt. Jeder andere wäre im Knast gelandet, berechtigt!

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