Metzgerei-Filialleiterin soll 300.000 Euro gestohlen haben

Gerichtsprozess: Binnen fünf Jahren soll eine Crailsheimerin Geld gestohlen - Ein Spürhund fand Teile davon.

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Ganz tief in die Welt von Leberwurst, Hinterschinken und Kassensystemen tauchte jetzt das Landgericht in Ellwangen ein: Die Zweite Große Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Bernhard Fritsch hat sich mit einer 34 Jahre alten Frau zu befassen, die zunächst als Mitarbeiterin in einem Verkaufswagen und dann als Filialleiterin bei einer Metzgerei in Crailsheim lange, sehr lange Finger gemacht haben soll.

Oberstaatsanwalt Peter Staudenmaier wirft der Verkäuferin nämlich vor, ihren Arbeitgeber in nur fünf Jahren bei insgesamt 899 Griffen in manipulierte Kassen um sage und schreibe 297.515 Euro erleichtert zu haben.

Auf der Anklagebank sitzt auch der 36 Jahre alte Ehegatte, der in dem Strafprozess aber eher eine Nebenrolle spielt: Er muss sich wegen Geldwäsche und der Unterschlagung von acht Staubsaugern verantworten, die der Mann zufällig nahe der Autobahn 6 fand. Das weggeworfene Diebesgut stammte aus einem Lkw, den unbekannte Planenschlitzer auf dem nahen Parkplatz Reußenberg leer geräumt hatten.

Seit Mai 2012 stand die Frau aus einer Gemeinde unweit von Crailsheim auf der Gehaltsliste der Metzgerei. Sie galt als fleißig, zuverlässig und freundlich gegenüber der Kundschaft.

Der gute Eindruck änderte sich allerdings erheblich, als sich die Firmenchefin zunehmend über die rapide sinkenden Umsätze ausgerechnet in dieser Filiale wunderte, die einschlägigen Finanzdaten genauer wie sonst üblich unter die Lupe nahm, einen Privatdetektiv einschaltete und letztlich im April 2017 die Polizei über ihren Verdacht gegen die Filialleiterin informierte.

Von vier Kameras gefilmt

Die Ermittler installierten vier getarnte Kameras in den Verkaufsräumen der Metzgerei, die überaus belastende Bilder lieferten. Die Frau wurde kurze Zeit später festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Bei einer groß angelegten Durchsuchung von Wohnhaus und Grundstück, bei der auch ein auf Bargeld abgerichteter Suchhund und ein Bagger zum Einsatz kamen, wurde die Polizei im Juli ebenfalls fündig: Unter Pflastersteinen zum Beispiel stieß man auf eine Plastikbox, prall gefüllt mit 18.000 Euro in 500er-Scheinen. Entdeckt wurden auch zwei handschriftliche Listen, auf denen die Frau für ihre eigene „Buchhaltung“ vermutlich die unterschlagenen ­Bargeldbeträge aus der Metzgerei-Kasse notiert hatte.

180 000 Fotos gesichtet

Und als die Ermittler auch noch rund 180.000 (!) Handyfotos der Frau in einem Cloud-Speicher sichteten, fanden sich darunter Bilder von einem markanten Teppich im Wohnzimmer des Ehepaares, der mit 500-Euro-Scheinen zugepflastert war.

Per Video festgehalten wurde auch ein überaus großzügiges Geburtstagsgeschenk für den Gatten, der nach Ansicht der Staatsanwaltschaft über die kriminellen Touren seiner Frau genau Bescheid wusste und die in einem Schlüsselmäppchen herausgeschmuggelten kleinen Scheine aus der Metzgerei-Kasse bei einer Bank in große Scheine wechselte: Zu sehen ist auf dem Streifen ein Spielzeug-Laster, auf dessen Ladefläche nach einer Schätzung der Polizei zwischen 50.000 und 100.000 Euro in 500er-Banknoten gestapelt waren.

Gleich zum Auftakt des Strafprozesses baute Richter Bernhard Frisch eine goldene Brücke für die Frau: Ein Geständnis könnte sich durchaus positiv auf das Strafmaß auswirken.

Die Angeklagte schwieg sich allerdings zumindest am ersten von voraussichtlich sechs Verhandlungstagen mit insgesamt 29 Zeugen beharrlich aus. In Briefen an das Landgericht in Ellwangen hatte sie zuvor noch vielsagend geschrieben, dass sie zwar Fehler gemacht habe, die Vorwürfe aber nicht stimmen würden und sie vor Gericht die „ganze Wahrheit“ sagen wolle.

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