Fallstricke beim Leasing

|
Vor der Unterschrift unter dem Leasingvertrag sollten Interessenten alle möglichen Konsequenzen bedenken.  Foto: 

Für wenige hundert Euro im Monat steht der schicke Traumwagen vor der Tür – keine Frage, Leasingangebote klingen oft sehr verlockend. „Das dicke Ende kommt meistens zum Schluss“, warnt allerdings Rechtsanwältin Yasmin Domé. Beim Kilometerleasing zum Beispiel darf der Kunde in der vereinbarten Laufzeit höchstens die Kilometer verfahren, die im Vertrag festgelegt sind. Mehrkilometer müssen oft mit sehr hohen Extrakosten bezahlt werden. Beim Restwertleasing verkauft die Leasingbank das Auto nach Vertragsende meist an Dritte, manchmal aber auch an den bisherigen Kunden. Erzielt die Bank dabei nicht den gewünschten Preis, muss in manchen Verträgen der bisherige Nutzer des Wagens die Differenz bezahlen. Vor solchen Vertragsklauseln warnen Experten. „Als die Abwrackprämie kam, waren neue Autos auf einmal attraktiver als drei Jahre alte Leasing-Rückläufer“, erinnert Christian Janeczek von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins an das Jahr 2009. Die Lehre daraus: Kunden sollten sich möglichst bis zum Vertragsende die Option offenhalten, ob sie den Wagen kaufen oder nicht. Selbst wenn der Restwert des Fahrzeugs vertraglich festgelegt ist, wird das Auto vor der Übergabe von einem Gutachter taxiert. „Dabei geht es immer wieder um die Frage, ob ein Kratzer im Lack oder ein Fleck auf dem Sitz eine übliche Gebrauchsspur ist“, so Janeczek. Ist es eine übliche Abnutzungserscheinung, muss das Leasing­unternehmen damit leben. Ist es ein Zeichen „übermäßigen Gebrauchs“, muss der Kunde die Wertminderung ausgleichen. Im letzten Fall versucht der Gutachter häufig, die Kosten für die komplette Reparatur auf den Leasingnehmer abzuwälzen. „Zulässig ist aber nur die Wertminderung“, erklärt Janeczek. Außerdem dürfe bei dieser Wertminderung keine Umsatzsteuer berechnet werden, was ebenfalls gerne versucht werde. Kunden sollten sich möglichst schon bei Abschluss des Vertrags zusichern lassen, dass sie bei der Wahl des Sachverständigen mitreden können.

Viele Leasingnehmer unterschätzen auch die Auswirkungen eines Unfalls. „Wenn ich mit einem Auto im Wert von 30 000 Euro nach zwölf Wochen einen Totalschaden habe, bekomme ich nur den Wiederbeschaffungswert ersetzt“, erläutert er. „Wenn ich zu diesem Zeitpunkt aber erst 1000 Euro angezahlt habe, will die Bank Geld für diese Differenz.“ Für solche Fälle gibt es eine sogenannte Gap-Versicherung, die die Lücke (englisch „gap“) ausgleicht. Wer alle Fallstricke beim Leasing kennt, sieht die günstigen Monatsraten möglicherweise in einem neuen Licht. Rechtsanwältin Yasmin Domé rät Privatpersonen, die nicht als Selbstständige arbeiten, deshalb oft von einem Leasingvertrag ab. Wer sich keinen Neuwagen leisten kann, soll lieber vom Leasing anderer profitieren und sich einen drei Jahre alten Leasing-Rückläufer kaufen, sagt sie: „Damit fährt man günstiger.“

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

„Essen ist eine politische Handlung“

422 Gäste bekommen im Zeughaus das „Menü der Region“ serviert. Mit der Benefizgala würdigt die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall die ländliche Kultur Hohenlohes. weiter lesen