Sport Leiberich in Crailsheim schließt nach 154 Jahren

Das in der Crailsheimer Innenstadt alteingesessene Familienunternehmen schließt zum Jahresende.

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  • Ein Bild, das es nicht mehr lange gibt: Thomas Leiberich präsentiert einen Ausschnitt seiner Waren in seinem Sportgeschäft. Konkrete Planungen für sich selbst hat er noch nicht.  1/2
    Ein Bild, das es nicht mehr lange gibt: Thomas Leiberich präsentiert einen Ausschnitt seiner Waren in seinem Sportgeschäft. Konkrete Planungen für sich selbst hat er noch nicht. Foto: 
  • Abschied von einem gewohnten Anblick. Die Schaufenster sind bereits leer. 2/2
    Abschied von einem gewohnten Anblick. Die Schaufenster sind bereits leer. Foto: 
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Es ist eine Zäsur, nicht nur für die Crailsheimer Handelswelt, für den Geschäftsstandort Karlstraße für die Innenstadt an sich. Mit dem Sportgeschäft Leiberich schließt nicht nur eines der renommiertesten, sondern auch ältesten Unternehmen in der Horaffenstadt. „Es ist schon ein wenig traurig, dass ich es als Person jetzt sein muss, der die Ära unseres Hauses beendet“,  sagt Thomas Leiberich, „aber bei nüchterner Betrachtung war die Entscheidung ohne jede Alternative.“

1863 hatte Georg Leiberich den Betrieb gegründet. Die Leiberichs, deren Stammbaum sich bis ins 16. Jahrhundert verfolgen lässt,  waren Gerber. Erst der Großvater begann mit dem Handel von Lederwaren, aus dem heraus sich dann schnell der Handel mit Sportbekleidung und -geräten entwickelte.

Aus Gerbern wurden Händler

Unter der Führung seines Vaters Hans-Albrecht und dessen Frau Hilde Leiberich erlebte das Sportgeschäft seine Blütezeit und war im Altkreis Crailsheim über ein Vierteljahrhundert hinweg „das führende Haus am Platz“. Eine Entwicklung, die Thomas Leiberich in der fünften Generation so nicht fortschreiben konnte. „In der Rückschau“, sagt der ausgebildete Einzelhandelskaufmann, „gibt es nicht den einen Grund, warum wir jetzt aufgeben müssen. Da hat viel hineingespielt.“

Als er 1992 ausgelernt hatte, stand für ihn fest, dass er einmal den elterlichen Betrieb übernehmen würde. 1992 wurde noch einmal kräftig um- und ausgebaut. Mehrere Modernisierungen folgten. Auf 470 Quadratmetern auf zwei Ebenen mit eigener Werkstatt präsentierte das Sporthaus sein Vollsortiment, das vom Einkaufsverband Sport 2000  getragen wurde. Als Thomas Leiberich im Jahr 2004 von seiner Mutter die Geschäftsführung übernahm, war der junge Chef optimistisch, dass der stationäre Handel  in seiner klassischen Ausrichtung „gute Zukunftschancen“ haben würde. „Die örtliche Konkurrenz haben wir nie gefürchtet, die gehört zum Wettbewerb  und muss sich ja auch ganz ähnlichen Bedingungen stellen, erläutert Thomas Leiberich und fügt hinzu: „Diese Konkurrenz hat uns auch nie in der Existenz bedroht.“

Doch nach und nach begannen die Umsätze zu erodieren, während sich die Kosten kaum noch senken ließen. „Wir haben Berater herangezogen, uns auch mit Kollegen aus der Branche ausgetauscht, haben das Sortiment anders ausgerichtet und in moderne Technik sowie einen frischen Auftritt investiert – aber am negativen Trend hat es dann doch nichts mehr geändert. Schon seit geraumer Zeit wurde der Betrieb aus anderen Einnahmen der Familie ein wenig querfinanziert.

„Das war für mich auch keine Frage. Als Inhaber muss ich schwächere Phasen auch aus der eigenen Tasche abfangen können“, sagt Thomas Leiberich, „nur auf Dauer ist das ja keine Perspektive.“ Unter dem Strich stand im operativen Geschäft bereits einigen Jahren ein Minus. Veränderte Ladenschlusszeiten, die einen größeren Aufwand bedeuteten, ein verändertes Einkaufsverhalten der Kunden, vor allem aber die Digitalisierung  des Handels macht der 45-Jährige letztlich als Ursache für den schleichenden Niedergang aus.

„Aus heutiger Sicht“, so Thomas Leiberich, „war es sicherlich ein Fehler vor allem auf das stationäre Angebot zu setzen. Aber gemeinsam mit den Partner von Sport 2000 haben wir gedacht, so eine Alternative sein zu können.“ Ob  Basketball oder Leichtathletik, Wandern oder Fußball:  ganze Generationen und deren Vereine rüsteten sich „beim Leiberich“ aus. Am Ende musste er sich eines Besseren belehren lassen. Die schiere Vielfalt und Variationen des Angebots im Internet, die generelle Vergleichbarkeit des Sortiments der Anbieter ließen sich auch durch kompetenten Service nicht ausgleichen. Daran änderte auch der eigene Onlineshop nichts. Der Service, wie etwa die Pflege von Ski, das Bespannen von Tennisschlägern, die Organisation von Sportausfahrten waren ohnehin stets nur ein Zusatzgeschäft. Thomas Leiberich: „Davon kann ein Handelsbetrieb aber nicht  überleben.“

Schleichender Niedergang

Die größten Sorgen machte sich der Stadtrat und Mitvorstand der Crailsheimer Werbegemeinschaft zunächst um seine sechs Mitarbeiter. Doch so wie es jetzt aussieht, kommen alle unter und der Gang in die Arbeitslosigkeit bleibt ihnen erspart.

Nun also ist Schluss. Ab Donnerstag beginnt offiziell der Abverkauf. Noch einmal ist Hochsaison – wohl aber nur für Schnäppchenjäger. Am 31. Januar schließt das Geschäft dann endgültig seine Türen. „Wir wollen uns anständig und ehrbar von unser Kunden verabschieden“, formuliert Thomas Leiberich den Anspruch an sich selbst.

Was aus den Geschäftsräumen wird? Es gibt erste Anfragen, erläutert der scheidende Unternehmer: „Wir werden versuchen, die Räume als Ganzes zu vermarkten und sind bereit auch dafür zu investieren. Genaueres kann ich wohl erst in einem halben Jahr sagen.“  Dabei nimmt sich Thomas Leiberich selbst in die Pflicht: „Ich fühle mich meiner Heimatstadt verpflichtet und werde alles tun, um eine gute Lösung für die Innenstadt hinzubekommen.“

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