Die Waffe mit der Goldkette

Seit der Präsentation am Freitag ist es amtlich. In Metzingen gibt es einen Mountainbike-Rennstall. Deren Chef ist ein waschechter Ermstäler. Jochen Coconcelli weiß, wie die Uhr in diesem schönen Sport tickt.

So kann es gehen. "Wir wollten nie ein Rennteam", gibt Uwe Haid unumwunden zu. Da muss es irgendwann einen kapitalen Sinneswandel gegeben haben. Schließlich kann es nicht von ungefähr zu einem Radwerk Racing-Team gekommen sein. Viel hat das wohl mit Jochen Coconcelli zu tun. Wer diesen dynamischen jungen Mann kennt, kann sich gut vorstellen, wie der Radwerk-Boss von dessen Begeisterung für den Mountainbikesport mitgerissen wurde. "Die Jungs verkörpern eine gewisse Philosophie, damit können wir uns identifizieren und deshalb machen wir es auch", sagt Haid.

Es soll der etwas andere Rennstall werden, wie bei der Präsentation durchklang. Diverse Stationen hat Coconcelli schon hinter sich, ist ein alter Hase, was für einen 26-Jährigen aber eigentlich eine Beleidigung ist. "Es gab viele Situationen in Teams, die nicht okay waren. Das sollen meine Jungs nicht erfahren. Ein schönes Leben im Radsport will ich ihnen bieten", verspricht der Chef.

Radsport auf hohen Niveau, ohne das Wesentliche im Leben zu vernachlässigen: Schule, Studium oder Beruf und Privatleben. Das ist die Philosophie des Teams und dafür steht schon allein Jochen Coconcelli, der sein Maschinenbau-Studium vor kurzem beendet hat und nun als freiberuflicher Ingenieur arbeitet. Klar, dass er sich Fahrer an die Seite geholt hat, die ähnlich gestrickt sind. Wie zum Beispiel Steffen Greger, seit 16 Jahren erfolgreich im Geschäft, sowohl auf der Straße, als auch Offroad. Ganz bescheiden formuliert der 28-jährige Diplom-Ingenieur, wie er sich das ganze vorstellt: "Wir wollen Vorbild sein für andere Teams." Zusammen mit Coconcelli will Greger, der vor kurzem nach Metzingen gezogen ist, den Jüngeren im Team den Weg weisen.

Wobei man Matthias Veit nun ganz bestimmt nicht sagen muss, worauf es ankommt. Der 23-jährige Sondelfinger stieg vom Motocross auf jene Bikes um, die nur mittels Muskelkraft bewegt werden. Ganz interessant: Bei seinem Heimatverein RMC Reutlingen ist Veit auch als Radballer im Einsatz. Timo Häfner aus Reutlingen ist mit 20 Jahren das Nesthäkchen. "Ich will Erfahrung mitnehmen, richtig viel lernen", sagt er. Auch etwas anderes ist dem U23-Fahrer wichtig. Das Team weiterentwickeln will er, wichtige Aufgaben übernehmen. Ein richtiger Teamplayer eben. Nur solche sind in diesem Rennstall gefragt.

Timo Link-Fritsche, Jahrgang 1981, ist der Senior und "nur" ein 70-Prozent-Mitglied. Vielleicht muss deshalb der Mann aus Kreuzlingen für die großen Sachen herhalten. Der Langdistanz-Spezialist war lange auf der Straße unterwegs, will jetzt neue Reize setzen. "Es macht Spaß, und solange es Spaß macht, mache ich es auch." Überhaupt soll der Spaß im Vordergrund stehen. "Nicht nur der Erfolg", wie Teamchef Coconcelli betont. Verboten ist er aber auch nicht.

Präsentieren wird sich das sympathische Team in der MTB-Bundesliga, den nationalen Meisterschaften, der Trans Germany, der Trans Schwarzwald und weiteren größeren Events. Dass es quasi vor der Haustür losgeht, passt eigentlich ganz gut. Am 17./18. April zeigt man sich beim Bundesliga-Auftakt in Münsingen mit nagelneuen Trikots und Bikes, die zum Fahren eigentlich zu schade sind. Klaus Coconcelli, Vater von Jochen, der die Präsentation gekonnt moderierte, sprach von "Waffen". Bei den wunderschönen Centurion-Bikes sticht vor allem die goldene Kette ins Auge. Das Beste war gerade gut genug für die Maschinen, der Wahlspruch "Karbon statt Kondition", ist aber mit Vorsicht zu genießen. Nach wie vor muss für den Erfolg im MTB-Sport gestrampelt werden.


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Autor: WOLFGANG SEITZ | 31.03.2010

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