Die Kunst-Tipps der Kuratoren für 2018

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    Rubens’ „Ecce homo“ kann man ab Februar in Frankfurt bewundern. Stuttgart präsentiert Lehmbruck als Wegbereiter der modernen Skulptur. Foto: 
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    Die Staatsgalerie Stuttgart präsentiert Lehmbruck als Wegbereiter der modernen Skulptur. Foto: 
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    Reinhold Nägele, bald im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen. Foto: 
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Es gibt soviel zu sehen, Kunstfreunde können auch 2018 noch soviel umherfahren, alles werden sie nicht schaffen. Um ein wenig Orientierung zu bieten, haben wir dieses Jahr die Museumsleute selbst um ihre Empfehlungen gebeten – beginnend bei dem Kurator Alexander Eiling, der es eilig hat, ist er doch schon auf dem Sprung: Von der Kunsthalle Karls­ruhe, wo er gerade die aktuelle Cézanne-Ausstellung kuratiert hat, geht er ans Frankfurter Städel.

Doch 2018, verrät er, werde er den Weg nach Baden-Württemberg auf jeden Fall zurückfinden, wenn von 29. Juni an „Die unbekannte Sammlung“ von Ernst Ludwig Kirchner in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen ist. „Der ist seit Jahren mein Steckenpferd“, sagt Eiling, und die Staatsgalerie habe einiges an Druckgrafik aufzubieten, das bisher nicht bekannt sei.

Einmal in Stuttgart angekommen, wäre man quasi fast schon in Paris, wo von 12. Juni an die „Polychrome Bildhauerei in Frankreich“ zwischen 1850 und 1910 auf dem Programm steht. „Das ist absolut ausstellungswürdig, weil es Künstler in den Fokus rückt, die einmal erfolgreich waren, aber über die die Kunstgeschichte hinweggegangen ist“, sagt Kurator Eiling. Ähnliches gilt für Anita Rée (1885-1933), der die Hamburger Kunsthalle Jahrzehnte nach ihrem Tod die erste umfassende Ausstellung widmet. Man muss sich allerdings beeilen: Die Schau endet bereits am 4. Februar.

Von Lehmbruck zu Duchamp

Schwer beschäftigt war bis Jahresende auch Christiane Lange, die als Direktorin der Staatsgalerie Stuttgart im Dezember die Ausstellung zum Meister von Meßkirch eröffnete. „Natürlich sind unsere eigenen Ausstellungen die tollsten und wichtigsten“, meint sie scherzhaft. Und so bleibt sie erst einmal im Haus, wo sie die Ausstellung zu Wilhelm Lehmbruck kuratiert, die am 28. September beginnt. Anlass sei der Ankauf eines großen Konvoluts, das bisher als Dauerleihgabe in der Staatsgalerie gewesen sei.

In „Variation und Vollendung“ wolle sie Lehmbrucks Art zu arbeiten zeigen, sagt Lange – habe er doch einst als Wegbereiter der modernen Skulptur gegolten. Einen weiteren Wegbereiter präsentiert die Staatsgalerie von 23. November an: mit „100 Fragen. 100 Antworten“ zu Marcel Duchamp. Erstmals zeigt das Museum seinen Bestand zum Erfinder des Ready Mades mit dem Archiv Serge Stauffer.

Nun aber zu Langes zweitem Ausstellungstipp: Das Frankfurter Städel präsentiert  von 19. September an Lotte Laserstein – „eine spät entdeckte Künstlerin, die zwar nicht in allem die Speerspitze ist, aber eine wichtige Künstlerin der Neuen Sachlichkeit auf jeden Fall“, sagt Christiane Lange. Über zwei Generationen hinweg vergessen, sei es nun „sehr sehr spannend, sie komplett kennenzulernen“.

Erst einmal aber fahre sie im Frühjahr ins Kunsthaus Bregenz, „das ist immer eine Reise wert!“ Vor allem von 21. April an, wenn Mika Rottenberg dort ausstellt. Eine Videokünstlerin, die skurrile Versuchsanordnungen inszeniere, erklärt die Staatsgalerie-Chefin: „Ich verfolge sie schon lange und freue mich, sie monografisch kennenzulernen.“

Von Hannover nach Ravensburg

Während Alexander Eiling wegzieht, bereitet sich Ute Stuffer auf den anstehenden Einzug ins Kunstmuseum Ravensburg vor. Bis dato Kuratorin des Kunstvereins Hannover, freut sie sich hörbar auf die neue Aufgabe. Trotzdem empfiehlt sie zunächst die große Blockbuster-Schau, die im Frankfurter Städel am 8. Februar beginnt: Dort ist Rubens neu zu entdecken, „und es wird deutlich, wie er sich mit seinen Vorläufern auseinandergesetzt hat“, sagt Stuffer. Eine Ausstellung, die den differenzierten Blick herausfordere, in der man erfahren könne, was ein Barockmeister wie Rubens aus Vorgängern wie Tintoretto oder Tizian machte.

Außerdem schickt auch Ute Stuffer Kunstfans über die deutsche Grenze: Das Züricher Migros Museum für Gegenwartskunst widmet sich von 17. Februar an dem US-Amerikaner Charles Atlas, „einer wichtigen Referenz für die junge Generation von Filmemachern“, erklärt die Kuratorin. Atlas habe dokumentarische Filme im Bereich der Performance-Kunst gedreht, mit bedeutenden Choreografen gearbeitet und tolle Porträts der New Yorker Underground-Szene gemacht.

Auf in die Schweiz

Gleich zwei Ausstellungen bespielt Theaster Gates, den Ute Stuffer dringend sehen möchte, denn das sei Kunst „voller gesellschaftlicher Intentionen“. Zu sehen ist sie im Kunstmuseum Basel von 9. Juni und im Sprengel-Museum Hannover von 23. Juni an. „Das Interessante ist, dass er sich in beiden Ausstellungen mit dem Kult der schwarzen Madonna beschäftigt“, erklärt Kunsthistorikerin Stuffer. Um die religionsgeschichtliche und metaphorische Bedeutung zu klären, arbeite er mit den jeweiligen Sammlungen der Häuser.

Und einen vierten Tipp hat Ute Stuffer noch auf Lager: Raphaela Vogel sei als ganz junge Künstlerin aus Berlin in der Kunsthalle Basel zu Gast. Von 18. Mai präsentiere sie dort ihre raumgreifenden Installationen, die den Körper in Beziehung zur Technologie setzten: „Das Tolle ist, dass es ein Zusammenschluss von High Tech und Objekten mit archaischem Charakter ist“, sagt Stuffer, „das könnte ein sehr interessanter Abstecher werden.“

In Stuttgart präsentiert das Kunstmuseum von 27. Januar an den Künstler Reinhold Nägele als Chronisten der Moderne in Stuttgart, um von 5. Mai an „Mixed Realities. Virtuelle und reale Welten in der Kunst“ zu erforschen und von 29. September an die „Ekstase in Kunst, Musik und Tanz“ zu beleuchten.

In Karlsruhe beginnt die Kunsthalle am 24. März mit Sean Scully und verführt von 29. September an zum „Sehen Denken Träumen“ mit französischer Zeichnung. Im ZKM bereitet man sich auf „Writing the History of the Future“ von 29. September an vor, in der die eigene Sammlung aufgearbeitet wird.

In Schwäbisch Hall verweist die Kunsthalle Würth auf „Wohin das Auge reicht . . .“, wo ab 23. April neue Einblicke in die Sammlung und Neuerwerbungen präsentiert werden.

In Tübingen zeigt sich die Kunsthalle von 24. März an „Sexy & Cool“ mit postminimalistischer Kunst und geht am 21. Juli „Almost Alive“ zur hyperrealistischen Skulptur über. Eine Retrospektive von Birgit Jürgenssen führt am 10. November in das Jahr 2019.

In München gibt es von 1. März an eine große Sonderausstellung zu Paul Klee in der Pinakothek der Moderne. Sie findet in Kooperation mit dem Franz Marc Museum in Kochel statt, wo von 25. Februar auch „Paul Klee. Landschaften“ zu sehen sind.

In Frankfurt organisiert die Schirn dem US-Künstler Jean-Michel Basquiat von 16. Februar an eine große Übersichtsausstellung.

In Hamburg gibt es von 2. März an erstmals in Deutschland eine große Ausstellung zu dem englischen Maler Thomas Gainsborough in der Hamburger Kunsthalle.

In Basel hat Georg Baselitz von 21. Januar an seinen Auftritt: Im Kunstmuseum mit Zeichnungen, in der Fondation Beyeler mit Skulpturen und Gemälden.

Und in Berlin darf man sich auf Kulinarik, auf „Fleisch“ freuen. Das Alte Museum versammelt von 1. Juni an Exponate aus zwölf Sammlungen der Staatlichen Museen.

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