Trecker und Schalmeienklänge

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Die klangliche Wucht von mehr als einem Dutzend Schalmeien brachte den Boden vor dem Farrenstall zum Zittern. Doch der Kolbenschlag des historischen Lanz Bulldogs, einem klassischen Langhuber, Baujahr 52 mit antikem Glühkopf, sorgte für ein kleines Beben. Die große Schau für Technikverliebte mit Hang zu Oldtimern, die fetzige Musik und kulinarische Genüsse bestimmten  am Samstagabend und am  Sonntag die Szenerie an der Friedrichstraße.

Eingeladen zum Fest hatten der Brauchtumsverein und der Pfullinger Spielmanns- und Schalmeienzug. Nach den Jubiläumsfeierlichkeiten mit Musik, Tanz  und einer historischen Straßenbahn, dem „Beiwagen 40“, vor dem Gasthaus Rössle auf dem Pfullinger Marktplatz im vergangenen Jahr,  sollte wieder ein sommerliches Fest her.

„100 Jahre Reutlinger Tram nach Pfullingen“ hieß es 2016. Heuer wollten die beiden Vereine, die unter dem Dach des ehemaligen Farrenstalls ihre Vereinsheime haben, einfach einmal wieder auf ihre Sammlungen und auf ihre Musik aufmerksam machen. Wobei das beim Spielmanns- und Schalmeienzug, dem mehrfachen Deutschen Meister, eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre. Doch man hat sie in der Stadt in letzter Zeit vergleichsweise wenig live erlebt.

Und die Werkstatt des Brauchtumsvereins öffnet sich dem Publikum auch nicht alle Tage. Dort stehen Schmuckstücke wie der „Triebwagen Nummer 29“. „An dem arbeiten wir seit 28 Jahren“, weiß Vereinsvorsitzender Dieter Metzger zu berichten.

Der Brauchtumsverein hat Bedeutendes vor: In wenigen Jahren soll der 29er „fit für die Rampe“, also ein edles Schauobjekt für die Öffentlichkeit sein. Die  Straßenbahn soll in einer neuen Halle, einer noch zu schaffenden „Eventhalle“,  präsentiert werden, mit Gleisanschluss nahe des ehemaligen Pfullinger Bahnhofs. Nicht zu vergessen, dass dem ja irgendwann auch die Regionalstadtbahn als fortschrittliches Verkehrsmittel des zweiten oder dritten Jahrzehnts folgen soll.

Am Samstagabend jedenfalls wurde schon einmal bis in die Puppen musiziert, lecker gegessen und getrunken, denn an der Power-Bar, quasi einem „Extra-Billetschalter  vor dem Farrenstall, konnten mit harten Euros „Tickets“ wie Cuba Libre oder Wodka-Lemon gelöst werden.

Am Sonntag erfreute sich das Herz eines jeden Oldtimer- und Musik-Liebhabers: Den Auftakt machte der Musikverein Stadtkapelle Pfullingen mit ihrem Auftritt, es folgte nachmittags der Spielmanns- und Schalmeienzug. Neben den historischen Traktoren des Vereins stellten die Mitglieder zudem auch ihre privaten Trecker zur Schau.

So war der alte Hanomag Baujahr 1952 zu sehen, ein robuster Allrounder, der sich gerade in der aufkommenden Wirtschaftswunderzeit für keinen Einsatz zu schade war und im Wald ebenso wenig wie auf den Baustellen klaglos seinen Dienst versah. Da durfte noch Altehrwürdiges natürlich nicht fehlen. So wurde auch die voll funktionsfähige und mobile Holzsäge aus dem Jahre 1912 angeworfen.

Mitten in der Stadt konnten so beide Vereine im Laufe von zwei Tagen hunderte Besucher ins und vor das Festzelt locken. Und fast alle von ihnen dürften sich mit Blick auf die Pfullinger Wagen „40“ und „29“ des Brauchtumsvereins sicherlich auch ein Revival der Bahn wünschen. Die Weichen jedenfalls sind gestellt, mit Blick auf das Hallenprojekt hat die Stadt jedenfalls, wie zu hören war, ein offenes Ohr.

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