Gemeine Gemeinschaften: Wo Worte fehlen

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Tanzbares aus Bremen: Zickenkrieg und Grimassen:  Foto: 

Neben Workshops, Straßentheater, Film, Kunst, HipHop und anderen Tagsüber-Projekten präsentiert das inklusive Festival im franz.K jeweils abendfüllende Stücke von Theater-Gruppen aus Italien, Deutschland und Frankreich.

Die „Tanzbar“ aus Bremen lieferte mit ihrem „Trialog“ „Gemein-Schaft“ getanzte Ein-, Zwei-, Drei- und Viersamkeit in allen Variationen. Moderiert wird das Ganze ebenfalls pantomimisch, und zwar von dem gelenkigen, clownesken „Vortänzer“ Tim Gerhards: fürs erste Kapitel trägt er Emojis in Sprechblasen auf die Bühne: ein böser Totenkopf, eine rausgestreckte Zunge oder hängende Mundwinkel. Er äfft diese Gefühlsausdrucke ganzköperlich und mit lustigen Grimassen nach: ein pantomimischer Comic.

So auch, wenn Kaugummi kauende, schrille, lebens- und streitlustige Girls auf die Bühne kommen, und Variationen eines klassischen Schulhof-Zickenkriegs körpersprachlich durchexerzieren. Dabei zwar vielleicht nichts Neues erzählen, das aber ausdrucksvoll. Und leicht übertrieben, versteht sich, wenn sie sich in immer wieder neuen Koalitionen zusammentun, sich in hemmungslos pubertärer Weise bemustern und ausmustern, zerfen, treten, die Zunge rausstrecken, nachäffen, hauen, kratzen, an den blonden bis violetten Haaren ziehen und Waterboarding betreiben: Die Köpfe der jeweils anderen in einen Wassereimer stecken – damit geht’s dann schon in den Bereich Gewaltphantasie, wenn die andern mal wieder nicht so tun, wie man selbst vielleicht möchte. Und ohne zwischenzeitliche Versöhnungen keine Dynamik im Dreierpack, der sich mit Huckepack und anderen Stellungsbildern in immer neuen Machtkonstellationen zeigt: Das Leben als kompliziertes Menschengeflecht.

Dass es auch zu zweit kompliziert zugehen kann, zeigen Günther Grollitsch und Oskar Spatz mit ihrer „ge(h)mein“- Performance, die von Samuel Becketts „Warten auf Godot“ inspiriert ist, und in der es darum geht, wie man sich in neuen, vielleicht sogar absurden Situationen mit unbekannten Menschen zurechtfinden kann.

Grollitsch stellt einen vertrockneten Benjamini auf die Bühne, der von Oskar Spatz lieblos von seinem Jackett beworfen wird: auch hier wird provoziert und gemustert, aufeinander zu und voneinander weg bewegt, in beeindruckenden Bildern und allerlei Bewegungsvariationen. Wie man sich halt so die Zeit vertreibt beim Warten auf Nichts. Jedenfalls schließen die beiden am Ende Freundschaft.

Tim Gerhards wiederum als Pausenclown wird daraufhin mit viel Slapstick von einem Mikroständer übermannt.

Der richtig lebendig zu sein scheint. Die feinen Unterschiede zwischen Mensch, Maschine, Farbe und Objekt lotet die Performance „GeNull“ für vier TänzerInnen aus (Choreographie: Günther Grollitsch), mit immer neuen Stellungsbildern, Skulpturen und Bewegungsmustern zu groovy elektronischer Musik. Die Menschen interagieren mit bunten Rohren und erzeugen architektonische Gebilde, die aber genauso schnell verschwinden, wie sie aufgebaut wurden: Hier ist alles im Wandel.

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