Die Krux mit den Grenzwerten

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Der von Pfullingen beauftragte Wolfgang Schröder erläuterte, wo in der Stadt auf Grund hohen und lauten Verkehrsaufkommens Tempo-30-Bereiche in Frage kommen.  Foto: 

Das wollte der in Sachen Lärmaktionsplan von der Stadt beauftragte Experte Wolfgang Schröder  loswerden: „Es ist schon sehr ungewöhnlich, dass es in Pfullingen in Wohngebieten immer noch keine zusammenhängenden 30er-Zonen gibt.“ Da herrsche ja möglicherweise ein „gewisser Nachholbedarf“, sagte Schröder. Das wurde an dem Abend bestätigt durch großen Applaus, als ein Bürger im Publikum forderte, doch wenigstens die Griesstraße mit Tempo 30 auszuflaggen.

Auch wenn es bei dem Informationsabend  in den Pfullinger Hallen vor allem um stark frequentierte Verkehrswege ging, die durch ihren Lärm laut einer EU-Regelung Teil eines Lärmaktionsplans werden sollen, gab es aus dem Publikum jede Menge grundsätzlicher Fragen zum Thema Lärm durch den Verkehr –  und den nur sehr wenigen 30er-Tempolimits. So ärgert es einen Fragesteller, dass nächtliche Wettfahrten junger Leute durch die nördliche Marktstraße  nicht geahndet würden.

Vor allem wurde moniert, dass manche Bereiche im Rahmen des Lärmaktionsplans überhaupt nicht erfasst worden seien. Da wurde der Ahlsberg ebenso angesprochen, wie der Süden, wo sich derzeit ein schwerer Lastwagen an den anderen reiht. Grund ist übrigens eine Großbaustelle in Vaihingen/Enz, von wo aus riesige Massen an Aushub-Material in den Sonnenbühler Steinbruch gefahren werden.

Weshalb denn, so eine andere Frage, könne das Ortseingangsschild in der Gönninger Straße nicht weiter hinaus in Richtung Eierbach verlegt werden? So wie in Lichtenstein, wo das Schild seit geraumer Zeit schon in Höhe der Abzweigung Honauer Bahnhof steht. In Pfullingen sei das nur dort möglich, wo die gleichmäßige Bebauung rechts und links der Straße ende, so Bürgermeister Michael Schrenk.

Ebenfalls ein strittiges Thema war, weshalb es in Pfullingen bis heute noch keine einzige stationäre Tempokontrolle (Starenkasten) gebe. Ordnungsamtsleiter Manfred Wolf beschied den Kritikern, dass es sehr viel effektiver sei, mobile Kontrollstellen einzurichten, auch nachts.

Tempolimits, Flüsterasphalt, sorgsam eingepasste Kanaldeckel: Das sind die Maßnahmen, die, wie in Lichtenstein vor zwei Jahren, im Rahmen eines Lärmaktionsplans zumeist recht zügig realisiert werden können. Wie berichtet, wurde die Stadtverwaltung vom Gemeinderat beauftragt, zusammen mit dem Ludwigsburger Büro BS Ingenieure, also mit Wolfgang Schröder, „die notwendige Fortschreibung der Lärmaktionsplanung durchzuführen und mögliche Maßnahmen mit dem Träger der Straßenbaulast auszuloten“, heißt es ganz offiziell.

Nachts auf der Friedrich-/Seitenstraße und der Gönninger Straße bis zur Einmündung Rebenweg, der Sandstraße sowie auf der Kloster-, Große Heer-, Marktstraße bei der Einmündung Sandstraße müsse aufgrund eines ermittelten durchschnittlichen Lärmpegels gehandelt  werden. Denn Lärm macht vor allem auch krank, was einer der Gründe der EU war, die Lärmaktionspläne zum Gesetz zu machen.

Wenn das Paket geschnürt ist, soll etwa im Spätherbst das Regierungspräsidium „dann entscheiden, wie gut die Abhilfe-Vorschläge der Stadt sind“, so Schröder. Zuvor wird die Lärmaktionsplanung öffentlich ausgelegt. Träger öffentlicher Belange sind zu beteiligen.

Leider, so Wolfgang Schröder, kranke die Regelung aber daran, dass es keine klassischen „Grenz­werte“, sondern nur „Auslösewerte“ gebe. Zum Beispiel bestehe nur in Straßen, die täglich von mehr als 8200 Kraftfahrzeugen befahren werden – und erst ab einem Lärmpegel von über 70 Dezibel ­– Handlungsbedarf. Doch es könne natürlich so sein, dass es auch in Straßen mit nur 6000 Autos täglich viel lauter und unangenehmer für die Bevölkerung zugeht, gab Schröder zu bedenken.

soll das Tempolimit in zahlreichen Straßen in Pfullingen sein, wünschen sich viele Bürger, zumindest diejenigen, die am Mittwochabend in die Pfullinger Hallen gekommen waren.

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