Zurück zu den Wurzeln des Glaubens

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Dekan Hermann Friedl (links) und Walter Jedek begutachten die gerade erst aufgestellte Krippe.  Foto: 

Wenn wir Christen nicht zusammen für unsere Werte einstehen,  sind wir ein lascher Haufen“: Dass der katholische Dekan Hermann Friedl seine innerste Überzeugung etwas flapsig dahin formuliert, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, wie wichtig es ihm ist, „dass wir Zeugnis geben“. Und das gerade in der Weihnachtszeit. Deshalb auch ist der Katholik so begeistert von der Krippe, die Walter Jedek für die Pfullinger St. Wolfgangskirche gestaltet hat.

Nicht zu übersehen ist dabei der Baum, den der Pfullinger in seinem eigenen Garten ausgegraben und ins Gotteshaus gebracht  hat. Aufgebaut hat er ihn allerdings etwas unkonventionell: Die Wurzel des gut drei Meter hohen Stammes ist oben, die Verästelung unten. Es ist sozusagen das Umkehr-Kunstwerk zu einer Krippe, die Jedek vor zwei Jahrzehnten gestaltet hat.

„Damals wollte ich zeigen, wie viel sich von der Wurzel abgespalten hat“, sagt er. Heute ist sein Gedanke ein anderer: Es geht darum, zu zeigen, wo alles zusammenwächst. Oben nämlich. „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“, ist da zu lesen.  Dazwischen hat Jedek an dem Stamm gut 20 Kärtchen angebracht, auf denen nur einige von vielen, vielen Glaubensrichtungen genannt werden, die nach den beiden großen Kirchenspaltungen entstanden sind. Die Griechisch-Orthodoxen werden da genauso genannt wie die Adventisten, die koptische Kirche und die Pfingstbewegung. „Alle sollen eins sein“, formuliert Jedek sein Ansinnen auf bunten Tafeln, die er an die Verästelungen des Stamms geheftet hat.

Die Krippe,  findet der Dekan, steht für die Wurzeln der Ökumene. „Back to the roots“, ruft Friedl die Gläubigen im Christusjahr 2017 auf. „Als Christen sollten wir wieder zusammenfinden und die Einheit in der Vielfalt leben“, sagt der Katholik, der froh ist, dass Jedek, der mittlerweile seit 35 Jahren für die Krippen in der St.Wolfgangskirche verantwortlich zeichnet, so ein aktuelles Werk gelungen ist. „Jeder soll seine Religion  ausüben, aber in gegenseitigem Respekt voreinander“, findet der Dekan und macht gleichzeitig seinem Unmut darüber Luft, dass sowohl der evangelische Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm als auch Kardinal Marx von katholischer Seite im Herbst bei ihren Besuchen auf dem Tempelberg in Jerusalem ihr Kreuz „versteckt haben“.

Was den eigenen Wirkungskreis angeht, ist Friedl indes bester Dinge. „Wir in Pfullingen und Lichtenstein leben zum Glück eine tolle Ökumene“, lobt er das Miteinander der Kirchen im Echaztal, wo im Juli der zweite gemeinsame Stadtkirchentag sein wird und wo im Jahr 2017 erstmals ökumenische Kirchengemeinderatssitzungen sein werden. An einer von ihnen, so der Dekan, werden auch die Orthodoxen teilnehmen.

Mitte September planen die Kirchen dann eine weitere Premiere: Alle Hauptamtlichen, die in der Seelsorge tätig sind, werden eine gemeinsame halbtägige Arbeitssitzung abhalten, zu der ein hochkarätiger Bibelexperte eingeladen ist.

Ins Zentrum seiner Krippe hat übrigens auch Walter Jedek die Bibel gesetzt, weil sie auch das „Zentrum der Glaubensgemeinschaften“ ist.  Der Teil der Krippe, in dem der Baum mit all seinen Schildern steht, wird derweil nicht nur in der Weihnachtszeit in der St. Wolfgangskirche sein. Er soll die Christen im Echaztal das gesamte Reformationsgedenken und Christusjahr 2017 über begleiten.

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