Zum Finale ein Oratorium

Zum 70. Todestag des von den Nazis ermordeten evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer gibt es eine Reutlinger Reihe mit zahlreichen Veranstaltungen, die allesamt in der Christuskirche stattfinden.

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Von vielen Christen wird er als „evangelischer Heiliger“ angesehen, weiß Diakon Frieder Leube, einer der Organisatoren der Reutlinger Reihe über Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April 1945 von den Nationalsozialisten umgebracht wurde. Der „beeindruckende Ethiker“ habe in der Zeit der NS-Gewaltherrschaft die Losung ausgegeben, Christen dürften sich nicht in die Privatheit zurückziehen, sie müssten Position beziehen.

Christuskirchenpfarrer Martin Burgenmeister bezeichnete Bonhoeffer als „ganz besonderes Vorbild, als leuchtendes Beispiel“, der als Christ sein Leben geopfert, der Haltung zur Judenverfolgung bewiesen und sich gegen das totalitäre Regime gestellt habe. Bonhoeffer, der oftmals quer zur offiziellen Kirchenlinie lag, sei einer der wirksamsten deutschen Theologen gewesen, dessen Hochschulkarriere die Nazis verhindert hätten.

Zu Bonhoeffers 70. Todestag wurde laut Leube gleich eine ganze „Perlenkette“ von verschiedenen Veranstaltungen aufgereiht, die starten mit einer Wanderausstellung des Stuttgarter Dietrich-Bonhoeffer-Vereins in der Christuskirche, die das Leben des Theologen anhand von Plakaten beschreibt (Montag, 23. Februar, bis Freitag 27. März; Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 17 bis 18 Uhr, sonntags 11 bis 12 Uhr). Bei der Vernissage am 23. Februar, 19 Uhr, spricht Pfarrer i. R. Gottfried Duft, untermalt durch das Vokalensemble Cantemus der Christuskirche. Am Freitag, 27. Februar, 19.30 Uhr, ist der Bonhoeffer-Film „Letzte Stufe“ zu sehen. Zuvor ist um 18 Uhr Männervesper.

Eine Predigtreihe, jeweils an vier März-Sonntagen um 10 Uhr, nimmt Texte von Bonhoeffer in den Blick. Am 1. März ist Pfarrer Martin Burgenmeister dran, am 8. März Prälat i. R. Claus Maier, am 22. März Pfarrerin Christina Hörnig und am 29. März Dekan i. R. Richard Haug.

Darüber hinaus gibt es Vorträge – am Mittwoch, 4. März, 19 Uhr, mit dem Bad Boller Theologen Dr. Michael Volkmann, der über „Bonhoeffer und die Juden“ spricht. Am Dienstag, 10. März, 19 Uhr, referiert der Böblinger Dekan Bernd Liebendörfer darüber, was die Botschaft Bonhoeffers für die Kirche heute ist.

Zu einer Lesung aus Briefen von Dietrich Bonhoeffer und seiner jungen Verlobten Maria von Wedemayer am 9. April, 19 Uhr (Bonhoeffers Todestag), haben die Organisatoren zwei Hochkaräter gewinnen können, nämlich Tonne-Intendant Enrico Urbanek und die Tonne-Schauspielerin Chrysi Taoussanis. Dabei werde deutlich, so Brigitte Zirngibl vom Bezirksarbeitskreis Frauen, dass der ansonsten sehr distanzierte Bonhoeffer auch Gefühle zeigen konnte.

Überdies wird an vier Donnerstagnachmittagen, jeweils 16 bis 18 Uhr, ein Seminar zu theologischen Texten von Dietrich Bonhoeffer mit Pfarrer Martin Burgenmeister und Hohbuch-Pfarrer Michael Dullstein angeboten – nichts „Akademisches“, sonder eher ein Part aus der Erwachsenenbildung. Zu den Terminen 16. April, 7. Mai, 11. Juni und 2. Juli sollte man sich bei der Evangelischen Bildung unter (07121) 92 96 11 anmelden.

Den „Höhepunkt“, so Leube, dürfte das Finale mit einem Bonhoeffer-Oratorium „Ende und Anfang“ des Tübinger Komponisten, Kirchenmusikdirektor und früheren Bezirkskantor Gerhard Kaufmann sein, das, wie Kantorin Michaela Frind sagte, 2006 uraufgeführt wurde. Es handelt sich dabei um eine Zusammenstellung von biblischen und anderen Texten, es werden insgesamt 26 unterschiedliche Stücke bis hin zur Solovioline zu hören sein. Mit dabei sind die Leonhards- und Mauritiuskantorei, Projektchor und Orchester. Die Leitung hat Michaela Frind. Das Oratorium wird anlässlich des 70. Jahrestages des Kriegsendes am Freitag, 8. Mai, 19 Uhr, in der Christuskirche aufgeführt. Vorab gibt es am Dienstag, 5. Mai, 19 Uhr, eine Werkeinführung mit Gerhard Kaufmann.

Info Veranstalter der Reihe ist die Evangelische Bildung Reutlingen und die Evangelische Kirchengemeinde Reutlingen West-Betzingen in Kooperation mit den Evangelischen Frauen Reutlingen und der Männerarbeit Evangelischer Kirchenbezirk Reutlingen. Im Internet gibt es weitere Informationen unter www.evang-bildung-reutlingen.de.

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