Zufahrt ohne Zukunft?

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    Die Hang-Rutschungen bergen jede Menge Gefahrenpotenzial. Foto: 
  • Seit September gesperrt: Die  Zufahrt zum Übersberg ist sanierungsbedürftig und wohl „ein Fass ohne Boden“.  2/2
    Seit September gesperrt: Die  Zufahrt zum Übersberg ist sanierungsbedürftig und wohl „ein Fass ohne Boden“. Foto: 
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Wird sie nun saniert oder nicht? Die Zukunft der gut acht Kilometer langen Zufahrt zum Übersberg treibt die Pfullinger derzeit mächtig um. Die Frage, wann und ob die Steige wieder auf Vordermann gebracht wird, schlug am Dienstag  auch im Gemeinderat auf. Da sollte eigentlich das Handlungsprogramm Wohnen auf der Tagesordnung stehen. Das „Pfullinger Modell der kommunalen Baulandentwicklung und sozial gerechten Bodennutzung“ musste allerdings vertagt werden, weil Bürgermeister Michael Schrenk erkrankt war. Statt dessen brachte Thomas Mürdter (SPD) eine Bodennutzung der ganz anderen Art zur Sprache. Denn ob die Steige zum Übersberg je wieder als Auffahrt zum Hofgut und zum Segelfluggelände taugen wird – das steht offenbar in den Sternen.

Bereits Anfang September hat die Stadt die Straße zwischen dem Spielplatz Ursulaberg und dem Hofgut dicht gemacht. Eine Sperrung, die laut Verwaltung nötig geworden ist, weil die teils heftigen Regenfälle der vorangegangenen Wochen der eh schon lädierten Straße noch mehr zugesetzt hatten. Selbst das Befahren und Betreten der Waldabteilungen Wolfgrube und Saulache wurden verboten und Kontrollen angekündigt. Damit das Segelfluggelände, aber auch die Gaststätte weiter erreichbar bleiben, hat die Stadt Pfullingen die Gemeinde Lichtenstein um Nachbarschaftshilfe gebeten. Seitdem ist als offizielle Anfahrtsroute der Göllesberg angegeben. Was nur als vorübergehende Lösung gedacht war, dauert mittlerweile bereits zwei Monate und könnte auch noch deutlich länger von Nöten sein.

Stadtbaumeister Karl-Jürgen Oehrle berichtete am Dienstag auf Nachfrage von Thomas Mürdter über Gespräche mit den Beteiligten, die am vorletzten Freitag geführt worden seien. „Es wurden Themen wie Kosten, Flugsicherheit, Verkehr und Forst abgeklärt“, so der Stadtbaumeister, der auch davon sprach, „dass sich eine Lösung abzeichnet“. Die ist zwar noch nicht festgezurrt, soll aber wohl schon demnächst im Gemeinderat vorgestellt werden. Auf die mehrfache Nachfrage des SPD-Stadtrats, ob denn die Zielsetzung der Stadt die Wieder-Öffnung der Zufahrt sei, ging Oehrle jedoch nicht ein. Vielmehr wird abgewogen, „welche Perspektive oder auch Alternative“ die richtige ist. „Denn mit der Sanierung der 50 Meter langen Hangrutschung ist es nicht getan“. Gleich mehrere hundert Meter der Strecke müssten erneuert werden, was auch Geologen für sinnvoll halten würden. „Auf dem ersten Teilabschnitt bis zur Ernst-Hütte verabschiedet sich das Fahrbahn-Bankett in Richtung Tal und ab der Ernst-Hütte aufwärts magert der Restbelag stark aus, da braucht es mittelfristig einen neuen Belag“, schilderte der Stadtbaumeister den Zustand der Strecke denn doch recht eindrücklich.

Die Straße, die nicht nur zum Hofgut und zum Segelfluggelände, sondern auch ins Naherholungsgebiet der Pfullinger führt, möglichst schnell zu reparieren, das ist das Ansinnen von Thomas Mürdter – aber wohl nicht das Anliegen der Stadt Pfullingen. Denn bereits beim nächsten Starkregen, so Karl-Jürgen Oehrle, könne es schon wieder zu Rutschungen kommen.

Einer, der von der Sperrung direkt betroffen ist, weil er den Übersberger Hof betreibt, ist Alexander Reum. Schon seit dem Jahr 2013 – auch damals kam es nach Unwettern zu Hangrutschungen – hat der Pächter der Gaststätte immer wieder mit den Folgen der Straßen-Sperrungen zu kämpfen. Er spricht von starken Umsatzeinbußen. „Vor allem das konventionelle Geschäft bleibt aus, deshalb setze ich verstärkt auf Events wie Hochzeiten. Für die ist der Hof mit seiner Lage hier oben ja auch wie gemacht“, sagt Reum, der aber auch weiß, dass der geschotterte Weg, der jetzt über Lichtensteiner Gemarkung zum Hof führt, nicht jedermanns Sache ist. Zumal es von Seiten der Göllesberg-Bewohner wohl schon Beschwerden wegen des zusätzlichen Verkehrs, der durch die Umleitung entsteht, gegeben  habe. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt Reum, dass er den Übersberger Hof auf jeden Fall weiter betreiben möchte – schließlich gehe es dabei ja um die Existenzen seiner Mitarbeiter. Er betont aber auch, dass er dringend die Hilfe der Stadt braucht, wenn es weitergehen soll auf dem Übersberg. Sei es in Pacht-, sei es in Vertragsfragen hofft er auf Unterstützung aus dem Rathaus. „Ich brauche eine Lösung“, sagt der Gastronom in Bezug auf die Zufahrt. Allerdings, so Reum nach einem Gesprächstermin bei der Stadt in dieser Woche, „sehe ich derzeit keinen Lichtblick“. Die Verwaltung habe ihm noch keine Lösung des Problems mitteilen können. Klar sei derzeit wohl nur, dass die Zufahrt zum Übersberg inklusive den Hangrutschungen finanziell „ein Fass ohne Boden ist“.

Jahre ist die Zufahrt zum Übersberg bereits alt. Durch eine Stiftung von Ernst Laiblin im Jahr 1894 war es der Stadt Pfullingen möglich, 1897 den Weg zu bauen.

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