Zerrinnende Zeit

Es sind die Farben, die den Betrachter gefangen nehmen. Der Münsinger Künstler Karl Striebel zeigt Landschaften und Menschen. Seine Ausstellung "Mensch - Natur" läuft bis Januar 2013 im DRK Reutlingen.

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Ausstellung beim DRK-Kreisverband mit Arbeiten von Karl Striebel. Foto: Marie-Louise Abele

"Es sind heimische Exponate, entstanden auf der Alb", beschrieb Kreisverbandsvorsitzender Dieter Hillebrand die Motive. Seit zwölf Jahren nun schon überlässt der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) seine Räumlichkeiten in der Obere Wässere 1 vorrangig Künstlerinnen und Künstlern aus der Region für "hochwertige Ausstellungen", wie es heißt.

Der Münsinger Künstler Karl Striebel beschäftigt sich seit Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit mit der Landschaft. So zeigen viele seiner Werke die Schwäbische Alb in all ihren Facetten, im Jahreszeiten-Zyklus und in wechselnden Ansichten. Karl Striebel arbeitet mit verschiedensten Techniken. Seine abstrakten Malereien, Zeichnungen und Siebdrucke bestechen vor allem durch kontrastreiche Farbigkeit und dynamisch-harmonischen Farbauftrag. Tusche, Bleistift, Wachskreiden, Öl und Acryl kommen zum Einsatz, mal mit Pinsel aufgetragen, aber auch gesprüht. Hier und da verarbeitet er Fotos und Zeitungsausschnitte in Collagen - alles wirkt experimentierfreudig und frisch. Seine jüngsten Arbeiten unterscheiden sich von Altbewährtem, so wendet er sich immer mehr der Figur, dem Menschen zu.

"Mensch - Natur" heißt somit auch die Ausstellung mit seinen Werken, die derzeit in den Räumen des DRK-Kreisverbands zu sehen ist. Die Werke heißen "Amaryllis", "Disco", "Zerrinnende Zeit" und "Alenberg". "Es ist die Wechselwirkung der Natur mit dem Menschen und andersherum", resümierte die Kunsthistorikerin Jutta Fischer in einer Einführung. So thematisiere Striebel das Eingebundensein in die eigene Umgebung.

Es stechen immer mehr Figurenformen heraus, doch nie zeigt Striebel Individuelles, "nur allgemein Menschliches". Die Motive sind meist in Bewegung, skizzenhaft und immer mehr farbig zurückgehalten im Vergleich zu den reinen Landschaftsbildern der Vergangenheit. "Schnelle Striche" charakterisieren Striebels Duktus, dadurch kreiert er Annäherungen oder Entfernungen, beschreibt die Leserichtung seiner Werke und gibt aber keine illusionistisch gefilterte Ansicht wieder.

Vielmehr schafft er einen Wechsel zwischen Figuration und Abstraktion, manches wirkt wie zufällig, wie ganz nebenbei gesehen, im Kopf gespeichert und später im Atelier wiedergegeben. "Ansichten, an denen man schnell mit dem Auto vorbeifuhr und die nur mit einem kurzen Blick aufgenommen wurden", so Fischer. "Die Motive entstehen aus Liebe zum Sujet." Nicht Gezeigtes oder nur Angedeutetes wirft Fragen auf, die Betrachter sind immer wieder gefordert, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen.

Karl Striebel ist 1954 in Münsingen geboren, lebt und arbeitet noch heute dort. Er besuchte verschiedene Kunst- und Sommerakademien. Unter anderem ist er als Dozent an Volkshochschulen tätig.

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