Zärtlichkeit in Perfektion

Ein legendärer Name: The King's Singers. Sie brachten vokalen Wohlklang und Titel aus dem "American Songbook" ins gut besuchte Werkkonzert der Philharmonie. Die Leitung hatte Chefdirigent Ola Rudner.

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Feinster a-capella-Gesang seit Generationen: die "King's Singers" beim Werkkonzert der Philharmonie.  Foto: 

Wieviele Generationen hat dieses Kult-Ensemble schon überdauert? Etwa 25 Sänger bildeten seit 1968 die "King's Singers" und hielten ihren Ensemblestil hoch: feinster a-capella-Gesang zu sechst, geprägt durch makellose Technik, größte Homogenität und einen speziellen, tiefenbetonten Sound, der darauf beruht, dass zwei Baritone besetzt sind, dafür ein Tenor weniger. Die aktuelle Formation besteht aus David Hurley und Timothy Wayne-Wright (Countertenor), Julian Gregory (Tenor), Christopher Bruerton und Christopher Gabbitas (Bariton) und Jonathan Howard (Bass), der charmant und in beinah perfektem Deutsch durchs Programm führte.

Von Gesualdo bis Ligeti reicht ihr Repertoire, das sie (angeblich) gern stilübergreifend aufmischen. Hier in Reutlingen allerdings nicht, sie singen fast ausschließlich Titel aus ihrer CD "Great American Songbook", also Schlager der Zeit zwischen 1930 und 1960, komponiert von Harold Arlen, George Gershwin, Cole Porter, Irving Berlin, Richard Rogers und anderen.

Dafür brauchen die Kings's Singers eigentlich kein Orchester; das bildet nur den Rahmen und legt ihm Streicherteppich, Bläsersoli und Tanzrhythmen zu Füßen. Aufgereiht wie Orgelpfeifen, mit bunten Mikros, veilchenblauen Anzügen und rosaroten Krawatten, singen sie in raffiniertem Stimmlagen-Wechsel und kunstvoll ausgearbeiteten Arrangements Solo und Begleitung komplett selber.

"Come on, get happy!" - ja, das macht glücklich. Gesangstechnisch von höchster Qualität, bis ins Detail makellos und perfekt auf die andern abgestimmt, verschmelzen die Stimmen vom Bass bis zum weich strahlenden Countertenor zu einem warmen Wohlfühl-Sound mit Blues-Anklängen. Teils singt das Ensemble a capella, teils mit Orchesterbegleitung, wobei diese den Gesamtklang etwas zu üppig aufbauscht.

Die Cole-Porter-Songs schmeicheln sich, mittels Tontechnik dicht ans Ohr gerückt, zärtlich in dasselbe. "It's delightful, delicious, de-lovely" - Wohlklang pur wie Dessertcreme, die auf der Zunge zergeht. Aber wie ein Menü aus Smoothies bekommt man die im Einheitsstil ästhetisch arrangierten soften Songs irgendwann über. Obgleich nach der Pause "Das Beste kommt noch" ("The best is yet to come") intoniert wurde, blieb es dabei - besser geht's einfach nicht. Auch der Aufforderung, sich daneben zu benehmen ("Let's misbehave") folgte - wie gehabt - diszipliniertes Belcanto und vokales Sentiment zu sechst.

Etwas Abwechslung bot ein neu ins Programm eingefügtes Spiritual im ersten Teil und - im zweiten - Charles Trenets Chanson "La mer", kunstvoll verjazzt, sowie ein "mash up" des Astaire-Klassikers "Cheek to cheek" mit dem Satz "In Paradisum" aus dem Fauré-Requiem. Wer hätte es erkannt?

Für echte Kontraste zwischendurch war das Orchester zuständig. Ola Rudner und die Seinen hatten Raritäten amerikanischer Komponisten aufgelegt: einen Satz aus der ersten Sinfonie (1930) von William Grant Still, dem hierzulande selten gehörten Altmeister der afroamerikanischen Komponisten, und Aaron Coplands "Letter from home", mit dem dieser im Kriegsjahr 1944 das schmerzhafte Heimweh der Amerikaner im Ausland einfing.

Ein sprödes Stück, zwar konventionell und ruhig schreitend gesetzt, doch irgendwie passten die Teile nicht zusammen - vielleicht fehlte die Routine. Der Werkkonzertabend schloss in sanfter Harmonie, mit anhaltendem Applaus und zwei Zugaben.

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