Wunsch nach Ursprünglichkeit und einfacher Form

Das Spendhaus präsentiert derzeit in der Studio-Ausstellung "Kirchner, Macke und. . . Druckgrafik aus dem Jahr 1912" einen Querschnitt durch das Jahr 1912 mit Exponaten aus der eigenen Sammlung.

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Max Pechsteins Farbholzschnitt "Akrobaten III (Varieté)" aus dem Jahr 1912 ist derzeit neben Arbeiten von Ernst-Ludwig Kirchner, August Macke und Wilhelm Laage im Spendhaus zu sehen. Foto: pr

In der Präsentation wird eine aufschlussreiche stilistische Vielfalt sichtbar, die in dieser Zeit zu beobachten ist: Neben avantgardistischen Kunstrichtungen wie dem Expressionismus - in der Ausstellung vertreten etwa durch die Brücke-Künstler Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Otto Mueller sowie die Mitglieder des Blauen Reiters Franz Marc, August Macke und Gabriele Münter - sind zeitgleich auch andere stilistische Tendenzen noch wirksam. So verdeutlichen beispielsweise die gezeigten Werke von Carl Thiemann, einem Mitglied der Wiener Secession, dass 1912 durchaus auch noch der Jugendstil nachwirkte.

Die Gründungsmitglieder der Künstlergruppe Brücke (1905 bis 1913), Ernst Ludwig Kirchner und seine drei Freunde Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff, richteten sich mit ihrem Programm vor allem an eine neue Generation, die aufgerufen werden sollte, sich gegen alles Bisherige zu wenden. Sie erkannten insbesondere im Holzschnitt neue Möglichkeiten des Ausdrucks, die ihren Intentionen nach Ursprünglichkeit und einfacher, ausdrucksstarker Form am besten entsprachen.

Wilhelm Laage, dessen Holzschnittwerk in der Sammlung des Kunstmuseum Spendhaus beinahe komplett dokumentiert ist, wurde 1906 von der Künstlergemeinschaft als Gast zu deren ersten Grafikausstellung nach Dresden eingeladen, was eine besondere Auszeichnung für sein Werk bedeutet. Auch er ist in der Präsentation mit einigen Blättern vertreten.

Die Brücke-Mitglieder verlagerten Ende 1911 ihren Wirkungsort von Dresden nach Berlin. Etwa zeitgleich entstand in München die Künstlergemeinschaft des Blauen Reiters (1911 bis 1914), als Wassily Kandinsky, Franz Marc, Gabriele Münter und Alfred Kubin 1911 die Neue Künstlervereinigung München verließen.

Kandinsky und Marc organisierten als "Die Redaktion der Blaue Reiter" eine eigene Ausstellung parallel zu der Künstlervereinigung. Diese erste sowie eine zweite Ausstellung zeigten neue Entwicklungen in der Kunst, ohne dass diese, im Gegensatz zur Künstlergruppe Brücke, in einem Manifest klar fixiert worden wären.

In die zweite Präsentation 1912 wurden auf Anregung von Franz Marc auch Holzschnitte der Brücke-Künstler aufgenommen. Im gleichen Jahr wurde der Almanach des Blauen Reiters publiziert. Weitere Bände - wie zunächst geplant - erschienen nicht. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges endeten die Aktivitäten des Blauen Reiters. August Macke fiel bereits am 26. September 1914 an der Westfront in der Champagne, Franz Marc am 4. März1916 bei Verdun.

Neben den expressionistischen Strömungen offenbarten sich durchaus auch noch Merkmale des Jugendstils. Dabei zeigte sich das Formvokabular des japanischen Farbholzschnittes, der seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in Europa begeistert gesammelt und von Künstlern rezipiert wurde.

Carl Thiemann etwa gehörte seinem Geburtsjahrgang nach zu den Expressionisten, blieb jedoch stark dem Jugendstil verpflichtet. In seinen Werken lässt sich jedoch eine spannende Synthese aus dem Linienschnitt, den die Expressionisten wegen seiner Ausdrucksstärke und Dynamik bevorzugten, und dem japanisch beeinflussten Flächenholzschnitt mit seinen einfachen Umrisslinien, erkennen.

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