Wo stehst du, wenn der Baum umfällt?

Die Bäume markieren, fällen, verarbeiten nach den Wünschen des Käufers: Was einfach klingt, erfordert Wissen und hohe Konzentration. Doch damit ist es mit den Aufgaben der Förster nicht getan.

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Axel Allmendinger erklärt den Mädchen, wie man die Stecklinge richtig in die Erde setzt. Foto: Dorina Blau

Acht Mädchen aus Reutlingen und Umgebung waren auf dem forstlichen Stützpunkt im Herzen der Schwäbischen Alb zusammengekommen, um dort die Förster und Forstwirte einen Tag lang bei ihren Tätigkeiten zu begleiten. Dabei gilt die Unterscheidung zwischen dem Beruf des Försters und des Forstwirtes.

Den Beruf des Försters erlangt man durch ein Bachelorstudium. Er ist für die Koordination, Planung und Arbeitsvorbereitung zuständig. Die auszuführende Kraft ist der Forstwirt. Er fällt die Bäume, verarbeitet sie nach den Wünschen des Kunden und setzt neue Pflanzen.

Allgemein ist er für die praktischen Aufgaben zuständig. Hubert Emhart, Forstwirtschaftsmeister und Ausbilder, zeigte den Mädchen auch gleich den Arbeitsplatz eines Forstwirtes: den Wald. Emhart suchte mit seinen Lehrlingen einen Baum aus, den sie nach genauer Erläuterung der Arbeitsschritte fällten. Dabei müsse man auf die Neigung des Baumes achten, um die Fallrichtung zu bestimmen. "Du musst wissen, wo du stehst, wenn der Baum umfällt. Es sind schon viele gefährliche Unfälle passiert. Die Arbeit erfordert hohe Konzentration", erklärte Emhart.

Trotz hoher Gefährdung habe der Beruf viele schöne Seiten, beispielsweise die Arbeit in der Natur. Den Mädchen war die Begeisterung anzusehen. "Hier wird einem bewusst, wie wichtig der Wald und die Umwelt sind", stellte die 15-jährige Aylin fest. Den restlichen Tag wurden die Schülerinnen aus den Klassen 6 bis 8 in zwei Gruppen geteilt.

Die eine Hälfte begleitete Förster Friedemann Rupp. Er erklärte den Minderjährigen den Unterschied verschiedener Baumarten sowie die Bedeutung der Markierungen an den Bäumen: "Wenn ein Baum gelb markiert ist, ist er ein Z-Baum."

Z steht für Zukunftsbaum. Dieser darf dann stehen bleiben. Pink markierte Bäume die gefällt werden, weil sie entweder krank, alt oder nicht schön sind." Man müsse große und starke Bäume fördern, die Schwächeren dafür aussortieren. Christoph Otto (21) und Adrian Braemer (20) führten währenddessen die anderen sechs Mädchen durch ihren Tätigkeitsbereich. Als Forstwirte im zweiten und dritten Lehrjahr konnten sie den Schülerinnen schon allerhand berichten.

Gegen Nachmittag durften die Mädchen im Alter von elf bis 15 Jahren dann selbst Hand anlegen. Mit Säcken voller Buchen-Stecklinge pflanzten sie 100 Buchen selbst ein. Forstwirtschaftsmeister und Sicherheitskraft Axel Allmendinger zeigte ihnen, wie es geht: Die Hacke auf den Boden werfen, das Loch ausheben, die Pflanze einsetzen und mit den Füßen vorsichtig feststampfen.

Nach einem langen und anstrengenden Girls Day verabschiedete Förster Friedemann Rupp die Mädchen und hofft, "dass die eine oder andere dauerhaft im Wald ihre Arbeit findet". Die 13-jährige Patricia könnte Rupp da Hoffnung machen: "Ich möchte Forstwirtin werden, das hat mir heute so Spaß gemacht. Ich kann den Girls Day jedem empfehlen."

Info Der Girls Day will Mädchen ab Klasse fünf Einblicke in Berufe geben, die überwiegend von Männern besetzt sind.

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