Wo der Baron auf den Piraten trifft

Die European Business School (ESB) hatte bei ihrem 16. Wirtschaftsforum hochkarätige Besucher auf dem Podium. Es galt auszuloten, was denn Armut wirklich ist - und wonach bemisst sich Wohlstand?

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Jochen Voß erfährt von Ina Kinkelin-Naegelsbach Praktisches zum Thema Armut.

Vom Piraten bis zum Baron, von der Statistikexpertin bis hin zum Fachmann in Sachen Zukunft: Erneut war es der ESB gelungen, wichtige Persönlichkeiten für ihr nun schon 16. Wirtschaftsforum zu gewinnen.

"Elf Prozent der Menschen in Baden-Württemberg sind von Armut gefährdet", weiß zum Beispiel Dr. Carmina Brenner, die Präsidentin des Statistischen Landesamtes ist. Wobei Prof. Meinhard Miegel relativierte: "Armut lässt sich nicht definieren - weil sie überall zur jeweiligen Zeit am jeweiligen Ort sehr unterschiedlich in Erscheinung tritt." Miegel ist Vorstandsvorsitzender des "Denkwerks Zukunft, der Stiftung zur kulturellen Erneuerung".

Moderator Dr. Jochen Voß als erfahrener Kommunikationsprofi befragte hierzu auch Sebastian Nerz, dem aus Tübingen stammenden Bundesvorsitzenden der "Piratenpartei" sowie Max-Richard Freiherr Rassler, dem Baron und Unternehmer gehört die Weitenburg westlich von Rottenburg. Hinzu kam noch Dr. Volker Wissing, der Vize der FDP-Bundestagsfraktion ist. "Gesellschaftlich abgehängt leben, ein Verwaistsein", so definierte Rassler auf der Podiumsdiskussion Armut.

In Zahlen machte dies Brenner noch einmal begreifbar: Wer nur 60 Prozent oder weniger des mittleren Einkommens habe, befinde sich an der Armutsschwelle. In Baden-Württemberg seien das 895 Euro im Monat, in Mecklenburg-Vorpommern 680 Euro. Wie überhaupt der Osten grundsätzlich ärmer sei. Woraufhin Miegel bis ins Jahr 1815 zurückging. Schon damals hingen die Länder im Osten hinterher, "heute zeigen sich die alten Gefüge wieder", so Miegel. Und Volker Wissing bekräftigte: "Wir müssen immer an die Bildung denken, wenn es ums Thema Armut geht." Da gebe es in Sachen Aufstieg ein enger Zusammenhang mit der sozialen Stellung der Eltern. Der Piratenchef Sebastian Nerz konterte sofort: Die Durchlässigkeit nach oben lasse sich aber nicht erreichen mit Studiengebühren. "Und wer kann sich schon ständig Nachhilfestunden leisten?"

Carmina Brenner kam dann auf die weitgehend noch wenig bekannte Studie zu sprechen, dass 18- bis 25-Jährige bundesweit am ehesten gefährdet seien, in die Armut abzugleiten; Einpersonenhaushalte und ältere Rentner ebenso wie Singles. Ganz praktisch wurde es, als Ina Kinkelin-Naegelsbach auf die Bühne gebeten wurde. Die Frau von der Diakonie in Münsingen erlebt hautnah benachteiligte Menschen, so aus der ehemaligen Sowjetunion, "deren im Ursprungsland erworbene Qualifikationen hier einfach nicht anerkannt werden".

Außerdem kam Gabriele Blum-Eisenhardt zu Wort, die eine zeitlang freiwillig mit ihrer Familie von Hartz IV lebte.

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