Wirklichkeit und Widerstand

International bis regional: Die Spendhaus-Ausstellungen 2015 sind wieder breit gefächert. Hinzu kommt die vielfältige Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

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"Das Phantastischste ist die Wirklichkeit". Mit diesem Satz umriss Wilhelm Rudolph (1889 bis 1982), ein profilierter Vertreter des realistischen Holzschnitts, sein künstlerisches Credo. Mit Grafiken vom zerstörten Dresden ist er als "Ruinenmaler" einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Dennoch gilt Rudolphs umfangreiches Oeuvre, das viel breiter aufgestellt ist, als noch nicht ausreichend gewürdigt. Das Spendhaus präsentiert nun von 31. Januar bis 12. April eine Werkübersicht - von den expressionistischen Anfängen über Rudolphs typischen Realismus-Stil bis hin zu späten Rückgriffen auf impressionistische Traditionen.

Das nächste Ausstellungsprojekt heißt "Weltenwechsel", läuft von 9. Mai bis 12. Juli und zeigt - passend zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung - figürliche Malerei aus der letzten Dekade der DDR bis heute. Die Arbeiten von 23 Künstlern stammen aus der Sammlung des Reutlinger Unternehmers Siegfried Seiz, die in Fachkreisen hohes Renommee hat. Denn neben etablierten Namen wie Bernhard Heisig oder Neo Rauch sind sehr viele weniger szenebekannte Kollegen dabei.

Die zeitliche Streuung der Arbeiten von 1980 bis in die Gegenwart legt auch die Frage nahe, welche Entwicklungslinien vom gesellschaftspolitischen Wandel und welche von kunstimmanenten Veränderungen beeinflusst wurden. Rund um die Ausstellung ist ein Rahmenprogramm vorgesehen, unter anderem mit einer Podiumsdiskussion sowie mit Bildern und Porträts des Fotografen Ludwig Rauch, der in der DDR Publikationsverbot hatte.

Mit Ka! Editions - 25 Jahre Druck und Edition präsentiert das Spendhaus eine internationale Ausstellung von 1. August bis 8. November. Der gleichnamige Verlag im süostfranzösischen Ort Piégros la Clastre, geführt vom englischen "masterprinter" Matthew Tyson mit Isabella Oulton, druckt seit 25 Jahren Grafiken von berühmten Künstlern wie Gottfried Honegger, François Morellet oder David Rabinowitch. Mit dem niederländischen Druckgrafiker Hendrik Nicolaas Werkman schließlich (1882 bis 1945) rückt das Spendhaus einen Künstler ins Zentrum, den der Reutlinger Holzschneider HAP Grieshaber zeitlebens bewundert hat. Werkman, den die NS-Besatzer 1945 erschossen, gilt als Symbolfigur des niederländischen Widerstands. Eine große Überblicksausstellung ab 28. November unter dem Titel Hot Printing gibt einen Begriff von Werkmans einzigartiger, undogmatischer Bildsprache zwischen figurativ und abstrakt.

Nur noch bis 11. Januar im Kunstmuseum - Große Werkschau Rolf Nesch

Aktuelle Ausstellung Die verdienstvolle Arbeit des Spendhaus-Teams um Herbert Eichhorn - bei der Präsentation unterschätzter und vergessener Künstler - kann nicht genug hervorgehoben werden. Rolf Nesch, 1893 in Oberesslingen am Neckar geboren, gehört in diese Reihe. Der Erfinder des Metalldrucks, der 1933 in die Emigration ging, war in den 50ern/60ern auf der "documenta" dabei und gilt als einer der wichtigsten Künstler Norwegens, wo er 1975 starb. Die große Werkschau derzeit im Spendhaus - hier der Metalldruck "Fische" - läuft nur noch bis 11. Januar. op/Foto: pr

SWP

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