Winfried Kretschmann in Pfullingen: Abendfrieden nach dem Stau

Den Besuch des Ministerpräsidenten hatten die Pfullinger perfekt vorbereitet. Allein: Es passierte so einiges, das die Planung durcheinander brachte.

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Pfullinger Gabe: Bürgermeister Rudolf Heß überreicht Winfried Kretschmann das Schwäbische Handwörterbuch. Foto: Evelyn Rupprecht

Marktplatz Pfullingen, Mittwoch, 19.30 Uhr: Der Halbkreis steht. Eine halbe Hundertschaft Sängerinnen und Sänger von Liederkranz und Eintracht haben ihre beiden Ständchen bei zwei Proben einstudiert und sind jetzt bereit für den großen Auftritt. An den "Abendfrieden" haben sie sogar noch eine Extra-Strophe zu Ehren Winfried Kretschmanns gehängt. Doch zum Zeitpunkt seiner geplanten Ankunft steckt der Ministerpräsident noch im Stau. "Ich bin aus Schtuagert einfach et rausgekommen", wird er später erklären und sich gleich mehrfach entschuldigen.

Während Kretschmann nur langsam auf Pfullingen zusteuert, ist die Bürgermeister-Chefsekretärin bestens informiert. Nach 25 Minuten des Wartens verkündet Cornelia Gekeler: "Jetzt ist er schon in Pfullingen an der Aral-Tankstelle." Und tatsächlich: Kurz drauf biegt eine schwarze Limousine von der Kirchstraße auf den Marktplatz ein. Kretschmann steigt aus, und die Chöre wollen anfangen zu singen - können es aber nicht. Kaum einer sieht noch den Dirigenten, weil die Fotografen sich ins Bild schieben. Als die verjagt sind, kanns endlich losgehen.

Gerade erst ist der letzte Ton verklungen, da gehts auch schon ins Rathaus. Nur 15 Personen hat Bürgermeister Rudolf Heß einladen dürfen - so wollte es das Staatsministerium. Dass letztlich viel mehr Leute in den Sitzungssaal spazieren, mag daran liegen, dass die Kontrolleure am Eingang nicht so richtig mitgezählt haben. Die kleine Paula jedenfalls schaffts (wie bereits berichtet) an ihnen vorbeizupreschen und sich mit Kretschmann fotografieren zu lassen. Es folgt die Rede des Bürgermeisters, der dem Ministerpräsidenten mit Nachdruck erklärt, was es mit der Echazstadt auf sich hat. Der heilige Wolfgang "hat Pfullingen in Deutschlands Geschichte verankert", erklärt Heß. Und er ist sich auch sicher, dass Bert Brecht in der Echazstadt gezeugt wurde. Da schaut der Ministerpräsident denn doch ein bisschen erstaunt - bevor er sich darüber freuen kann, dass er, der Urschwabe, von den Pfullingern ein Schwäbisches Handwörterbuch geschenkt bekommt.

Der Sigmaringer indes beweist Ortskenntnis. Auf dem Pfullinger Wahrzeichen, der Unterhos, war er schon. Und an der Stadt ist er schon hunderte Male vorbeigefahren. "Ich hoffe, darüber sind Sie froh", sagt er zu den Pfullingern, die leicht irritiert sind angesichts dieser Aussage. Doch Kretschmann hats anders gemeint. Es sei doch gut, dass der Verkehr dank des Tunnels draußen sei aus der Stadt. Diesmal aber sind die Pfullinger froh, dass Kretschmann nicht durch den Tunnel gedüst ist. Zumal die 30 Minuten, die der Kurzbesuch eigentlich laut präsidialer Terminplanung nur dauern sollte, inzwischen längst verstrichen sind. Doch wen wirds schon nach Sigmaringen ziehen, wenn er in Pfullingen sein kann.

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