Wieder wettbewerbsfähig

Abgerissen, entkernt, neu strukturiert, erschlossen, verdichtet und wiederbelebt: Die Sanierung des Wandel-Goltermann-Areals samt Satelliten war Pilotprojekt, ist Erfolgsgeschichte und Punktlandung.

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Wirtschaftsminister Nils Schmid bei der Betriebsführung mit JDSU-Geschäftsführer Rolf Trieflinger. Mit im Bild: Eningens Bürgermeister Alexander Schweizer und Gemeinderätin Annegret Romer.  Foto: 

Die "Sanierung und Revitalisierung" des ehemaligen Wandel-und-Goltermann-Areals ist nur eines von sechs Eninger Sanierungsprojekten im Städtebau über die vergangenen 37 Jahre. Spektakulär war bei Start der ersten Phase 1977, dass das Landes-Sanierungsprogramm erstmals im gewerblichen Bereich Anwendung fand. Ein Ansatz, der als Pilotprojekt populär wurde. Wirtschaftsminister Nils Schmid nahm am Freitag von Eningens Bürgermeister Alexander Schweizer den Abschlussbericht zum Sanierungsgebiet "Reutlinger Straße/Arbachtalstraße" entgegen und nutzte die Gelegenheit zur Firmenbesichtigung des WaGo-Nachfolgers JDSU.

Bereits Mitte der 90er-Jahre hatte sich die Entwicklung deutlich abgezeichnet: "Leerstände und Mindernutzungen im Eninger Gewerbebestand, ein überdimensionaler, brachliegender Freiflächenanteil, Firmenkonkurse und Betriebsaufgaben" machten dem Gemeinderat unter Bürgermeister Jürgen Steinhilber zu schaffen. Zusammen mit dem Wirtschaftsministerium und dem Regierungspräsidium Tübingen wurde in der "anspruchsvollen topografischen Lage" Eningens frühzeitig nach einer Lösung gesucht, die den Gewerbestandort sichert und zu einer deutlichen Attraktivitätssteigerung führen sollte. Mit den Mitteln: effiziente Nutzung, gesunde Verdichtung und der Verhinderung von Gewerbebrachen. Im Fokus: das ehemalige "Licht- und Kraft-Areal". Es wurde für den Wohnungsbau nachverdichtet und entlang der Reutlinger Straße gewerblich aufgewertet. Einen Discounter hatte damals wohl niemand auf dem Schirm. Auf den freigeräumten Flächen des Maier-Areals siedelte die Gemeinde den neuen Bauhof an.

"Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hatte sich in Eningen ab 1990 bis zum Tiefstand 2005 halbiert," rechnet Amtsnachfolger Alexander Schweizer nach, "auf einen Dienstleistungs-Beschäftigten kamen damals knapp 1,5 im produzierenden Bereich. Heute ist das genau umgekehrt." Der Bürgermeister stieg bei Amtsantritt in die Revitalisierung des WaGo-Kernareals zwischen Mühleweg, Arbachstraße und den beiden ersten Sanierungsabschnitten ein. Zusammen mit dem Geschäftsführer der JDSU, Ralf Trieflinger, dem Projektpartner Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH und einem regionalen Gewerbeflächen-Makler entstand ein moderner Gewerbepark, Rand- und Restflächen wurden angeboten, ein Parkkonzept erarbeitet und die ehemalige WaGo-Firmenzentrale an einen örtlichen Investor verkauft. Entstanden ist dabei: "Eine kleinteilige, sehr gut diversifizierte Gewerbe-struktur mit Behörden, Dienstleistern für nahezu alle gewerblichen Bereiche, aber auch Handel und Handwerk", so Schweizer.

Jüngster Coup: Das ehemalige Verwaltungsgebäude der WaGo ging in der vergangenen Woche an einen Göppinger Investor. Hier soll noch 2015 ein Budget-Hotel entstehen (siehe nebenstehender Bericht). Grundlage für das Generationen-Projekt war ein von JDSU angesetztes Neustrukturierungs-Konzept.

Wie vorausschauend Verwaltung und Gemeinderat vor knapp 18 Jahren gedacht hatten, erlebte Dieter Ehlert von Wüstenrot als Mann der ersten Stunde hautnah: "Die Neuordnung der einzigen größeren, zusammenhängenden Gewerbefläche war bei weitem kein Selbstläufer." Das Land investierte in das Großprojekt 3,67 Millionen Euro an Steuermitteln, die Gemeinde beteiligte sich mit 2,44 Millionen Euro. Dazu kamen Mittel aus dem Ausgleichsstock in Höhe von 650 000 Euro. Unter dem Strich lagen die Investitionen lediglich 20 000 Euro über den erzielten Erlösen. Auch das ein legendäres Ergebnis.

Schweizer: "Eningen verfügt mit dem Gewerbegebiet Arbachtal wieder über einen modernen, zeitgemäßen und wettbewerbsfähigen Standort für Handel, Handwerk, Dienstleistung und Produktion. Die Struktur ist vielfältig, die Abhängigkeit von einzelnen Gewerbetreibenden konnte reduziert werden. Die vorhandenen Gewerbeflächen sind hoch verdichtet." Für Baden-Württemberg, so Nils Schmid, ist das Landesentwicklungsprogramm inzwischen ein "Flaggschiff".

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