Wie es ist, nichts zu sehen

Blindheit erleben, im Rollstuhl sitzen - das war der praktische Teil. Ansonsten informierte die Diakonie Württemberg, wie sinnvoll und auch spannend es sein kann, sich in sozialen Berufen zu engagieren.

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Selbst mal ausprobieren, wie es ist, mit einem Handicap umzugehen, durften die Realschülerinnen und Schüler bei der Roadshow der Diakonie.  Foto: 

"Oh, nein, bitte nicht weiter": Für Tatjana wars ein Graus, die blind machende Brille tragen zu müssen - und dann durch die Treppenhäuser der Wilhelm-Hauff-Realschule (WHR) zu gehen. Trotz ständiger Begleitung einer Klassenkameradin und dem Umstand, "dass ich mich ja mit den Räumlichkeiten hier sehr gut auskenne", bevorzugte sie dann doch den Rollstuhl, um die drei Stockwerke von drei kräftigen Jungs ihrer Klasse hinunter getragen zu werden.

Alles nur eine Übung, keine Frage, aber die Diakonie Württemberg will mit ihrer "Roadshow" in den Schulen des Landes einerseits vermitteln, mit welchen Handicaps es zu betreuende Personen zu tun haben, was also junge Leute, so sie denn in soziale Berufe wie die Pflege gehen, erwartet.

In fünf achten und neunten Klassen machte die Diakonie gestern eine Stippvisite, und die Roadshow sei "sehr gut angekommen", bestätigte Lehrerin Gabi Bachschuster von der 9e. Sie hatte übrigens einen "Experten" in Sachen blind sein. Julian (15) sagte: "Ich kenne nicht nur das Schulhaus sehr gut, ich habe zu Hause auch schon ausprobiert, wie es ist, nichts zu sehen." Für Madeleine (16) hingegen war der Kontrollverlust "schlimm, das war sehr ungewohnt". Tim (14) indes hatte "überhaupt keine Probleme" im Parcours.

Mit Simon Koenigsdorff (19) und Stephan Rieger (22) aus Stuttgart informieren gestern ebenfalls junge Leute über soziale Berufe und Möglichkeiten des freiwilligen Engagements. Als da wäre der Bundesfreiwilligendienst (BFD) ab 18 Jahren, aber vor allem - mit Blick auf Realschüler - das Freiwillige Soziale Jahr ab 16 Jahren. Und gleich in den Beruf gehen? Über 5000 Ausbildungsplätze gibt es bei der Diakonie in Württemberg. Und um möglicherweise einen guten Einstieg direkt vor Ort zu bekommen, war auch Janine Appelt gestern in die Aktion an der WHR eingebunden.

Appelt ist bei der Samariterstiftung in der Pfullinger Hohmorgenstraße auch zuständig für freiwillige Dienste. "Außerdem bin ich die Kontaktperson für Schulpraktikanten und Jugendprojekte," so Appelt.

Die Diakonie Württemberg ist mit 40 000 hauptamtlichen und 35 000 ehrenamtlichen Mitarbeitenden einer der größten Arbeitgeber im Land. Sie bietet neben Ausbildungsplätzen, Studienplätzen und Praktika eine Menge attraktiver Jobs, was angesichts der Überalterung der Gesellschaft eine sichere berufliche Zukunft bieten.

Dazu kommen für Freiwilliges Engagement 2000 Stellen in mehr als 1000 verschiedenen Einrichtungen der Behinderten-, Jugend- und Altenhilfe für freiwilliges Engagement für all diejenigen, die in den sozialen Bereich erst einmal reinschnuppern wollen. Und das konnten die Schüler der achten und neunten Klassen gestern auch in einen Werbefilm der Diakonie. "Gelebte Nächstenliebe" lautet einer der Slogans der Organisation.

Vor allem aber werden nach dem Wegfall des bundesweiten Pflicht-Zivildienstes weiterhin Leute für das Freiwillige Soziale Jahr und den Bundesfreiwilligendienst (BFD) gesucht. Dabei setzt die Diakonie ganz auf ihr Versprechen, dass die jungen Leute dort neue Perspektiven - womöglich fürs gesamte Berufsleben - aufgezeigt bekommen.

Im Internet ist mehr darüber zu erfahren unter www.ranansleben.de und auch unter der Adresse diakonie-wuerttemberg.de.

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