Werkschau voller Leidenschaft

In Pistoia gibt es einen deutsch-italienischen Stammtisch, in beiden Städten Workshops für Künstler – und nun eine gemeinsame Bilderschau.

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  • Die Besucher der deutsch-italienischen Schau bekamen allein 60 Bilder aus Pistoia zu sehne, so auch „Beschwörung2“ von Giada Lorenzi (rechts) und den Leguan“ von Gloria Iozzelli. 1/2
    Die Besucher der deutsch-italienischen Schau bekamen allein 60 Bilder aus Pistoia zu sehne, so auch „Beschwörung2“ von Giada Lorenzi (rechts) und den Leguan“ von Gloria Iozzelli. Foto: 
  • Bei der Ausstellungseröffnung mit von der Partie waren (von rechts) der Künstler Paolo Tesi, Thomas Becker (VHS) und Luca Tuci vom „Stammtisch“. 2/2
    Bei der Ausstellungseröffnung mit von der Partie waren (von rechts) der Künstler Paolo Tesi, Thomas Becker (VHS) und Luca Tuci vom „Stammtisch“. Foto: 
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Ziemlich genau 800 Kilometer trennen Reutlingen von der 91 000 Einwohner zählenden Stadt Pistoia im Norden der Toskana. Doch die Kunstschaffenden beider Städte haben längst zusammengefunden. Außerdem kam es auch zu einer Verbindung zwischen dem kulinarischen Toskanischen Markt in Reutlingen und der Kunst: Im Jahr 2015 wurde für Dritt- und Viertklässler der Wettbewerb zu „Pinocchios Welt“ ausgeschrieben.

Damit sind wir beim Protagonisten der Liaison, und in Sachen Kunst und Malerei weit über über Europa hinaus bekannten Paolo Tesi. Wenn der sagt „ich bin Pinocchio“ meint er in erster Linie den sozialkritischen Geist einer einstigen Zeitungs-Kolumne, die „Pinocchio“ hieß. Erst später folgte die bekannte lange Nase, die verkindlichte Märchenfigur gleichen Namens.

„Palo Tesi, der wunderbare Botschafter der Provinz Pistoia“, so Thomas Becker von der VHS in seiner kurzen Einführungsrede, berichtete an dem Abend von einem erst zwei Stunden zuvor beendeten Workshop zum Thema Aktmalerei. Dessen Ergebnisse, gerade erst so richtig getrocknet, sind nun ebenfalls in der Spendhausstraße zu sehen. Seit zehn Jahren gibt es die Arbeitstreffen von Volkshochschule, Jugendkunstschule Reutlingen und den Kulturinstitutionen von Stadt und Provinz Pistoia. Der 71-jährige Tesi leitet diese Workshops und durfte daher bei der Ausstellungseröffnung nicht fehlen. Ist doch die Schau überschrieben mit „Arte insieme“, dem gemeinsamen Kunstschaffen.

Da ist Tesi das Bindeglied zwischen beiden Städten. Sowohl in Pistoia als auch in Reutlingen sorgt er für nachhaltige kulturelle Bereicherung und weckt jede Menge Leidenschaft bei den jungen Akteuren mit Pinsel und Staffelei. Das weiß VHS-Leiter Dr. Ulrich Bausch ganz besonders zu schätzen, „denn ohne Paolo würde diese Begegnung, die über die Alpen reicht, nicht stattfinden“. Tesi verbinde, „und er verzahnt. Ja, Kunst macht damit auch Freunde“, sagte Becker.

Die Vernissage-Besucher trafen auf eine „Werkschau dessen, was möglich ist durch die ganz besondere Kunstpädagogik Tesis“, sagte Bausch. Das sieht die Deutsch-Italienische Gesellschaft, die von Beginn mit im Boot saß ebenso, nicht anders Luca vom Deutsch-Italienischen Stammtisch in Pistoia: „Es ist doch erstaunlich, wie die Werke eines Malers (Tesi) so viele Emotionen beim Betrachter auslösen“, so Tuci. Die bei seinen Schülern auf fruchtbaren Boden fällt, möchte man anfügen.

Ein Lied davon zu singen weiß Thomas Becker, der übrigens zusammen mit seiner Tochter bereits im Mai in Pistoia nach den Bildern Ausschau gehalten hatte. „Es sind aktuelle und ältere Arbeiten, die so von „Kontinuität als auch von Aktualität“ Zeugnis ablegen, so Becker. 60 italienische Werke sind nun zu sehen – dazu kommen 35 Bilder Reutlinger Künstler, die Tesis Schule durchlaufen hatten. „Der Gruppengeist der Menschen, ebenso das Erlernen von Kreativität“, so Paolo Tesi, begeisterten auch ihn stets aufs Neue. Er glaubt an einen guten Stern, der da ist für alle Menschen, die künstlerisch arbeiten und malen. „Und dieser Stern leuchtet auch viel heller als andere“, sagte Tesi. Seine „Insekten“, malerische Metarmorphosen, waren 2015 in der VHS zu sehen.

„Er hilft Menschen beim Hineinkommen in die Kunst,“ so Becker über Tesi. Der ist einer der großen Gegenwartszeichner Italiens – und für junge, ambitionierte Kunstinteressierte sowie angehende Studierende ein wichtiger Lehrer, der sie mit seiner eigenen, unbändigen Energie auf vielfältige Weise prägt. Rund 50 Schüler hat Tesi in Reutlingen.

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