Werben für Akzeptanz

Die Sozialpädagogin Christiane Schindler sieht sich als eine Art Dienstleisterin für die freiwilligen Helfer der Asylarbeit im Ringelbachgebiet. Seit Mitte 2014 engagiert sich die Caritas in dem Bereich.

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Die Liste an Aktivitäten, die freiwillige Helfer im Ringelbachgebiet für Asylbewerber und Flüchtlinge anbieten, wird ständig länger. "Die Ehrenamtlichen haben unglaublich viele Ideen und sind sehr kreativ", berichtet Christiane Schindler.

So wurde etwa eine Kleidersammlung durchgeführt, Deutsch- und Alphabetisierungskurse treffen auf riesige Nachfrage, eine Malgruppe gibt es, das Asylcafé lockt jeden Dienstag zum Austausch und ganz wichtig - in einer "Verfahrensberatung" wird den Asylbewerbern etwa erklärt, was in den Schreiben vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge steht, die sie erhalten haben. Oder wie ihr Verfahren weiter läuft. Das ist keine leichte Aufgabe, besonders dann nicht, wenn die Asylbewerber kaum eine Aussicht auf ein Bleiberecht haben.

Insgesamt 90 Flüchtlinge sind zurzeit im Gebäude der Ypernkaserne und im alten Pflegeheim im Ringelbach untergebracht. Rund 50 von ihnen kommen jeden Dienstag in die kleine Kantine von Ridaf, wo mittlerweile das dritte Asylcafé der Stadt angeboten wird. "Das platzt jetzt schon aus allen Nähten", sagt die Sozialpädagogin Schindler. Mit der Anschlussunterbringung der Stadt werden weitere rund 60 Personen in dem Kasernengebäude ein Dach über dem Kopf finden, auch sie suchen mit Sicherheit Rat und Auskunft im Café bei den Ehrenamtlichen.

"Man darf die freiwilligen Helfer bei all ihrem Einsatz aber nicht überfordern", betont Lisa Kappes-Sassano, Regionalleiterin Caritas Fils-Neckar-Alb. Das könne schnell geschehen, schließlich sei das Ehrenamt nun mal eine freiwillige Sache - und niemand dazu verpflichtet. Christiane Schindler ist nun im Ringelbachgebiet in die Flüchtlingsarbeit mit eingestiegen, um die Ehrenamtlichen zu unterstützen. Die jahrzehntelangen Fachkenntnisse und das Wissen um die Netzwerke in der Stadt, die mit der Asylarbeit befasst sind, sind da von großem Vorteil, sagt Kappes-Sassano.

"Oberstes Ziel der Arbeit ist die Verbesserung der Lebenssituation von Flüchtlingen", betont Schindler. Erreicht werden soll das durch "Teilhabe der Asylbewerber am gesellschaftlichen Leben".

Doch die Aufgabengebiete der Sozialpädagogin reichen noch viel weiter: "Ich werbe um Verständnis und Akzeptanz für die Situation von Flüchtlingen," sagt sie. Die Unterstützung gerade in Kirchengemeinden sei jetzt schon groß - "da gibt es viel Solidarität, Verständnis und Bewusstsein für die Lage der Flüchtlinge", sagt Hermann Rist als Leiter des Caritas-Zentrums in Reutlingen. Gezeigt habe sich das bereits bei mehreren Veranstaltungen, die im Miteinander von Kirchengemeinden und Flüchtlingen durchgeführt wurden.

Christiane Schindler schätzt das Engagement der ehrenamtlichen Unterstützer der Asylarbeit enorm. "Das sind ja alles gestandene Leute, für mich sind das die Helden von heute", betont die Sozialarbeiterin. Ihre eigene Rolle betrachtet sie dabei als eine Art Dienstleisterin, Lisa Kappes-Sassano bezeichnet die Arbeit von Schindler als "Brückenbauerin und Vernetzerin".

Doch die Aufgaben sowohl für sie wie auch für das Ehrenamt werden nicht weniger, sondern sich verändern: "Eine spannende Frage ist, wie wir es schaffen, die Flüchtlinge in Beschäftigung und in Arbeit zu bringen."

Die Antwort müsste quasi vor der Tür stehen, weil Asylbewerber nun bereits nach drei Monaten arbeiten dürfen und nicht erst nach neun. "Wir bemühen uns also um Beschäftigungsmöglichkeiten für die Flüchtlinge", so Schindler.

Eine andere Frage wird sein, wie die künftige Kooperation zwischen Haupt- und Ehrenamt funktionieren kann, soll und muss. Denn die eigentlich zuständigen Sozialarbeiter vom Landratsamt - und im Ringelbachgebiet demnächst auch von der Stadt - müssten natürlich den Kontakt zu den enorm engagierten Ehrenamtlichen suchen und sie ebenfalls unterstützen. Denn auf deren Arbeit könnten weder Landratsamt noch Stadt verzichten, sagt Christiane Schindler.

Katholische Kirche unterstützt Asylarbeit

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat sich angesichts der Zunahme der Flüchtlingszahlen auch mit dem Thema befasst, berichtet Lisa Kappes-Sassano als Regionalleiterin der Caritas Fils-Neckar-Alb. Schließlich wurde ein spezieller Fonds gegründet, um die Flüchtlingsarbeit im Diözesangebiet zu unterstützen, die Caritas Reutlingen hatte einen Projektantrag gestellt - der auch bewilligt wurde. "Mit Christiane Schindler haben wir das Glück, eine erfahrene Frau in der Flüchtlings- und Migrationsberatung im eigenen Haus zu haben", so Kappes-Sassano. Das Ziel der Arbeit der Sozialpädagogin laute dabei: Mit ehrenamtlichen Netzwerken zusammenarbeiten, sie unterstützen und begleiten.

 

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