Weiterhin die Armut deutlich machen

Die 19. Vesperkirche will auch vor dem Hintergrund der großen Zahl von Flüchtlingen in der Stadt deutlich machen, so Günter Klinger vom Diakonieverband, dass sie eine Vesperkirche "für alle" ist.

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Etwa 2000 Flüchtlinge sind momentan in der Stadt. Diese Menschen seien auch herzlich eingeladen in die Vesperkirche, aber, so der Geschäftsführer des Diakonieverbands, Günter Klinger, "wir dürfen unser Ziel nicht aus den Augen verlieren". Das heißt: "Die Armut deutlich machen." Für die gut 20 ehrenamtlichen Mitarbeiter, die pro Tag nötig sind, um die Vesperkirche zu stemmen, gibt es nun zwei Hauptamtliche: Jürgen Rist und Gisela Braun. Der "Vater" der Vesperkirche, Klaus Kuntz, befindet sich in Reha, aber Klinger hofft, ihn bald wieder an Bord zu haben.

Viele Änderungen zur letztjährigen Vesperkirche gibt es nicht, die Form hat sich längst bewährt. Beim Auftaktgottesdienst am 17. Januar, 11 Uhr, predigt der evangelische Dekan Marcus Keinath, beim Schlussgottesdienst am 14. Februar, 15 Uhr, der katholische Dekan Hermann Friedl. Als Seelsorgerin, Ansprechpartnerin und Schüler- und Erwachsenengruppenführerin fungiert Pfarrerin Ursula Göggelmann, die daran erinnert, dass die Vesperkirche nicht nur ein Armuts-, sondern auch ein "Begegnungsprojekt" sei. Sie wünscht sich eine "Verjüngung" des Helferpersonals. Klinger schmunzelt: "Wir freuen uns aber auch über Ältere." Als "Mannschaft" sei man ohnehin guter Dinge. Es sei ja fast ein "Wunder", dass jedes Mal alles bestens klappt.

Das schmackhafte Essen liefert wie gewohnt die Bruderhaus-Diakonie. Küchenchef Winfried Herb, sagt Irmtraud Stengel, habe man nicht groß überreden müssen. Das Mittagessen (Hauptgang mit Nachtisch) inklusive Getränke, Kaffee/Tee und Gebäck sowie Vesperpaket kostet einen Euro. "Solidaresser" zahlen 5,50 Euro. "Nach oben gibt es aber keine Grenze", lacht Irmtraud Stengel. Mittwoch ist ein ganz koscherer Tag - ohne Schweinefleisch. Bäcker spenden Brot und Brötchen, Gärtnereien die Dekoration, der Kaffee wurde diesmal komplett gespendet. Da gehen am Tag, weiß Stengel, zwischen 800 und 1000 Tassen über die Theke. An Kuchenspenden sei man übrigens weiterhin interessiert. Zwei Mal montags und mittwochs ist ein Friseur, Montag, Mittwoch und Freitag ein Sozialberater vor Ort. Für Arztbesuche, so Brigitte Strohmaier, hätten sich fünf Ruheständler bereit erklärt. Sie sind Montag bis Freitag von 12 bis 13.30 Uhr da.

Kultur gibt es - immer donnerstags - auch 2015 in der Vesperkirche. Am 21. Januar, 19 Uhr, ist musikalischer Abend von und mit Flüchtlingen, am 28. Januar, 19.30 Uhr, spielt Tante Frieda's Jazzkränzchen auf. Am 4. Februar, 18 Uhr, gibt es, so Heidi Hummel, eine Premiere, denn es ist Benefiz-Filmabend mit dem Streifen "Wie im Himmel", veranstaltet vom Programmkino Kamino. Schließlich ist am 11. Februar, 19.30 Uhr, Konzert für Orgel (Torsten Wille) und Barockcello (Christine Wiebgräbe).

Momentan lagern noch viele Kisten beim Diakonieverband. Am 14. Januar, sagt Gisela Braun, startet der Einzug in die Citykirche, die dann zur Vesperkirche wird. Da helfen auch Flüchtlinge mit, junge Burschen, die anpacken können, freut sich Klinger. Vielleicht bleibe der eine oder andere ja hängen und hilft bei der 20. Vesperkirche als Ehrenamtlicher mit.

Etwa 90 000 Euro, so der Herr über die Spendeneingänge, Siegfried Wienerroither, seien nötig, um die Vesperkirche zu finanzieren. Dank der ungebrochenen Spendenbereitschaft in der Region habe man dies immer geschafft.

Info Die Vesperkirche hat täglich von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Mittagessen gibt's von 11.30 bis 14 Uhr. Wer spenden möchte: Reutlinger Vesperkirche - Diakonieverband, Kreissparkasse Reutlingen, IBAN: DE 6405 0000 0100 0230 73; BIC: SOLADES1REU.

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