Wechsel an der DGB-Spitze

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Der neue DGB-Kreisvorstand ist erst seit zwei Wochen im Amt und hat sich schon eine ganze Menge an Themen vorgenommen, die Matteo Scacciante und sein junges Team nach und nach angehen wollen. Allerdings sei das bislang mehr eine Ideenliste, schränkt er selbst ein: „Wir werden uns vier oder fünf Veranstaltungen herauspicken und umsetzen“, sagt der frisch gekürte DGB-Kreisvorsitzende. „Natürlich gehört die 1.Mai-Feier mit dazu“, schiebt Scacciante schnell hinterher.

Zur Bundestagswahl im Herbst kommenden Jahres könnte eine Veranstaltung über Demokratieverständnis in Deutschland und Europa ausgerichtet werden, vielleicht auch eine Podiumsdiskussion mit den Kandidaten im Kreis. Ein Tag der Ehrung von ehrenamtlich Aktiven wäre denkbar ebenso eine Schulung für ehrenamtliche Richter oder ein Antikriegstag. „Und wir könnten uns auch vorstellen, die Themen Flüchtlinge und Rente aufzugreifen“.

Zu viel wolle sich der neue Kreisvorstand des Gewerkschaftsbunds aber auch nicht vornehmen, schließlich sei das alles auch ein Ehrenamt und die Qualität der Veranstaltungen solle unter der Masse nicht leiden.

Abgelöst hat Matteo Scacciante den allseits bekannten Harry Mischke im Amt des DGB-Kreisvorsitzenden – er hat eine fast schon lebenslange Gewerkschaftskarriere hinter sich: Gleich zu Beginn der 1970er Jahre, als Mischke in seinem Heimatort in der Nähe des Bodensees eine Lehre als Landmaschinenmechaniker antrat, dauerte es nicht lang, und er wurde auch zum Jugendvertreter der IG Metall gewählt.

1984 kam Mischke nach Reutlingen als Streikhelfer, es muss ihm so gut gefallen haben, dass er blieb und bei Still-Wagner eine Stelle fand. Auch dort ging seine gewerkschaftliche Karriere weiter: „Seit 1987 war ich im Betriebsrat und schon freigestellt, 1989 wurde ich dann zum Betriebsratsvorsitzenden gewählt.“ Und das blieb er dann auch viele, viele Jahre. 2010 wechselte er zur IG Metall als Gewerkschaftssekretär, 2013 wurde er DGB-Vorsitzender, „was ja ein reines Ehrenamt ist“, berichtet  Mischke. Allerdings hatte er schon lange Zeit vorher damit begonnen, die Feiern zum 1.  Mai zu organisieren und auszurichten: „Das mache ich schon seit 25 oder 26 Jahren“, sagte er. Und fügt nicht ganz unbescheiden hinzu: „Das waren immer schöne Feiern, bei denen bis zu 1500 Leute kamen.“

Matteo Scacciante ist 32 Jahre jung, verheiratet, hat ein Kind, arbeitet (wie Mischke früher auch) bei Kion in Mittelstadt, dem Nachfolger von Still-Wagner. „Mit fünf oder sechs Jahren bin ich mit meinen Eltern von Sizilien nach Reutlingen gekommen, ich habe dann die Eichendorff-Realschule besucht und bei Kion eine Ausbildung zum Mechatroniker gemacht“, berichtet der neue DGB-Kreisvorsitzende beim Gespräch mit der Presse. Seit 2010 ist Scacciante im Betriebsrat, vor drei Jahren wurde er dann zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gremiums gewählt. Mit einer Dichte von bis zu 85 Prozent sei der Betrieb in Mittelstadt gewerkschaftlich bestens ausgestattet, betont Mischke.

Und warum hört der sympathische Harry nun auf mit dem DGB? „Ich habe seit 1970 durchgearbeitet“, sagt er und schränkt dann ein: Bevor er in Reutlingen anfing, habe er sich eine Auszeit von sechs Wochen gegönnt. „Ich bin jetzt 61, befinde mich in der aktiven Altersteilzeit und höre im Mai nächsten Jahres auf“, so Mischke. „Aber ich bin überzeugt, dass der DGB-Kreisvorsitz mit Matteo in gute Hände übergeht.“ Norbert Leister

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