Warten auf die Sintflut?

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Martin Kissling zeigt, worum es bei der Ausstellung geht: Menschen, die unterwegs sind. Foto: Norbert Leister  Foto: 

Menschen unterwegs. Das war nicht nur das Motto der diesjährigen Pfullinger Kulturwege – das Thema zog sich auch quer durch die rund 120 Fotos, die Pfullinger Bürgerinnen und Bürger geschossen haben und nun dieser Ausstellung zur Verfügung stellten. Zu sehen sind dabei Menschen aus nahezu allen Erdteilen, immer unterwegs. Oder eine Person, die von hinten abgelichtet, in Bologna auf einer Treppe liegt. Doch auch dieser Mensch wird irgendwann wieder aufstehen, irgendwohin gehen. Vielleicht dorthin zurück, wo er oder sie herkam?

Jedes dieser Fotos erzählt eine Geschichte. Eine Geschichte von Menschen, die unterwegs sind. In Afrika, in Uganda zum Beispiel, wie einer der Fotografen am Donnerstagabend in der Stadtbücherei zu seinem Foto berichtete: Er hat es als „reicher Deutscher“, wie er selbst betonte, aus einem Auto heraus geschossen. Eine Familie sitzt zu dritt auf einem Fahrrad oder einem Motorrad – und ist ebenfalls unterwegs. „Das Leben außerhalb des Autos lief phasenweise wie ein Film an uns vorbei“, berichtete der Fotograf. „Diese Menschen strahlten trotz ihrer offensichtlichen Armut Glück und Zufriedenheit aus“, sagte der Fotograf. Andere Szenen, die auf den Fotos in der Ausstellung festgehalten wurden: Auf einer Straße, die Luft flirrt vor extremer Hitze, laufen eine Nonne und eine Joggerin aufeinander zu. In den USA, auf Hawaii, in Asien? Der Betrachter weiß es nicht, Aufschluss kann vielleicht die Bildunterschrift geben. Die ganze Geschichte kann sie aber nicht erzählen. Die Betrachter sind gefordert, sich ihren eigenen Reim darauf zu machen, die eigene Fantasie spielen zu lassen.

„Wir sind weit entfernt davon, diese Vielzahl an Fotos von so vielen Fotografen zu interpretieren, es steht uns auch gar nicht zu“, sagte Felicitas Vogel von den Pfullinger Kulturwegen. „Aber hinter jedem einzelnen Foto steht eine Geschichte.“ Wie auch die eines Pilgerreisenden, der sich selbst schlafend in einer eiskalten Unterkunft, mit nicht viel mehr als ein paar Sofakissen als Unterlagen auf dem Boden abgelichtet hat.

Nach den Worten von Karola Adam wurden so viele Bilder eingereicht, dass der Stadtbücherei die Rahmen ausgegangen sind. Nun ist ein Teil der Fotos als Kalender auf drei verschiedenen Tischchen abgelegt worden und zum Ansehen bereit. „Heute führen die Kulturwege aus Pfullingen heraus“, hatte Felicitas Vogel während der Vernissage der Ausstellung am Donnerstagabend erläutert. Die Fotos werden noch bis Ende Januar 2017 zu sehen sein, Besucher haben die Möglichkeit, ihr Lieblingsfoto zu bewerten. „Die ersten drei Fotos werden dann zum Abschluss der Ausstellung prämiert“, so Karola Adam.

Eine der Fotografien zeigt Menschen, die offensichtlich warten. Nur auf was? „Ich habe mit einer Freundin dieses Jahr eine Radtour im Allgäu unternommen“, berichtete die Fotografin. Auf dem Radweg begegneten sie einer Gruppe Menschen, die in einem großen Schlauchboot saßen, das Schlauchboot allerdings war nicht im Wasser, sondern stand mitten auf einer Straße. Das Foto wirkt regelrecht surreal, die Menschen mit dem Boot völlig fehl am Platz.

„Haben sie auf die nächste Sintflut gewartet“, hatte sich die Fotografin gefragt. Auf jeden Fall war diese Szene es wert, festgehalten zu werden. Denn auch dort waren Menschen unterwegs. Norbert Leister

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