Vorwürfe stimmen im Ganzen

"Die Vorwürfe stimmen im Großen und Ganzen", sagte der 53-jährige Rechtsanwalt am Montag zu den Vorwürfen des Staatsanwalts. 19 Mal soll der Angeklagte Gelder von Mandanten veruntreut haben.

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Einen Schaden von etwa 50 000 Euro habe der Reutlinger Rechtsanwalt verursacht, indem er sogenannte "Fremdgelder" für sich selbst behalten hatte. Dabei waren auf seinen Konten insgesamt 19 Beträge eingegangen, die der 53-Jährige an Mandanten hätte weiterleiten müssen oder ans Gericht - weil dort Kosten für die jeweiligen Verhandlungen angefallen waren. Warum der Anwalt das getan hat? Er selbst betonte, die Kosten für seine Kanzlei seien "aus dem Ruder gelaufen", nachdem er sich 2007 selbstständig gemacht hatte. "Ich staune", sagte Richter Hausch dazu. "Bei nur einer Mitarbeiterin sollen die Kosten zu hoch gewesen sein? Könnte es nicht sein, dass Ihr Lebensstil zu teuer war?" Das wehrte der Angeklagte ab, die monatlichen Raten für zwei Immobilien hätten dazu geführt, dass er "in eine finanzielle Schieflage" geriet. "Das Genick hat mir schließlich gebrochen, dass ein Mandant mein Konto pfänden ließ." Alles, was dort einging, "das waren rund 30 000 Euro", sei sofort an den Mandanten geflossen.

Für die 19 Fälle der Veruntreuung von Mandantengeldern habe der Angeklagte keine einfache Erklärung: Bei einigen Fällen sei der Anwalt sich selbst nicht sicher gewesen, ob er die Klageschrift so bei Gericht einreichen sollte und habe sie erst mal zur Seite gelegt. "Im Nachhinein kann ich das selbst nicht mehr verstehen", so der Angeklagte. Mit Blick auf seine Finanzen habe er immer gehofft, "das Ruder noch herumreißen zu können", sagte der 53-Jährige.

"Was mich aber noch viel mehr erschreckt - dass Sie nach der Bewährungsstrafe einfach weiter gemacht haben", betonte Eberhard Hausch. 2012 gab es nämlich schon mal eine Verhandlung gegen den Rechtsanwalt, nach der er dann auch seine Zulassung verloren hatte. Dennoch hatte der Angeklagte sich in drei Fällen weiter vor Gericht als Anwalt ausgegeben und laut Staatsanwalt Jan Vytlacil damit des "Missbrauchs von Berufsbezeichnungen schuldig gemacht."

"Ich hatte ja 2012 die Auflage erhalten, eine Therapie zu machen", so der Rechtsanwalt. Er habe auch einen Psychologen aufgesucht - Burnout habe er aber nicht, habe es geheißen. "Bei einigen der Klagen waren es komplizierte Sachverhalte, bei denen ich unsicher war, ich dachte, vielleicht komme ich noch auf die geniale Idee", so der Anwalt. Das bezweifelte allerdings der Staatsanwalt: "Komplizierte Sachverhalte? Wieso hatten Sie keine Hemmungen, die Gerichtskostenvorschüsse geltend zu machen und als das Geld da war, haben Sie den Kuli fallen gelassen."

Hinzu sei gekommen, dass der Angeklagte Verjährungsfristen nicht beachtet hatte. "Das ist doch das A und O eines Anwalts, Schadenersatzansprüche nicht verjähren zu lassen", so Vytlacil. Ein Fall sei besonders prekär gewesen, als der Anwalt nach einer misslungenen Operation die berechtigten Ansprüche einer Mandantin gegenüber dem Arzt nicht konsequent weiter verfolgt hatte. Hinzu kam, dass der Anwalt Schmerzensgeld in Höhe von rund 17 000 Euro, das auf seinem Konto eingegangen war, nicht an die Frau weitergeleitet hatte. Eine weitere Mandantin hatte am Montag vor dem Amtsgericht als Zeugin zu den Versäumnissen ihres Anwalts betont: "Ich konnte so was Dummes nicht begreifen, ich bin mordsmäßig enttäuscht." Die Verhandlung wurde vertagt.

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